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Lebenslang übergewichtig

Lebenslang übergewichtig? Wie entscheidend sind die ersten 1000 Tage?

Lebenslang übergewichtig? Die ersten 1000 Tage entscheiden!

Übergewicht hat sich zur Volkskrankheit entwickelt. Betroffen sind nicht nur Erwachsene. Auch Kinder bringen immer mehr Gewicht auf die Waage – zu viel für ihr Alter. Entscheidend für das Gewicht eines Menschen sind die ersten 1000 Tage – und da läuft einiges schief. Dr. med. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist und ärztlicher Leiter – Geschäftsführer am medicum Hamburg will das nicht hinnehmen. Mit MeinAllergiePortal sprach er über sein Buch "Die Macht der ersten 1000 Tage", das Übergewicht verhindern bzw. Übergewichtigen helfen soll.

Herr Dr. Riedl, gerade wurde Ihr Buch "Die Macht der ersten 1000 Tage" veröffentlicht, an wen richtet sich Ihr Buch?

Mein Buch richtet sich an alle, die Verantwortung für Kinder haben. In erster Linie sind das die Eltern, die ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben ermöglich möchten. Aber auch die Großeltern, Verwandte, Mediziner, Krankenkassen und Politiker sind angesprochen. Außerdem richtet sich mein Buch auch an Erwachsene, die mit ihrem Übergewicht vielleicht schon lange erfolglos kämpfen.

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In Ihrem Buch "Die Macht der ersten 1000 Tage" betonen Sie, dass der Grundstein zu Übergewicht in den ersten 1000 Lebenstagen eines Kindes gelegt wird. Was ist damit genau gemeint?

Die ersten 1000 Tage unserer Menschwerdung beginnen nicht mit der Geburt, wie viele annehmen, sondern sie umfasst die Zeit zwischen der Zeugung und dem zweiten Geburtstag. Heute wissen wir, dass diese ersten 1000 Tage den Menschen entscheidend prägen. Deshalb erkläre ich im Buch auch, welche Prozesse, insbesondere des Essverhaltens, für diese Prägung verantwortlich sind und wie Eltern diese Prozesse beeinflussen können.

Heißt das, auch unser Geschmack und auch die Neigung zu Übergewicht werden in diesen ersten 1000 Tagen geprägt?

Ganz richtig, zum Beispiel erkläre ich in "Die Macht der ersten 1000 Tage", wie sich der Geschmackssinn und der Hunger-Sättigungs-Regelkreis entfalten und welche Rolle das Gehirn dabei spielt – und das bereits vor der Geburt. All diese Faktoren zusammen bilden die Grundlage für die Prägung eines Menschen. Zudem wird deutlich warum jeder Mensch bestimmte Geschmacksvorlieben hat und warum die Eltern darüber mitbestimmen, ob ein Kind ein Leben lang mit Übergewicht kämpfen muss oder ob es ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickelt.

Ist die frühkindliche Prägung in den ersten 1000 Tagen die Ursache dafür, dass viele Menschen mit Übergewicht trotz Diäten immer wieder zunehmen?

Das ist einer der Gründe, denn Diäten können erlernte Verhaltensmuster zwar für eine gewisse Zeit durchbrechen, aber irgendwann verfällt man dann doch wieder in die vertrauten Gewohnheiten und dann nimmt man wieder zu.

Wie gesagt, die Ernährungsprägung durch die Eltern beginnt bereits mit der Zeugung. Was die Mutter in der Schwangerschaft isst und ob und wie häufig sie sich körperlich bewegt, beeinflusst das Kind. Nach der Geburt werden viele Kinder ausschließlich mit Fertiggläschen, Fertigbrei und Kindersaftgetränken gefüttert, die oft viel zu viel Zucker und damit zu viele Kalorien enthalten. Später orientiert sich das Kind dann ebenfalls am Essverhalten und Aktivitätsverhalten seines Umfeldes. Ernährt sich die Familie von Fertigprodukten und „Junk Food“ und sitzen alle lieber auf dem Sofa, als Sport zu treiben, wird das Kind diese Verhaltensweisen übernehmen. Man kann nicht erwarten, dass Kinder, die nie frisches Obst und Gemüse zu essen bekamen, plötzlich mediterrane Kost bevorzugen und Sport treiben. Aber selbst die Tatsache, dass das Kind übergewichtig ist, fällt vielen Eltern nicht auf – oft sind sie es ja selbst. Aufmerksam wird man häufig erst dann, wenn es beim Kind durch das Übergewicht zu Erkrankungen kommt.

Expertengespräch mit Dr. Riedl im Video

 

 

Zu welchen Erkrankungen kommt es bei Kindern durch Übergewicht?

