Kinder Säuglinge Ernährung Ernährungskompetenz

Prof. Michael Melter zur Frage der Ernährungskompetenz!

Kinder richtig ernähren: Fehlt die Ernährungskompetenz?

Warum ist reine Kuhmilch in den ersten sechs Lebensmonaten des Säuglings ein Problem?

Um es plastisch zu machen: Kuhmilch hat die optimale Zusammensetzung für die Aufzucht vom Kalb. Aber: Kälber sind Nestflüchter und können bereits am ersten Lebenstag auf der Weide springen. Sie haben einen hohen Energiebedarf und einen hohen Bedarf an Eiweißen zum schnellen Muskelaufbau. Kälber haben also ganz andere Anforderungen an ihre Muttermilch als Säuglinge, die in den ersten vier Monaten im wesentlichen Schlafen, Essen, Verdauen und Schreien.

Hinzu kommt: Der zu hohe Eiweißanteil in der Kuhmilch kann bei Säuglingen diverse Schäden, z.B. an den Nieren, verursachen. Deshalb sind ja zu Zeiten, in denen es keine speziellen Säuglingsnahrungen gab, so viele Kinder gestorben, wenn die Mutter nicht stillen konnte, oder hierfür keine Amme zur Verfügung stand. Die modernen Ersatzmilchen basieren zwar ebenfalls auf Kuhmilch, werden jedoch in der Zusammensetzung so angepasst, dass sie Frauenmilch entsprechen. Das bedeutet, ihre Makronährstoffe, d.h. Eiweiß, Zucker und Fett, sowie ihre Mikronährstoffe entsprechen nach aktuellem Wissensstand in ihrer Zusammensetzung Frauenmilch. Diese Ersatzmilchen, die als Pre-Milch oder 1er-Milch bezeichnet werden, sind in ihrer Nährstoffzusammensetzung bei allen Herstellern gleich. Dazu gehört z.B., dass in den Ersatzmilchen, wie in der Muttermilch auch, grundsätzlich als Zucker nur Laktose, d.h. Milchzucker, enthalten ist.

Wie lauten die Empfehlungen der Fachgesellschaften für die Säuglingsernährung nach dem vierten Lebensmonat?

Nach dem vierten Lebensmonat bzw. spätestens vor vollendetem sechsten Lebensmonat empfehlen die Fachgesellschaften, weitere Nahrungsmittel in kleinen Mengen zuzufüttern.

Dazu gehört Gemüse und durchaus auch solche Sorten, die Bitterstoffe enthalten, wie z.B. Brokkoli. Da die Muttermilch ausgesprochen süß ist, muss das Kind sich erst an diesen bitteren Geschmack gewöhnen. In den Folgemonaten muss sich das Kind dann auch an „grobere“ Nahrung z.B. in Form von grobstrukturierteren Breien und gewöhnen.

Mit zunehmender körperlicher Herausforderung in diesem Alter, d.h. wenn die Kinder anfangen zu krabbeln, benötigen sie mehr Eiweiß und Mineralstoffe, die in der Muttermilch dann nicht mehr ausreichend vorhanden sind. In diesem Zeitraum kommt es auch zu einem natürlichen Mangel an Eisen, so dass das Kind auch Nahrungsmittel essen sollte, die natürlicherweise Eisen enthalten und ebenso Vitamin B 12.

Konkret heißt das: Eine der fünf in diesem Alter üblichen Mahlzeiten des Säuglings sollte ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat durch einen Brei ersetzt werden. Dieser Brei sollte auch schon Fleisch enthalten um den Bedarf an Eiweiß, Eisen und Vitamin B 12 zu decken bzw. aufrecht zu erhalten. Je roter das Fleisch ist, desto weniger pro Mahlzeit benötigt man bzw. desto seltener pro Woche muss man es anbieten. Je heller das Fleisch ist, desto größer sollte die Fleischportion sein bzw. desto häufiger müsste es gefüttert werden.

 

Heißt das Rindfleisch enthält mehr Eisen als z.B. Huhn?

Ja, Huhn müsste daher in größeren Mengen und häufiger gefüttert werden als Rindfleisch – bei Rindfleisch reicht circa einmal pro Woche eine Portion im Brei.

Der rote Blutfarbstoff, das Häm, enthält das Eisen. Tierisches Eisen ist zweiwertiges Eisen, das vom Menschen und auch von anderen fleischfressenden Säugetieren besonders gut aufgenommen werden kann. Blasses Fleisch enthält weniger Häm und müsste mehrmals wöchentlich gefüttert werden.

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