Versorgung Allergiepatienten Experten fürchten Qualitätsverlust

Prof. Dr. Thomas Werfel zum Thema: Versorgung von Allergiepatienten - Experten fürchten Qualitätsverlust!

Versorgung von Allergiepatienten: Experten fürchten Qualitätsverlust

Ein Beschluss des 121. Deutschen Ärztetages, der im Mai 2018 in Erfurt stattfand, sorgt für Aufregung bei vielen Allergologen. Stein des Anstoßes sind die geplanten Änderungen in Bezug auf die Voraussetzungen zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Allergologie“, die aus Sicht der Experten zu einem Qualitätsverlust bei der Versorgung von Allergiepatienten führen. Worum geht es genau bei der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für den Zusatztitel Allergologie und warum fürchten Experten einen Qualitätsverlust bei der Versorgung von Allergiepatienten? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI e. V.).

Herr Prof. Werfel, warum befürchten Sie einen Qualitätsverlust bei der Versorgung von Allergiepatienten?

Bisher konnte ein ausgebildeter Facharzt die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ nur durch eine fundierte Zusatzausbildung erwerben, zu der neben dem Nachweis der fachlichen Kompetenz in Allergologie auch eine 18-monatige praktische Ausbildung bei einem Weiterbilder, d.h. einem entsprechend zur Weiterbildung qualifizierten Allergologen, gehörte. Mit dieser Ausbildung, die sowohl auf theoretischem Wissen als aus auch auf Praxiserfahrung aufbaut, sollte sichergestellt werden, dass ein Mediziner mit der Zusatzqualifikation „Allergologie“ optimal für die allergologische Arbeit gerüstet ist. Das ist in der Allergologie besonders wichtig, weil die Bandbreite der Symptome und die Anzahl der Differenzialdiagnosen enorm sind. Allergologie ist immer auch ein  „Detektivarbeit“, die nur unter kompetenter Anleitung praktisch erlernbar ist. Auch kann das Management von allergischen Krankheiten bei besonders schwer, manchmal lebensgefährlich Erkrankten höchst komplex sein und kann angehenden Spezialisten für Allergologie keinesfalls nur theoretisch vermittelt werden.

Laut Beschluss des 121. Ärztetages werden die Voraussetzungen zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Allergologie“ nun aber deutlich vereinfacht, so dass wir einen Qualitätsverlust bei der Versorgung von Allergiepatienten befürchten.

Was ändert sich durch den Beschluss des 121. Ärztetages an den Ausbildungsanforderungen für Allergologen?

Laut Beschluss des 121. Ärztetages soll es zukünftig möglich sein, den Zusatztitel „Allergologe“ durch „berufsbegleitende Weiterbildung“ zu erlangen. Das bedeutet, dass es für die Fachgruppen Pädiatrie, HNO-Kunde, Dermatologie und Pneumologie keine festgelegten Weiterbildungszeiten mehr geben wird. Diese betrugen nach der bisherigen Regelung, wie gesagt,  bis zu 18 Monate und wurden an einer Weiterbildungsstätte in Klinik oder Praxis abgeleistet, um dem Mediziner je nach Vorbildung Praxiserfahrung zu vermitteln.

 

Heißt das, dass es in Zukunft möglich sein soll, den Zusatztitel “Allergologe“ rein auf Basis theoretischer Kompetenzen, ohne praktische Erfahrung mit „echten Allergiepatienten“ zu erwerben?

Das ist zu befürchten, den die bisherige 18-monatige Praxisausbildung soll ja komplett wegfallen. Weiterbildungsberechtigte Ärzte müssten im Sinne der neuen, allerdings noch nicht in Kraft getretenen Musterweiterbildungsordnung (MWBO), für die neu ausgebildeten „Allergologen“ lediglich Bescheinigungen ausstellen, in denen diesen die Erfüllung der inhaltlichen Auflagen, die noch nicht abschließend definiert sind, bestätigt wird. Konkret heißt das auch, dass Ärzte die Zusatzqualifikation quasi im laufenden Betrieb, parallel zu ihrem Einsatz in Klinik oder Praxis erwerben können. Wie das praktisch funktionieren soll, hat der Ärztetag nicht ausgeführt – es bleibt rätselhaft.

In der Begründung des Antrags stand: „Diese Zusatz-Weiterbildung setzt auf die klinischen Erfahrungen mit Kompetenzen der entsprechenden Fachgebiete auf und bedarf immunologischer und allergologischer Kenntnisse, die auch berufsbegleitend erwerbbar sind.“1) Es ist nicht nachvollziehbar, wie man zu der Ansicht kommt, dass 18 Monate Praxiserfahrung in der Ausbildung plötzlich komplett verzichtbar seien. Derzeit ist es ungeklärt, wie diese fehlende Praxis zu kompensieren ist, ohne dass es zu einem massiven Qualitätsverlust für unsere Allergiepatienten kommt.

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