Kinder mit Übergewicht können erhebliche Gesundheitsprobleme entwickeln. Außerdem kommt es bei übergewichtigen Kindern oft schon in einem sehr jungen Alter zu bestimmten Erkrankungen, die eigentlich als „Erwachsenenerkrankungen“ gelten.

Typische Erkrankungen übergewichtiger Kinder sind zum Beispiel:

  • Typ-2-Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Fettleber (NAFL)
  • Schlafapnoe
  • Gelenkschäden
  • Allergische Erkrankungen wie Asthma und Neurodermitis oder auch Akne

All diese Erkrankungen treten bei Kindern mit Übergewicht häufiger auf und haben eines gemeinsam: Entzündliche Reaktionen spielen eine wesentliche Rolle!

Hinzu kommen bei übergewichtigen Kindern weitere Risiken.

Zu welchen weiteren Risiken kommt es bei Kindern mit Übergewicht?

Kinder mit Übergewicht haben ein höheres Risiko für die folgenden Erkrankungen:

  • Fettstoffwechselstörungen
  • Zuckerstoffwechselstörungen
  • Harnstoffwechselstörungen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Somatisierungsstörungen
  • Essstörungen

Und: Wenn übergewichtige Kinder erwachsen werden erkranken sie häufiger an:

  • Krebs
  • Diabetes
  • Herzkreislauferkrankungen
  • polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) - bei Frauen kommt es hier zu erhöhten Werten an männlichen Geschlechtshormonen.

Ganz davon abgesehen ist falsche Ernährung mittlerweile eine der wichtigsten Todesursachen.

Ist denn bei Übergewichtigen ein normales Essverhalten und damit ein normales Gewicht überhaupt noch möglich, wenn die frühkindliche Prägung dass Essverhaltens so stark bestimmt?

Ja, es ist möglich, sein Übergewicht loszuwerden. Strenge Diäten sind dann aber nicht hilfreich. Besser ist es, die Mechanismen der frühkindlichen Prägung zu kennen und die eigenen Verhaltensweisen so besser zu verstehen und zu kontrollieren. Unterstützen kann eine Therapie, die auf drei Säulen beruht: Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie und die von einem Ernährungsmediziner oder einer Ernährungsfachkraft begleitet wird. Hilfreich ist dabei auch, wenn auch das gesamte Umfeld der Kinder mitmacht.

Wenn man sich dann auf das Wesentliche konzentriert, ist schon viel gewonnen. Dabei gilt das 20:80-Prinzip, nach dem man maximal 20 Prozent der wesentlichsten „Kalorienbomben“ durch gesunde und kalorienarme Nahrungsmittel ersetzt. Wichtig ist, dass die Auswahl der zu ersetzenden Speisen und auch der Ersatzprodukte zusammen mit dem Patienten erfolgt. So kann es gelingen, die Prägung des Übergewichtigen langsam zu ändern. Zusammen mit dem Verstehen der Gründe für das eigene Verhalten und einem Sportprogramm, das Spaß macht, kann der Gewichtsverlust gelingen.

Was können Eltern tun, damit ihr Kind gar nicht erst übergewichtig wird?

Das Wichtigste ist, dass die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Es bringt nichts, wenn die Eltern sich von Pommes und Pizza ernähren und das Kind soll Spinat essen.

Gesund und nährstoffreich ist die mediterrane Kost, das heißt:

  • Frisches Gemüse, insbesondere Wurzelgemüse
  • Frischer Salat
  • Pilze
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Obst als ganze Frucht und in Maßen

Es kommt aber nicht nur darauf an, was man isst – auch wie man isst spielt eine Rolle.

Das bedeutet:

  • Feste Essenszeiten mit zwei bis drei Mahlzeiten am Tag
  • Ruhe beim Essen, ohne TV oder Handy
  • Keine Zwischenmahlzeiten
  • Wasser oder ungesüßte Tees an Stelle von Soft Drinks und Fruchtsäften

Und was empfehlen Sie Übergewichtigen gegen den Bewegungsmangel?

Sport und Bewegung sollten Teil des Familienalltags ein – eine Stunde pro Tag sollte angestrebt werden. Dabei kann auch die Mitgliedschaft in einem Sportverein helfen.

Ganz wichtig ist jedoch aus meiner Sicht, dass Menschen mit Übergewicht verstehen, welche Rolle ihr Verhalten für das Übergewicht spielt und wie es dazu kommt. In meinem Buch „Die Macht der ersten 1000 Tage“ wird dies ausführlich erklärt.

Herr Dr. Riedl, herzlichen Dank für dieses Interview.

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