Kinder Säuglinge Ernährung Ernährungskompetenz

Prof. Michael Melter zur Frage der Ernährungskompetenz!

Kinder richtig ernähren: Fehlt die Ernährungskompetenz?

Könnte man bei der Kinderernährung auch auf Getreide und Fleisch verzichten?

Ein völliger Verzicht auf Getreide kann z.B. zu einem Mineralstoffmangel führen, was u.a. die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen kann.

Der Verzicht auf Fleisch ist möglich, solange Eier, Fisch und Milchprodukte verzehrt werden. Werden jedoch mehrere Nahrungsmittelgruppen nicht mehr verzehrt, müssen bestimmte Nährstoffe, z.B. Vitamine regelmäßig in synthetischer Form zugeführt werden. Dazu gehören z.B. Vitamin B12, Eisen und Jod.

Um sicher zu gehen, dass die ergänzten Substanzen in ausreichender Menge verabreicht werden, muss dieses regelmäßig durch Blutuntersuchungen überprüft werden, was bedeutet, dem Kind muss hierfür Blut abgenommen werden. Das ist mit dem Grundsatz kindlicher Unversehrtheit nicht in Einklang zu bringen, wenn es nicht medizinisch notwendig ist.

 

Wie geht es weiter mit der Beikost?

Ab dem vollendeten 6. Lebensmonat kommen dann weitere Gemüse, Obst und Getreide hinzu. Wenn das Kind dann am Tisch sitzt, möchte es auch zunehmend gerne das essen, was die anderen auch essen, und darf das auch. Idealerweise ernährt sich die Familie ausgewogen mit selbst zubereiteten Speisen.

Muttermilch bzw. Säuglingsmilch sollten dann langsam ersetzt werden und dann darf auch Kuhmilch hinzukommen. Auch dann sollte man bei der Kuhmilch aber die Menge auf maximal 100 – 200 ml am Tag begrenzen, denn Milch hat viele Kalorien bei wenig Faserstoffen, was u.a. zu Übergewicht und Verstopfungen führen kann.

Sie hatten erwähnt, dass sich viele Familien nicht gesund ernähren, wie sieht ein ungesundes Familienessen aus?

Eine unausgewogene Ernährung besteht z.B. aus „ausschließlich“ Fertigprodukten, Wurst, frittierten und salzigen oder zu süßen Speisen, wie Pudding oder Fertigjoghurt, d.h. Nahrung, die aus der Packung kommt und nicht selbst zubereitet wurde. Diese Ernährung führt bei einem Kind nicht unmittelbar zu Schäden, aber sie ist unausgewogen und enthält in der Regel auch zu viele Kalorien und zu wenig wertvolle Nährstoffe und Vitamine.

Genauso ungesund ist es, wenn das Verhältnis der Nahrungsmittelgruppen nicht ausgewogen ist. Während manche Familien Milchprodukte ablehnen, so dass die Kalziumzufuhr nicht sichergestellt werden kann, konsumieren andere zu viel. Bei Joghurt, Quark, Shakes etc. muss man bedenken, dass sie eine hohe Energiedichte bei wenig Ballaststoffen aufweisen. Milchprodukte bei jeder Mahlzeit sind deshalb auch nicht empfehlenswert.

Und wie sieht eine gesunde Ernährung aus?

Wichtig ist, zu betonen, dass man in Bezug auf die Ernährung Verbote möglichst vermeiden sollte. Wie Erwachsene auch, finden Kinder etwas Verbotenes oft ganz besonders attraktiv. Wenn eine ausgewogene, möglichst regional orientierte Ernährung die Basis ist, kann ein Kind auch mal Süßigkeiten essen – die Menge macht das Gift.

Am besten ist eine ausgewogene Kost, die aus überwiegend pflanzlichen Bestandteilen mit Fleischanteilen, bzw. Anteilen von tierischen Produkten besteht. Ganz wichtig ist, dass die Nahrungsmittel möglichst regional angebaut und frisch zubereitet werden sollten.

Auch sollten die Kinder möglichst früh in die Zubereitung eingebunden werden. Riechen, schmecken und tasten von Nahrung ist für ein gesundes Verhältnis zur Ernährung ausschlaggebend. Dazu gehört auch die Wahrnehmung, was wie und wo entsteht, bzw. produziert wird, damit die Kinder eine Ernährungskompetenz entwickeln und nicht den Eindruck bekommen, Nahrungsmittel kämen aus der Packung oder aus der Dose.

Nicht zuletzt ist es auch wichtig, dass man sich Zeit für die Mahlzeiten nimmt, man sollte nicht „nebenbei“ essen. Am besten ist es, wenn die Mahlzeiten ihren eigenen Platz im Tagesablauf haben und gemeinsam mit der Familie eingenommen werden, ohne jegliche Ablenkung.

Herr Prof. Melter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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