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Allergien Ansätze Hindernisse

Prof. Christian Vogelberg und Dr. Lars Lange, Kongresspräsidenten des DAK 2018!

Allergien – innovative Ansätze und politische Hindernisse

Mit dem Kongressmotto „Für eine Welt ohne Allergien“ gingen die Organisatoren des 13. Deutschen Allergiekongresses (DAK) optimistisch an den Start. Und die Beiträge machten es deutlich: In der Allergologie hat man schon viel erreicht, gerade in den letzten Jahren. Allerdings gibt es auch noch einige Herausforderungen, dies machten die Kongresspräsidenten Prof. Christian Vogelberg, Leiter der Abteilung Kinderpneumologie und Allergologie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden und 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), sowie Dr. Lars Lange, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologe und Allergologe und Oberarzt, Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin, St. Marien-Hospital, Bonn, deutlich. Der DAK 2018 fand vom 27. bis 29. September 2018 in Dresden statt. Ein Beitrag zu Allergien - innovative Ansätze und politische Hindernisse.

Allergisch oder unverträglich? Das ist die Frage!

Allergien sind auf dem Vormarsch, darüber sind sich die Experten einig. Gleichzeitig denken aber auch deutlich mehr Menschen, an einer Allergie zu leiden, als dies tatsächlich der Fall ist. In Bezug auf Nahrungsmittelallergien herrscht oft bereits Verwirrung bei der Frage, ab wann man überhaupt von einer Allergie sprechen kann. „Viele Patienten denken, sie seien allergisch, weil bei einer Testung Sensibilisierungen gegen bestimmte Allergene festgestellt wurden“, so Prof. Vogelberg, „es kommt jedoch nur bei ca. 50 Prozent der Sensibilisierten tatsächlich zu Allergiesymptomen und wenn dies nicht der Fall ist, muss das Allergen auch nicht gemieden werden!“

Auch der Unterschied zwischen einer echten Allergie und einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz ist vielen nicht klar. „Bei einer echten Allergie, wie z.B. der Kuhmilchallergie, findet man IgE-Antikörper im Blut“, so Dr. Lange „zur Diagnose von Unverträglichkeiten, die nicht IgE-vermittelt und damit keine Allergien sind – ein Beispiel ist die Laktoseintoleranz –, stehen andere Tests zur Verfügung.“

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Auch Kreuzallergien aufgrund bestimmter Pollenallergien werden oft mit echten Nahrungsmittelallergien verwechselt. Sie können der Grund dafür sein, dass Menschen auf Nahrungsmittel mit Symptomen an Mund, Lippen oder im Rachenraum reagieren. Dabei handelt es sich jedoch um ein orales Allergiesymptom.

Medizinisch korrekte Informationsquellen im Internet dienen vielen Patienten als erste Orientierung, man sollte jedoch auf die Quelle achten. „Empfehlenswerte Seiten sind aus unserer Sicht die des DAAB, der Allergieinformationsdienst und MeinAllergiePortal“, erläuterte Prof. Vogelberg. „Wenn die Seitenbetreiber nicht angegeben sind, ein wissenschaftlicher Beirat fehlt oder wenn es eigentlich um den Verkauf bestimmter Produkte geht, sollte man wachsam sein.“  

Allergiediagnose: Ohne Zeit und Erfahrung geht es nicht!

Allerdings ist die richtige Diagnose bei manchen allergischen Beschwerden nicht so leicht. Zum einen benötigt der behandelnde Arzt Zeit für eine ausführliche Anamnese. „Die Anamnese steht am Anfang der Diagnose und ist zeitintensiv, wird jedoch im aktuellen Honorierungssystem nicht entsprechend berücksichtigt“, erklärte Dr. Lange. Auch benötigt der Arzt viel Erfahrung, um schon bei der Anamnese die richtigen Weichen für die Diagnostik zu stellen.

Mit der relativ neuen molekularen Allergiediagnostik ist es bei bestimmten Allergien, zum Beispiel bei Allergien auf Erdnuss oder Baumnuss, oder bei multiplen Allergien möglich, die auslösenden Allergene exakt zu bestimmen und so auch die Wirksamkeit einer allergenspezifischen Immuntherapie vorab einzuschätzen. Aber auch die richtige Interpretation der Testungen will gelernt sein und dazu ist eine solide Ausbildung nötig.


Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO): Droht ein massiver Qualitätsverlust bei der Patientenversorgung?

prof thomas werfelProf. Thomas Werfel, Präsident der DGAKI!Vor diesem Hintergrund zeigt man sich von Seiten der Allergologen entsetzt über die Entscheidung des letzten Ärztetages, der im Mai 2018 in Erfurt stattfand. Hier wurde beschlossen, dass zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „Allergologe“ keine 18-monatige Zusatzausbildung mehr nötig ist. „Zukünftig soll es für HNO-Ärzte, Dermatologen, Kinderärzte und Pneumologen möglich sein, den Zusatztitel ‚Allergologe‘ durch eine rein ‚berufsbegleitende Weiterbildung‘, d. h. ohne zeitlich definierten Praxiseinsatz unter Anleitung von erfahrenen Allergologen zu erlangen“, erläuterte Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). „Damit gibt es keine festgelegten Weiterbildungszeiten mehr, es reicht, wenn der Ausbilder den neu ausgebildeten Allergologen eine Bescheinigungen ausstellt, die die Erfüllung der inhaltlichen Auflagen bestätigt.“Sollte der Beschluss zur Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) umgesetzt werden, wird es für die Patienten unmöglich zu erkennen, ob ein Arzt mit dem Zusatztitel „Allergologe“ wirklich erfahren im Umgang mit schwer Betroffenen ist und ob er nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde“ so Prof. Werfel. „Dadurch ist ein massiver Qualitätseinbruch in der Versorgung allergiekranker Menschen zu befürchten“.

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Vom Heuschnupfen zum Asthma? Prävention ist möglich!

Bei weitem noch nicht zufriedenstellend ist die Versorgung von Patienten, die unter bestimmten Formen der allergischen Rhinitis, wie der Pollenallergie oder der Hausstaubmilbenallergie leiden. Hier steht mit der allergenspezifischen Immuntherapie (ASIT) eine wirksame Therapie zur Verfügung, die als einzige Therapie ursächlich und nicht nur symptomatisch wirkt und bei der Mehrzahl der Patienten zu einer relevanten Symptomreduktion oder gar Symptomfreiheit führt. Ein weiterer Vorteil der ASIT: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Therapie den gefürchteten Etagenwechsel zum Asthma verhindern kann. Auch zur Therapie eines bestehenden Asthmas wird die ASIT in der aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma (NVL Asthma) empfohlen und zur ASIT bei Nahrungsmittelallergien laufen Studien, insbesondere für die Erdnuss.

Was fehlt noch auf dem Weg zu „einer Welt ohne Allergien“?

Mit der molekularen Allergiediagnostik und der allergenspezifischen Immuntherapie ist es heutzutage möglich, Patienten mit allergischer Rhinitis gezielt und personalisiert zu behandeln. Ungeahnte Möglichkeiten bieten die neuen Biologika, die Patienten mit schweren Verläufen von Asthma und Neurodermitis und womöglich auch bei anderen chronischen Erkrankungen helfen können. Das Mikrobiom und sein Einfluss, auch auf allergische Erkrankungen ist Gegenstand vieler Forschungsprojekte und wird immer besser verstanden. So weiß man zunehmend mehr über die Pathomechanismen von Allergien – es wird viel geforscht. Die Zeit ist also eigentlich reif, „für eine Welt ohne Allergien“ vorausgesetzt, die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen stimmen.