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Allergie Vitamine

Dr. rer. nat. Karin Hufnagl zum Thema: Allergie und Vitamine - welche Rolle spielen die Vitamine D, E und A?

Allergie und Vitamine: Die Vitamine D, E und A

Was weiß man von der Wirkung des Vitamin A auf der molekularen Ebene?

Wir haben das Protein der Kuhmilch, das β-Lactoglobulin untersucht und festgestellt, dass in dessen Strukturaufbau eine Art „Tasche“ enthalten ist. Die Retinolsäure, der aktive MetabolitMetabolite des Vitamin A, kann in diese „Tasche“ binden, und wir konnten sehen, dass die allergische Immunantwort dadurch schwächer ausfällt. Das zeigt, dass die Vitamine offensichtlich auch auf molekularer Ebene einen Einfluss haben und protektiv wirken könnten.

Dabei spielt auch die Fütterung der Kühe eine Rolle. Ist die Kost reich an den Substanzen, aus denen Vitamin A gebildet wird, bildet sich auch mehr Retinolsäure, an die das Allergen binden kann. Es könnte daher sein, dass eine solche Milch auch zu weniger allergischen Reaktionen führt. Hierzu gibt es noch viel Forschungsbedarf.

Könnte man das Problem durch die Supplementierung von jeweils Vitamin D, A und E lösen?

In einer Studie hat man asthmatische Patienten mit einer Kombination der Vitamine A, B6, C und verschiedenen Spurenelementen und Fischöl supplementiert. Die Patienten zeigten daraufhin eine bessere Symptomkontrolle und auch der Quality-of-Life-Score war erhöht. Eine Vitaminsupplementierung im Rahmen einer gesunden Kost könnte also bei erwachsenen Asthmapatienten die Symptome lindern und die Lebensqualität steigern.

Sind denn dann künstliche Vitamine im Vergleich zu natürlichen Vitaminen genauso zu effektiv?

Sicher ist es am besten, Substanzen, die zu Vitaminen verstoffwechselt werden, in der nötigen Menge über die Nahrung aufzunehmen. Andererseits ist es bekannt, dass das Vitamin D in unseren Breiten in der dunklen Jahreszeit nicht in erforderlichem Maße gebildet werden kann. Eine Supplementierung mit künstlichem Vitamin D ist deshalb sinnvoll, nicht nur im Zusammenhang mit Allergien, es spielt ja auch eine wichtige Rolle im Knochenaufbau. Ähnlich verhält es sich bei Vitamin A, dass unter anderem wichtig für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems, der Lungen und der Sehkraft ist.

Allerdings empfiehlt die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, für Vitamine Höchstgrenzen, die man nicht überschreiten sollte. Besser wäre es deshalb, Vitamine in Absprache mit einem Arzt zu supplementieren und nicht einfach so im Supermarkt zu kaufen.   

Gibt es auch Studien zu einer möglichen Allergie-präventiven Wirkung von Vitaminen?

In einer großen Studie wurden der Vitamin D und der Vitamin E-Spiegel der werdenden Mütter in Relation zum Asthmarisiko der Kinder bis zum Alter von 15 Jahren gesetzt. Tendenziell hatten die Kinder der Mütter mit höheren Vitamin D und Vitamin E-Spiegeln bis zum Alter von 10 Jahren weniger Symptome, die in Richtung Asthma gehen. In der Pubertät scheint sich dies zu ändern, aber bei den jüngeren Kindern war ein ausreichend guter Vitaminstatus der Mutter während der Schwangerschaft offensichtlich ein protektiver Faktor. Unter Umständen spielt dies bei atopischen Eltern sogar eine noch größere Rolle.

Interessant ist auch eine Studie an Kindern mit Gräserpollenallergie, die parallel zu einer spezifischen Immuntherapie (SIT) Vitamin D verabreicht bekamen. Durch die Vitamin D-Gaben konnte die Effizienz der SIT verbessert werden. 

Allerdings muss man auch erwähnen: Gerade zum Vitamin D gibt es aber auch Studien, die keinen Zusammenhang mit Allergien nachweisen konnten. Wahrscheinlich kommt es auch auf individuelle Faktoren an, wie zum Beispiel der Ausgangsspiegel beim Vitaminspiegel, die familiäre Vorbelastung etc.. Hinzu kommt, dass manche Studien mit Hilfe von Fragebögen zur Ernährungsweise durchgeführt werden, bei denen man nicht immer genau sagen kann, wie exakt die Angaben gemacht wurden.

Frau Dr. Hufnagl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1) Does a carrot a day keep the allergy away?, Karin Hufnagl, Erika Jensen-Jarolim, Immunology Letters 206, (2019) 54 – 58

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