Adjuvantien  spezifische Immuntherapie SIT

Prof. Carsten Schmidt-Weber zu Adjuvantien und ihrer Rolle bei der spezifischen Immuntherapie!

Adjuvantien: Ihre Rolle bei der spezifischen Immuntherapie

Wie lauten dann Ihre Empfehlungen in Bezug auf Impfungen, die auf dem Adjuvans Alum aufbauen?

Impfungen gegen gefährliche virale Erkrankungen sind unverzichtbar, auch wenn sie den Hilfsstoff Alum enthalten, denn es wäre für ein ungeimpftes Kind ein deutlich größeres Risiko, zum Beispiel an Kinderlähmung, Diphterie oder Keuchhusten zu erkranken. Zudem werden basale Vakzinierungen ja in geringen Dosen und in gewissen zeitlichen Abständen durchgeführt.

Bei der SIT ist die Situation eine andere, denn diese Behandlung wird über drei Jahre hinweg durchgeführt. Die kumulative Menge an Aluminium ist daher bei der SIT höher als bei normalen Impfungen und hier ist es durchaus möglich, auf Therapieallergenextrakte mit einem alternativen Adjuvatien zurückzugreifen. Allerdings ist dies meine persönliche Ansicht, denn Daten, die eine schädliche Wirkung von Alum nachgewiesen hätten, gibt es wie gesagt, nicht.

Was wäre denn in Bezug auf die SIT eine Alum-freie Alternative?

Die sublinguale Variante der SIT wäre eine Möglichkeit, diese Therapie aluminiumfrei durchzuführen. Diese Darreichungsform ist zudem interessant für Patienten, die nicht die Zeit haben, regelmäßig zum Arzt zu gehen, um sich eine Spritze geben zu lassen. Die Allergietherapie mit Tropfen, Tabletten und intrakutan basiert nicht auf Alum, das ist nur bei der Spritzentherapie der Fall.

Allerdings muss man sagen, dass die Ärzte die Spritzentherapie bevorzugen, weil dann die "Compliance", also die konsequente Durchführung der Therapie durch den Patienten, sichergestellt ist. Bei der Allergietherapie mit Tabletten oder Tropfen ist der Patient selbst verantwortlich für die regelmäßige Einnahme der Medikamente. Eine mangelnde Therapietreue über drei Jahre hinweg ist jedoch die größte Fehlerquelle bei der Immuntherapie. Die Spritzentherapie ist hier schlicht zuverlässiger.

 

Welche Adjuvans-Alternativen gibt es bei der subkutanen Immuntherapie?

Eine interessante Adjuvans-Alternative für die subkutane Immuntherapie, die bereits auf dem Markt ist, ist zum Beispiel Monophosphoryl-Lipid A (MPL). Bei MPL handelt es sich um eine bakterielle Komponente, die vollständig abgebaut wird. Man kennt MPL bereits durch andere Impfpräparate und die Ergebnisse für den Einsatz bei der SIT sind durch große Studien sehr robust.

Weitere Adjuvantien befinden sich gerade in einem experimentellen Stadium. Geforscht wird, zum Beispiel, an Liposomen, sowie an Nanopartikeln, bei denen man die Fähigkeit des Immunsystems, Partikel aufzunehmen, nutzt. Auch zu Viruspartikeln - Virus Like Particles (VLP) laufen Untersuchungen. Hier täuscht man dem Immunsystem vor, das Allergen sei ein Virus, so dass keine allergische Reaktion mehr auftritt.

Sie erwähnten eingangs, dass Patienten bei der SIT möglicherweise individuelle Allergendosierungen benötigen, was in Richtung personalisierte Medizin geht. Wie passt das zum Konzept der Dosisfindungsstudien?

Dieses Problem löst man momentan dadurch, dass man die Allergendosis eher etwas höher als nötig ansetzt. Die personalisierte Medizin ist hier noch nicht so weit.

Man kann sich vorstellen, dass der behandelnde Arzt anhand von Biomarkern ermittelt, ob eine SIT bei einem Patienten erfolgreich sein wird bzw. inwieweit dessen Immunsystem auf eine spezifische Immuntherapie ansprechen würde.

Wir forschen intensiv daran im Blut oder auch in nasalen Sekreten Marker zu finden, die den Erfolg einer Immuntherapie anzeigen. Wir sind auf einem guten Weg und haben hierzu auch bereits ein Patent eingereicht.

Unsere Hoffnung ist, dass es bei der SIT in Zukunft bereits in der Phase der Ausdosierung möglich sein wird, die Allergenmenge nach Bedarf zu erhöhen oder zu drosseln. Zwar ist es auch jetzt schon möglich, der Allergenmenge zu reduzieren, aber wenn Patienten eine höhere Allergendosis benötigen, lässt sich dies aktuell noch nicht umsetzen, weil dies das Risiko einer systemischen Reaktion erhöht, das heißt diese Patienten fallen aus dem Raster.

Herr Prof. Schmidt-Weber, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.