Versorgung Allergiepatienten Experten fürchten Qualitätsverlust

Prof. Dr. Thomas Werfel zum Thema: Versorgung von Allergiepatienten - Experten fürchten Qualitätsverlust!

Versorgung von Allergiepatienten: Experten fürchten Qualitätsverlust

Kann man sagen, welches Ziel man mit der Änderung der Musterweiterbildungsordnung für Allergologen verfolgt?

Die Entscheidung des Ärztetages beruht möglicherweise auf dem Missverständnis, dass bei der hohen Zahl von Allergiepatienten auch eine hohe Zahl an Ärzten vorzuhalten ist, die auf ihrem Praxisschild das Wort „Allergologie“ stehen haben. Dies kann aber nicht im Interesse der schwer Betroffenen, der lebensgefährlich Erkrankten oder der Patienten mit seltenen und schwer zu diagnostizierenden Allergien sein. Die Patienten erwarten von einem Arzt mit dem Zusatztitel „Allergologe“ eine kompetente Diagnostik und Therapie. Wenn demnächst der betreffende Arzt  in seiner Ausbildung zum Allergologen nur theoretisches Wissen, ohne Praxis vermittelt bekommen hat, ist davon auszugehen, dass dies mit einem massiven Verlust an Qualität für unsere Allergiepatienten einhergeht.

Diese Entwicklung in Deutschland ist im Übrigen schwer nachvollziehbar, weil sie gegenläufig zur gesamteuropäischen Entwicklung ist.

Wie wird die Ausbildung zum Allergologen in anderen europäischen Ländern gehandhabt?

In 22 europäischen Ländern gibt es eine mindestens dreijährige Ausbildung zum Allergologen. Darüber hinaus implementieren auch immer mehr Länder, zuletzt zum Beispiel Frankreich, einen Facharzt für Allergologie, wobei in Frankreich im Vergleich zu Deutschland weniger Ärzte diese Bezeichnung führen. Die Fachgesellschaften haben in ihrer Verordnung zur Weiterbildungsordnung (MWBO) für den Deutschen Ärztetag 2018 nicht die Einführung eines „Facharztes für Allergologie“ vorgeschlagen, sondern  weiterhin eine qualifizierte Zusatzausbildung, mit festen Weiterbildungszeiten, weil sie der Meinung waren, dass sich das System in Deutschland mit der Verzahnung von Weiterbildungen in den Fachgebieten Pädiatrie, Dermatologie, Pneumologie und HNO-Kunde gut bewährt hat.

Welche Reaktionen erhalten Sie aus dem europäischen Umfeld auf den in Deutschland geplanten Wegfall der 18 monatigen Praxisausbildung zum Allergologen?

Das Unverständnis für die aktuelle Situation in Deutschland ist groß! Dies kommt in einer Vielzahl von offenen Briefen unterschiedlichster Fachgesellschaften, sowohl aus Europa als auch aus Deutschland, zum Ausdruck, die uns nach dem Ärztetag 2018 erreichten. So wies die Union Européenne des Médecins Spécialistes (UEMS) darauf hin, dass Deutschland sich mit dem geplanten Wegfall der 18-monatigen Praxisausbildung für Allergologen noch weiter von dem Ziel der Harmonisierung europäischer Ausbildungsstandards auf hohem Qualitätsniveau entfernt, als dies zurzeit sowieso bereits der Fall ist. Wie gesagt, sind die Ausbildungsstandards zum Allergologen in 22 von 27 EU-Ländern bereits jetzt harmonisiert, setzen eine mindestens dreijährige allergologische Ausbildung voraus und sorgen so für ein deutlich höheres Qualitätsniveau. Auch die UEMS sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr für die Allergiepatienten in Deutschland, denn diese werden in Zukunft nicht wissen, ob der Allergologe, der sie behandelt, auch die nötige Qualifikation und Praxiserfahrung mitbringt.

 

Wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Die DGAKI wird zusammen mit den anderen Fachgesellschaften und Gruppierungen, die in der Allergologie aktiv sind, nun alle Kräfte bündeln, um Überzeugungsarbeiten zu leisten mit dem Ziel, den beschluss des Ärztetages nicht umzusetzen. So hoffen wir z.B., dass nicht alle Landesärztekammern den aus unserer Sicht falschen Weg der „berufsbegleitenden Weiterbildung“ in ihre regionalen Weiterbildungsordnungen übernehmen, was rechtlich möglich ist. Der Zusatztitel Allergologie muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung assoziiert bleiben – alles andere wäre Etikettenschwindel.

Herr Prof. Werfel, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

1) Beschlussprotokoll des 121. Deutschen Ärztetages in Erfurt vom 08. bis 11.05.2018

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