Mikroplastik Plastikadditive Nahrungskette

Dr. Andrea Stolte zum Thema: Mikroplastik und Plastikadditive in der Nahrungskette!

Mikroplastik und Plastikadditive in der Nahrungskette

Weiß man, ob Mikroplastikteilchen wieder ausgeschieden werden?

Zum Teil werden Mikroplastikteilchen auf natürlichem Wege ausgeschieden. Dies ist sowohl bei Robben als auch bei menschlichen Exkrementen nachgewiesen. Entzündliche Veränderungen an den Verdauungsorganen hat man nicht untersuchen können.

Eine sehr schwache Korrelation zeigte sich bei an Infektionen gestorbenen Walen und Robben in den an den britischen Küsten gestrandeten Tieren. Bei diesen Tieren fand man im Mittel mehr Mikroplastik in den Innereien, als bei den Tieren, die keine Infektionsmarker zeigten. Auch hier handelt es sich nicht um große Mengen, man fand zwischen einem und 14 Teilchen pro Tier. Es könnte also durchaus sein, dass diese Tiere nicht durch das Mikroplastik, sondern aus anderen Gründen erkrankt waren. Wenn sich Tiere vermehrt an Flussmündungen aufhalten und dort auch ihre Nahrung finden, könnte Abwasserbelastung eine Ursache sowohl für ein geschwächtes Abwehrsystem als auch für die Aufnahme von Mikroplastik sein. Von der Themse weiß man zum Beispiel durch eine Studie4), dass sie hochgradig mit Mikroplastik belastet ist, aber natürlich auch mit anderen Abwässern. Die Entzündungen, die man bei den Tieren gefunden hat, lassen sich daher nicht unmittelbar auf die Plastikbelastung zurückführen.

Allerdings ist auch nicht bekannt, ob und ab wie vielen Mikroplastikteilchen im Körper es zur Beeinträchtigungen für das Tier kommt und welche Mengen an Plastikadditiven das Abwehrsystem schwächen. Auch ist die Todesursache der Fundtiere ohne Infektionen häufig nicht bekannt, wenn an den Tieren keine Läsionen zu sehen sind. In diesen Fällen kann nicht bestimmt werden, ob Tiere durch Plastik im Magen oder Verdauungssystem und dessen Additive geschwächt waren.


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Gibt es denn dann überhaupt die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen Plastikadditiven und einer Gesundheitsschädigung nachzuweisen?

Das wird immer schwierig sein. In Tierversuchen5) hat man die östrogene Wirksamkeit der Plastikadditive nachgewiesen. Dies wirkte sich auf die geschlechtliche Entwicklung und die Reproduktionsfähigkeit der Tiere aus. Bei Fischen und Mäusen hat man nachgewiesen, dass es durch Plastikadditive zu Reproduktionsstörungen und Fehlbildungen beim Embryo kommen kann. Bei Larven konnte man eine erhöhte Sterblichkeitsrate sehen, und bei Kleinsäugern hat man im Tierversuch ein durch Plastikadditive erhöhtes Aggressionspotenzial, eine Veränderung der Hirnstruktur und ein verfrühtes Eintreten der Pubertät festgestellt.

An diesen Versuchen wird oft kritisiert, dass mit deutlich höheren Dosen gearbeitet wird, als dies beim menschlichen Verzehr üblicherweise zu erwarten ist. Allerdings sollte man hier auch den Akkumulationseffekt berücksichtigen. Durch den permanenten Kontakt mit Plastik, gerade durch Lebensmittel- und Getränke-Verpackungen, kann sich die Menge an Plastikadditiven, mit denen ein Individuum in Kontakt kommt, über die Jahre aufaddieren. Ab wann eine solche Konzentration jedoch eine Schadwirkung für die menschliche Gesundheit entfaltet, ist bisher nicht bekannt.5)

Gibt es weitere Erkenntnisse zu Plastikadditiven?

Nachgewiesen wurde, dass Plastikadditive im menschlichen Blut und Mikroplastik in menschlichen Exkrementen zu finden sind. Dadurch wissen wir, dass auch der Mensch Mikroplastik und Plastikadditive mit der Nahrung aufnimmt und offensichtlich auch ausscheidet. Was wir nicht wissen ist, ob es dadurch zu entzündlichen Reaktionen, hormonellen Veränderungen oder anderen Erkrankungen kommen kann. Wir wissen auch nicht, ob Plastikpartikel oder –fasern in Nanogröße dazu in der Lage sind, die Darmbarriere zu überwinden und wie sich dies auswirken könnte.

Gesundheitliche Risiken durch Plastikadditive sind für Bisphenol A bekannt. Das Bundesumweltamt hat daher bereits vor einigen Jahren die Empfehlung ausgesprochen, auf Bisphenol A in Kleinkindspielzeug zu verzichten.5)

Was weiß man über die Gesundheitsrisiken von Bisphenol A?

Da Plastikadditive in unserer heutigen Lebenswelt allgegenwärtig sind, gibt es zu Bisphenol A gewissermaßen „ungewollte Experimente  am Menschen“. In den USA wurden die Rückstände von Bisphenol A bei Müttern, die erhöhten Konzentrationen von Bisphenol A während der Schwangerschaft ausgesetzt waren, im Urin nachgewiesen.6) Es wurde auch hier ein erhöhtes Aggressionspotential bei den betoffenen Säuglingen im zweiten Lebensjahr beobachtet. Die Ergebnisse aus Studien zu von Bisphenol A ausgehenden Gesundheitsrisiken sind in einem Gutachten des Umweltbundesamtes zusammengefasst, in dem unter anderem dargelegt wird, warum man beim Spielzeug für Kleinkinder auf Bisphenol A heute verzichtet.

Plastikadditive wie zum Beispiel Phthalate oder Polyacrylate findet man aber auch in allen Arten von Cremes und Kosmetika, zum Beispiel in Sonnencremes. Auch in Präparaten für Menschen mit empfindlicher Haut oder Neurodermitis sind diese Additive häufig enthalten. Ob und in welcher Form sie in den menschlichen Körper aufgenommen werden und welche Auswirkungen dies auf die Gesundheit haben könnte, wissen wir nicht. Auch über die Allergiepotentiale dieser Additive ist bisher nur wenig bekannt.  

Was ist zu Mikroplastik bzw. Plastikadditiven in Landtieren bekannt?

Man weiß, dass Mikroplastik von Seevögeln versehentlich aufgenommen wird, weil es sich optisch mit Plankton oder kleinen Beutetieren vermischt. Aufgrund der intensiven Färbung von Plastikpartikeln wird darüber hinaus spekuliert, ob Seevögel bevorzugt Plastikteile zur Fütterung ihrer Jungtiere auffischen.

Bei Landtieren müsste die Aufnahme über die Nahrung oder das Trinkwasser erfolgen, und zumindest bei der Nahrung ist das Risiko einer Kontamination mit Mikroplastik deutlich geringer als bei im Wasser lebenden Tieren.

Allerdings ist das Wasser von Seen oder Flüssen, zum Beispiel des Rheins, ebenfalls stark mit Mikroplastik belastet, dass konnte eine Studie7)  zu Mikroplastik-Teilchen entlang des Rheinverlaufs nachweisen. Über das Trinkwasser können auch Landtiere mit Mikroplastik konfrontiert werden, aber der Nachweis hierfür wurde noch nicht erbracht.

Auf landwirtschaftlichen Äckern8) allerdings, konnte man Mikroplastik nachweisen.

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