Mikroplastik Plastikadditive Nahrungskette

Dr. Andrea Stolte zum Thema: Mikroplastik und Plastikadditive in der Nahrungskette!

Mikroplastik und Plastikadditive in der Nahrungskette

Über Mikroplastik und Plastikadditive wird in den Medien intensiv berichtet. Auch bei der 6. AGAS/AGNES-Jahrestagung, die am 22. Und 23. Februar 2019 in Stralsund stattfand, wurde das Thema mit dem Vortrag „Kein Plastik-Meer“ von Dr. Andrea Stolte, WWF Büro Ostsee, Stralsund, aufgegriffen. Was aber weiß man über das Vorkommen von Mikroplastik und Plastikadditiven in unserer Nahrungskette? Darüber sprach MeinAllergiePortal im Rahmen der Veranstaltung mit der Referentin.

Frau Dr. Stolte, in welchen Meerestieren findet man Mikroplastik?

Mittlerweile hat man in sehr vielen Meeresorganismen Mikroplastik nachgewiesen. Als Mikroplastik bezeichnet man Partikel oder Fasern, deren Durchmesser kleiner als 5 Millimeter ist. Grundsätzlich findet man Mikroplastik in den Innereien der Tiere. Zum einen in Ruderfußkrebsen (Copepoden), einer mit Krill oder Nordseekrabben vergleichbaren Krebsart.

Ruderfußkrebse ernähren sich von Plankton und nehmen in diesem Zusammenhang Mikroplastikteilchen oder –fasern auf. Auch fand man in 73 Prozent der beprobten Speisefische aus dem Nordatlantik oder der Nordsee Mikroplastik in den Innereien. Zwar handelte es sich jeweils nur um geringe Mengen, oft fand man nur eins bis drei, selten mehr, Teilchen, aber es wird doch deutlich, dass die Verbreitung von Mikroplastik in den Fischen unserer Region recht weit fortgeschritten ist. Mikroplastik ist damit in der marinen Nahrungskette und damit auch auf unseren Tellern angelangt.

In einer Studie1) zu Mikroplastik in Nordsee und Ostsee an Hering und Dorsch bzw. Kabeljau wurden im Mittel in 23 Prozent aller untersuchten Fische Mikroplastik-Teilchen oder -Fasern gefunden.  

In Belgien und Nordfrankreich hat man auch für den menschlichen Verzehr bestimmte Miesmuscheln und Austern aus Nordseezuchten untersucht. Durchschnittlich fand man im Gewebe dieser Muscheln ein bis zwei Mikroplastik-Teilchen. Da Muscheln als Ganzes verzehrt werden, nimmt man mit einer typischen Portion Muscheln einige Dutzend Mikroplastik-Teilchen auf.

 

Sie unterscheiden zwischen Mikroplastik-Partikel und Mikroplastik-Fasern…

Bei unseren Proben finden wir meist zu 80 Prozent Mikroplastik-Fasern und 20 Prozent oder weniger Mikroplastik-Partikel. Mikroplastikfasern sind kleine Plastikfädchen, die sich zum Beispiel bei der Wäsche aus Textilien lösen können. In einer Studie2) hat man festgestellt, dass bei einem Fleecepulli durch einen einzigen Maschinenwaschgang bereits ca. 2.000 Mikroplastik-Fasern verloren gehen. Man kann sich also gut vorstellen, welche Mengen an Mikroplastik-Fasern allein durch die Wäsche synthetischer Kleidung in die Kläranlagen gelangen. Eine weitere Quelle für Mikroplastik-Fasern im Meer ist der Abrieb von Schiffstauen und Fischernetzen. Diese werden mit der Zeit mürbe, aber auch durch die Reibung am Schiffsrumpf gelangen Mikroplastik-Fasern und Mikroplastik-Teilchen ins Wasser. Zum Beispiel haben Krabben-Schleppnetze in der Nordsee feine Fäden, um das Netz vor dem Abscheuern auf dem Meeresboden zu schützen. Diese aus dem Englischen als „Dolly Ropes“ bezeichneten Fäden nutzen sich durch ihre Funktion als Scheuerschutz ab und zerreiben mit der Zeit zu Mikroplastik-Fasern.

Werden Mikroplastikfasern in Kläranlagen herausgefiltert?

Kläranlagen halten einen Teil der Mikroplastikfasern zurück, und diese sind dann im Klärschlamm enthalten. Der kleinere Bruchteil der Mikroplastik-Fasern, der nicht herausgefiltert werden kann, gelangt jedoch in die Gewässer und letztendlich in die Meere. In einer Studie des schwedischen Umweltamtes3) konnte zwar gezeigt werden, dass die untersuchte Kläranlage bis zu 98 Prozent der Mikroplastikfasern zurückhalten konnte, aber schon durch die schieren Mengen werden auf diese Weise Milliarden von Teilchen jedes Jahr in die Gewässer eingebracht.

Kann man sagen, welchen Effekt die Mikroplastik-Teilchen bzw. Fasern auf die Meerestiere haben?

Bislang hat man lediglich nachweisen können, dass es bei den Muscheln, in deren Gewebe man die Mikroplastik-Teilchen oder –Fasern gefunden hat, zum Teil zu entzündlichen Reaktionen im Muschelgewebe kam.

Weiter hat man gestrandete Großhaie und Großwale im Mittelmeer untersucht. Die Tiere ernähren sich von Plankton und kleinen Krebstierchen die sie durch Filtrierung großer Wassermengen gewinnen. Im  Muskelgewebe der Großhaie bzw. im Fettgewebe („Blubber“) der Wale hat man Plastikadditive nachgewiesen. In Regionen, in denen die Futtergründe der Tiere mit besonders viel Mikroplastik belastet sind, war die Belastung besonders hoch. In einer neuen Studie wurden die Untersuchungsergebnisse von 50 Delphinen, Robben und Walen vorgestellt, die im Laufe der letzten Jahre an britischen Stränden gestrandet waren. In ausnahmslos allen Tieren hat man mindestens ein Mikroplastik-Teilchen im Magen oder Darm gefunden.

Zwar findet man diese Tiere zumindest in der westlichen Gesellschaft nicht auf dem Speiseplan. Die Befunde zeigen jedoch, dass sich Mikroplastik auch bei jagenden Meeressäugern über die Nahrungskette im Körper anreichert. Da auch der Mensch an der Spitze der Nahrungskette steht, ist auch bei uns mit einer regelmäßigen Aufnahme von Mikroplastik zu rechnen.

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