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Allergischer Marsch Prävention

Prof. Hamelmann zum Thema "Allergischer Marsch": Gibt es ihn überhaupt?

Allergischer Marsch: Gibt es ihn überhaupt? Neues zur Prävention!

Lange ging man davon aus, dass sich Allergien nach einem bestimmten Schema entwickeln, dem „allergischen Marsch“. Mittlerweile ist dies umstritten, denn eine feste Abfolge scheint es bei der Entwicklung nicht zu geben. Im Vorfeld der Fachkreise-Veranstaltung „Deutscher Allergiekongresses 2019 (DAK)“, der vom 26. bis 28. September 2019 in Hannover stattfindet, sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann über das Thema „Allergischer Marsch, ob es ihn überhaupt gibt und was es Neues in der Forschung zur Prävention gibt. Prof. Hamelmann ist Chefarzt im Kinderzentrum Bethel des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld und 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

Herr Prof. Hamelmann, was ist ein „allergischer Marsch“?

Mit „allergischer Marsch“ verband man in der Vergangenheit die Vorstellung, dass eine „Allergiker-Karriere“ mit einer bestimmten allergischen Erkrankung beginnt und dann die anderen nach und nach hinzukommen, dies in einer definierten Abfolge. Demnach würde der allergische Marsch bei Kindern im dritten Lebensmonat mit einer Neurodermitis beginnen, mit einer Nahrungsmittelallergie weitergehen und dann würden Atemwegsallergien hinzukommen. Zu guter letzt käme es, so glaubte man, zu einem Etagenwechsel zum allergischen Asthma. Diese Vorstellung entspricht jedoch eindeutig nicht den Tatsachen.

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Heißt das, den „allergischen Marsch“ gibt es nicht?

Nicht in der bisher vermuteten Form. Zunehmend setzt sich jedoch die Erkenntnis durch, dass wir Allergien eher eine Systemerkrankung begreifen müssen, die sich an allen Organsystemen zeigen kann. Das bedeutet, Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis, Atemwegsallergien und ein allergisches Asthma können sowohl parallel als auch in unterschiedlichen Kombinationen auftreten. Auch können sie sich sowohl gleichzeitig als auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in jedem Lebensalter entwickeln. Gleichzeitig gibt es Patienten, bei denen es nur zu einer einzigen dieser Erkrankungen kommt.

Wie kommt es zur „Systemerkrankung Allergie“ und was weiß man über die Ursachen?

Wir wissen, dass die Entwicklung, zum Beispiel eines allergischen Asthmas, mannigfaltige Ursachen haben kann. Oft finden sich Allergie in der Familie, so dass ein genetischer Hintergrund angenommen werden kann, der die Bereitschaft zur Krankheitsentwicklung bestimmt. Allerdings: „das Asthma-Gen“ oder „das Allergie-Gen“ gibt es nicht. Zusätzlich zu dieser genetisch bedingten erhöhten Bereitschaft zu allergischen Erkrankungen kommt eine Endorgan-Suszeptibilität für die Entwicklung einer Erkrankung an eben diesem Organ hinzu. Das bedeutet, es besteht eine gewisse Empfindlichkeit, die die Bereitschaft, eine Erkrankung zu entwickeln, bedingt. Bei bestimmten Patienten findet man z.B. Polymorphismen, das heißt „Varianten“, an Genen, die für den Aufbau bestimmter Proteine im Lungengerüst dienen. Hier spielt auch die Barrierestörung der Haut bei einer Neurodermitis und vermutlich auch der Schleimhaut beim Asthma eine zentrale Rolle. Dann kommen Auslösefaktoren hinzu, die den Ausbruch der Erkrankung hervorrufen bzw. erleichtern. Dies sind beim Asthma zum Beispiel frühe Virusinfektionen.

Zum besseren Verständnis: Die Atopie als Systemerkrankung basiert auf zwei Prinzipien:

  1. Die grundlegende Bereitschaft, IgE-Antikörper gegen an sich harmlose Proteine (Pollen, Lebensmittel, Milbenkot) zu produzieren.
  2. Das Vorhandensein einer Barrierestörung, sei es im Magen-Darm-Trakt oder in der Haut.

Die Barrierestörung erleichtert das Eindringen von Allergenen in den Organismus über die orale Route, das heißt den Mund, oder die Haut. Zusammen mit der grundlegenden Bereitschaft, IgE-Antikörper zu produzieren, führt dies zu einer spezifischen Sensibilisierung. Diese Sensibilisierung kann voranschreiten, das heißt, es kommt möglicherweise zu weiteren Sensibilisierungen, die sich durch Symptome an unterschiedlichen Organsystemen zeigen können. Diese Manifestationen wären dann die klassischen allergischen Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma oder Pollenallergien. Es ist dieser Pathomechanismus, der den eigentlichen „modernen allergischen Marsch“ ausmacht.

Ergeben sich durch die Einordnung allergischer Erkrankungen als Systemerkrankung neue Möglichkeiten der Prävention?

Deutlich wird, dass es bei allergischen Erkrankungen sinnvoll ist, frühzeitig einzugreifen, noch bevor es zu Symptomen kommt. Alles, was die Barrierestörung und die Sensibilisierung verhindert oder reduziert bzw. zurückdrängt, ist hilfreich.

Wie kann man Allergien konkret vorbeugen?

Zurzeit stehen drei Säulen der Prävention im Fokus der Forschung:

  1. Eine theoretische Chance zur Prävention besteht z.B. bei Kindern mit einer Neigung zu Neurodermitis in der frühen und regelmäßigen Pflege der Haut. So kann man verhindern, dass es zu einem Barrieredefekt kommt. Den präventiven Effekt dieser Maßnahme untersuchen wir zurzeit in klinischen Studien.
  2. Ein weiteres Präventionspotential liegt im Einsatz von Präbiotika, Probiotika und Synbiotika. Damit könnte man die Barrierestörung des Magen-Darm-Traktes sehr früh bekämpfen. Dies würde das von dieser Barrierestörung ausgehend Sensibilisierungsrisiko deutlich senken und damit den Ausbruch der Allergie.
  3. Eine frühe Herstellung einer Allergentoleranz. Die Toleranz gegenüber Allergenen kann das Immunsystem des Kindes erst dann entwickeln, wenn ein Allergenkontakt stattgefunden hat. Bringt man das Kind sehr früh in Kontakt mit potenziellen Allergenen, hat das Immunsystem die Möglichkeit, sie als harmlos und tolerierbar einzustufen.
    Die frühste Form der primären Prävention wäre eine Allergen Immuntherapie (AIT) in der Schwangerschaft.

Herr Prof. Hamelmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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