Allergien Ansätze Hindernisse

Prof. Christian Vogelberg und Dr. Lars Lange, Kongresspräsidenten des DAK 2018!

Allergien – innovative Ansätze und politische Hindernisse

Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO): Droht ein massiver Qualitätsverlust bei der Patientenversorgung?

prof thomas werfelProf. Thomas Werfel, Präsident der DGAKI!Vor diesem Hintergrund zeigt man sich von Seiten der Allergologen entsetzt über die Entscheidung des letzten Ärztetages, der im Mai 2018 in Erfurt stattfand. Hier wurde beschlossen, dass zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „Allergologe“ keine 18-monatige Zusatzausbildung mehr nötig ist. „Zukünftig soll es für HNO-Ärzte, Dermatologen, Kinderärzte und Pneumologen möglich sein, den Zusatztitel ‚Allergologe‘ durch eine rein ‚berufsbegleitende Weiterbildung‘, d. h. ohne zeitlich definierten Praxiseinsatz unter Anleitung von erfahrenen Allergologen zu erlangen“, erläuterte Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). „Damit gibt es keine festgelegten Weiterbildungszeiten mehr, es reicht, wenn der Ausbilder den neu ausgebildeten Allergologen eine Bescheinigungen ausstellt, die die Erfüllung der inhaltlichen Auflagen bestätigt.“Sollte der Beschluss zur Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) umgesetzt werden, wird es für die Patienten unmöglich zu erkennen, ob ein Arzt mit dem Zusatztitel „Allergologe“ wirklich erfahren im Umgang mit schwer Betroffenen ist und ob er nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde“ so Prof. Werfel. „Dadurch ist ein massiver Qualitätseinbruch in der Versorgung allergiekranker Menschen zu befürchten“.

Vom Heuschnupfen zum Asthma? Prävention ist möglich!

Bei weitem noch nicht zufriedenstellend ist die Versorgung von Patienten, die unter bestimmten Formen der allergischen Rhinitis, wie der Pollenallergie oder der Hausstaubmilbenallergie leiden. Hier steht mit der allergenspezifischen Immuntherapie (ASIT) eine wirksame Therapie zur Verfügung, die als einzige Therapie ursächlich und nicht nur symptomatisch wirkt und bei der Mehrzahl der Patienten zu einer relevanten Symptomreduktion oder gar Symptomfreiheit führt. Ein weiterer Vorteil der ASIT: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Therapie den gefürchteten Etagenwechsel zum Asthma verhindern kann. Auch zur Therapie eines bestehenden Asthmas wird die ASIT in der aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma (NVL Asthma) empfohlen und zur ASIT bei Nahrungsmittelallergien laufen Studien, insbesondere für die Erdnuss.

 

Was fehlt noch auf dem Weg zu „einer Welt ohne Allergien“?

Mit der molekularen Allergiediagnostik und der allergenspezifischen Immuntherapie ist es heutzutage möglich, Patienten mit allergischer Rhinitis gezielt und personalisiert zu behandeln. Ungeahnte Möglichkeiten bieten die neuen Biologika, die Patienten mit schweren Verläufen von Asthma und Neurodermitis und womöglich auch bei anderen chronischen Erkrankungen helfen können. Das Mikrobiom und sein Einfluss, auch auf allergische Erkrankungen ist Gegenstand vieler Forschungsprojekte und wird immer besser verstanden. So weiß man zunehmend mehr über die Pathomechanismen von Allergien – es wird viel geforscht. Die Zeit ist also eigentlich reif, „für eine Welt ohne Allergien“ vorausgesetzt, die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen stimmen.

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