Nitrat Wasser

Dr. Thomas Lob-Corzilius zum Thema: Nitrat im Wasser - was ist drin?

Nitrat im Wasser: Was ist drin?

Nitrat gehört nicht unmittelbar zu den gefährlichen Substanzen – eine Nitratvergiftung kennt man nicht. Allerdings wird Nitrat im Körper teilweise zu Nitrit umgewandelt und Nitrit steht unter anderem unter Verdacht eine kanzerogene Wirkung zu haben, also Krebs zu verursachen. Dass Nitrat über die Düngung der Ackerböden in den Nahrungskreislauf und ins Wasser gelangen könnte, verursacht bei Vielen, insbesondere bei Müttern kleiner Kinder, ein mulmiges Gefühl. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Thomas Lob-Corzilius, Kinder- und Jugendarzt i.R., Allergologie, Kinderpneumologie, Umweltmedizin über das Thema „Nitrat im Wasser: Was ist drin?“.

Herr Dr. Lob-Corzilius, enthält unser Trinkwasser zu viel Nitrat?

Das von den öffentlichen Wasserversorgern bundesweit gelieferte Trinkwasser hält bislang den gesetzlich geforderten Grenzwerte von < 50 mg/l ein. Dies gilt für das Wasser, das von den Wasserversorgern bis zur Grundstücksgrenze geliefert wird, die hausinterne Verteilung obliegt dem Eigentümer. Das so gelieferte Wasser ist eines der am besten und ständig untersuchten Lebensmittel in Deutschland. Für die Ernährung von Säuglingen bis zum 1. Lebensjahr sollte nur Trinkwasser verwendet werden, welches einen Nitratgehalt bis max. 10mg/l enthält.

Gilt diese Aussage für ganz Deutschland?

Nutzt man einen Hausbrunnen – was beim dem meist geltenden Anschlusszwang auch auf dem Lande nicht legal ist - und lebt in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Region, kann das anders aussehen. Hier könnte es durchaus zu Nitratwerten > 50 mg/l kommen.

Für die Zukunft ist unsere Trinkwasserqualität gleichwohl bedroht, diese Einschätzung wird von den öffentlichen Wasserversorgern geteilt. Deshalb arbeiten sie verstärkt an Konzepten, wie die Einhaltung der Nitrat-Grenzwerte angesichts des hohen Eintrags in die Böden auch auf Dauer garantiert werden kann.

Wie kommt das Nitrat in die Böden?

Hauptverursacher für den seit langem zu hohen Nitrateintrag in die Böden ist die Landwirtschaft. In der Massentierhaltung werden enorme Mengen an nitrathaltiger Gülle erzeugt, die als Dünger der Ackerflächen genutzt wird.

Das bedeutet: Auch wenn unser Wasser bislang noch nicht übermäßig durch Nitrat belastet ist, müssen wir perspektivisch dafür sorgen, dass weniger Nitrat ausgebracht wird.

Für die bislang geltende Praxis hat Deutschland vom Europäischen Gerichtshof eine Vertragsstrafe erhalten. Seit 2018 ist eine neue Düngemittelverordnung in Kraft, die das Ziel hat, die Auflagen der Europäischen Kommission umzusetzen und den bekanntermaßen viel zu hohen Nitrateintrag in Deutschland zu reduzieren. Allerdings stößt diese auf deutliche Kritik bei Naturschützern aber auch den Wasserversorgern.

Was kritisieren die deutschen Wasserversorger an der neuen Düngemittelverordnung?

Die deutschen Wasserversorger beurteilen die neue Düngemittelverordnung im Hinblick auf eine Reduzierung der hohen Nitrateinträge in die Böden als nicht ausreichend. Sie haben deshalb die EU-Kommission aufgefordert, die aktuell anhängige Klage gegen Deutschland nicht zurückzunehmen. Stattdessen fordern sie, das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen unzureichender Gegenmaßnahmen gegen den erhöhten Nitrateintrag aufrecht zu erhalten mit dem Ziel, den rechtlichen und politischen Druck auf die deutschen Regulierungsbehörden zu erhöhen.

Gibt es, abgesehen vom Nitrat, weitere potentiell gesundheitsgefährdende Stoffe im Wasser?

Wie etliche Institutionen auch befasst sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück schon länger mit dieser wichtigen Thematik. Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Leuphana Universität Lüneburg, hat dort kürzlich zum Thema "Unser Wasser - wie können wir es sauber halten?" einen Vortrag gehalten hat. Er zeigte darin wie nicht abbaubare Antibiotika oder Antirheumatika, Mikroplastik und Weichmacher z.B. aus Kosmetika in unser Abwasser gelangen. Zukünftig wird es für die Wasserwerke eine große Herausforderung sein, das Abwasser so aufzubereiten, dass diese Stoffe darin möglichst nicht mehr oder zumindest deutlich geringer enthalten sind. Die Versorger sehen schon länger dieses Problem und versuchen, sich für diese neuen Anforderungen an die Filterung des Wassers zu rüsten. Das wird natürlich Geld kosten, welches wir alle als Verbraucher über die Abwassergebühren bezahlen müssen. Aber nur so kann die Qualität unseres Grundwassers als Reservoir für das lebensnotwendige Trinkwasser gesichert werden.  

Viel besser ist es aber, für einen geringeren Eintrag zu sorgen. Hierbei spielen auch wir als Verbraucher eine wichtige Rolle: dies bedeutet z.B.beim Kauf von Kosmetika darauf zu achten, ob Mikroplastik in den Produkten enthalten ist. Am wirkungsvollsten wäre natürlich auch hier ein gesetzliches Verbot.

Zurzeit ist Wasser aber bedenkenlos genießbar…

Aktuell gibt es an unserem Trinkwasser nichts zu beanstanden. Es ist weitgehend schadstofffrei, wird nicht gechlort und bleibt auch im Hinblick auf Nitrat innerhalb sämtlicher Grenzwerte.  Wasser wird auch von der Dt. Gesellschaft für Ernährung als Hauptgetränk empfohlen, gerade für Kinder und angesichts der Zunahme von Adipositas. In Osnabrück und Umgebung haben wir mit Unterstützung der regionalen Stadtwerke 100 Kindergärten und 75 Schulen mit Trinkwasserspendern versorgt um dem Konsum von Süßgetränken, Säften oder gesüßten Milchgetränken entgegenzuwirken.

Herr Dr. Lob-Corzilius, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.