Allergien Prävention Mythen Erkenntnisse

Dr. Imke Reese zu Mythen und neusten Erkenntnissen zur Allergieprävention!

Allergien wirksam verhindern: Mythen vs. neuste Erkenntnisse

Wie kann ich mein Kind vor Allergien schützen? Diese Frage beschäftigt angesichts steigender Allergikerzahlen nicht nur Eltern, die bereits selbst von Allergien betroffen sind. Die gute Nachricht ist: Zur Allergieprävention gibt es mittlerweile sehr konkrete Erkenntnisse! Aber: Leider halten sich auch längst überholte Empfehlungen ausgesprochen hartnäckig. Das Problem: Wenn Eltern die falschen Ratschläge befolgen, könnte dies eine gegenteilige Wirkung haben. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Imke Reese, Ernährungstherapeutin mit Schwerpunkt Allergologie in München über das Thema "Allergien wirksam verhindern: Mythen vs. neuste Erkenntnisse".

Frau Dr. Reese, welche früheren Empfehlungen zur Allergieprävention gelten heute als überholt?

Die meisten – aber die wichtigste Botschaft vorab: Die Meidung von möglichen Auslösern ist „out“ – Toleranzentwicklung, das heißt die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, einschließlich der Ernährung, ist „in“. Im Einzelnen: Die aktuelle Leitlinie zur Allergieprävention sieht – mit Ausnahme der Empfehlung zur Flaschenernährung – vor allem keine unterschiedlichen Empfehlungen mehr für Risiko- und nicht-Risikokinder vor. Lange hat man einen Unterschied gemacht zwischen Kindern, die in Familien geboren werden, in denen allergische Erkrankungen vorhanden sind, und solchen, deren engste Familienmitgliedern nicht unter Allergien leiden.

Wie schon kurz erwähnt wird heute der Kontakt mit der Umwelt für die wichtige Toleranzentwicklung als entscheidend angesehen. Insofern steht einer Beikosteinführung nach dem vierten Lebensmonat auch bei Risikokindern nichts mehr im Wege. Diese sollte aber nach wie vor nach den Empfehlungen des Instituts für Kinderernährung in Dortmund (FKE) erfolgen.

 

Was kann passieren, wenn man veraltete Empfehlungen, wie das Meiden von Allergen in Nahrungsmitteln und Umwelt (Hausstaubmilben, Tierhaare) befolgt?

Inzwischen weiß man: Ohne Kontakt mit häufigen Allergenen ist es dem Körper nicht so leicht möglich, eine Toleranz gegenüber diesen Allergenen zu entwickeln. Da eine vorbeugende Meidung in der Regel nie so streng durchgeführt wird wie eine therapeutische Meidung, bleibt meist ein gewisser Kontakt erhalten. Möglicherweise führt aber genau ein solcher minimaler Kontakt dazu, dass der Körper das Allergen als Gefahr und nicht als Normalität einstuft. Darüber hinaus führt jede Meidung von Grundnahrungsmitteln zu einer Einschränkung der Lebensqualität. Keine Meidung heisst also auch: Erhalt der Lebensqualität.

Gibt es auch schon Empfehlungen aus der LEAP-Studie?

Die LEAP Studie aus England hat vor allem gezeigt, dass eine bestehende Toleranz auf Erdnuss durch deren regelmäßigen Verzehr erhalten werden konnte. Wohingegen bei Meidung von Erdnuss bei einem Drittel der Kinder, die bereits eine leichte Sensibilisierung aufwiesen, diese verloren ging. Entsprechend reagierten diese Kinder im Alter von fünf Jahren allergisch auf Erdnuss.

In Deutschland gibt es bei weitem nicht so viele Erdnussallergiker wie in den englischsprachigen Ländern. Würde man eine gezielte Einführung von Erdnuss empfehlen, würde Erdnuss in viel mehr Familien verzehrt werden und zu einer Verbreitung von Erdnuss u. a. im Hausstaub führen. Da man heute davon ausgeht, dass Sensibilisierungen auch über die (entzündete) Haut entstehen können, würde dies vielleicht sogar zu einer Zunahme der Häufigkeit führen. Eine gezielte Einführung von Erdnuss empfehlen wir in Deutschland derzeit nicht.

Trotzdem gibt es eine Botschaft aus der LEAP Studie: Wenn ein Lebensmittel trotz Sensibilisierung vertragen wird, sollte es unbedingt regelmäßig gegessen werden.

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