Digitale Krankenkasse TK

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, über seine Vorstellungen von der Krankenkasse im digitalen Zeitalter und ihrem Weg vom Verwalter zum Gesundheitscoach! Quelle: Techniker Krankenkasse

Digitale Krankenkasse: Vom Verwalter zum Gesundheitscoach?

Welche weiteren Projekte sind in Planung und mit welchen Partnern?

Aus Befragungen wissen wir, dass unsere Versicherten ein großes Interesse an digitalen Angeboten haben. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich in diese Richtung. Als Kooperationspartner und Mentor unterstützt die TK Start-ups, ihre Ideen für das Gesundheitswesen umzusetzen. Mit dem Accelerator hat die TK 2017 erstmals ein Programm für Start-ups angeboten, das jungen Unternehmen dabei helfen soll, ihre Ideen für den Gesundheitsmarkt fit zu machen. Drei ausgewählte Gründerteams bekamen Mentoren von der TK zur Seite gestellt, die ihnen bei einer passgenauen Weiterentwicklung ihrer Idee halfen.

 

Allergien werden von den Experten als „Volkskrankheit“ bezeichnet und die TK bietet im Allergiebereich ja auch bereits die App „Husteblume“ an. Welche weiteren digitalen Instrumente plant die TK im Bereich Allergietherapie?

Die TK wird die App Husteblume dieses Jahr weiterentwickeln. Es liegen Tests zur Nutzerfreundlichkeit und Kundenbefragungen vor, die uns genau aufzeigen, was schon gut ist, wie zum Beispiel die Prognose des Pollenflugs, und was noch verbessert werden muss, wie etwa die Auswertungsmöglichkeiten. Hier wird es dann auch vollkommen neue Funktionen, wie einen interaktiven Pollenflugkalender geben. Die Pollenflugprognose wird noch genauer, die Nutzer können sich noch besser auf den Tag und die mögliche gesundheitliche Belastungssituation einstellen. Hier setzen wir zunächst auf die Weiterentwicklung, bevor wir weitere digitale Instrumente im Bereich Allergien angehen.

Die TK hat in 2017 eine Wirksamkeitsstudie der App „Husteblume“ in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Freiburg gestartet - liegen schon erste Ergebnisse vor?
Ja, es gibt bereits Ergebnisse. Fast 90 Prozent der Studienteilnehmer finden die App einfach handhabbar. Ein Drittel der Nutzer gibt an, dass sie, seit sie die Husteblume nutzen, besser mit ihrer Allergie umgehen können. Mehr als die Hälfte fühlt sich durch die App besser über ihre Allergie informiert. Die Mehrheit der Befragten hat die App während der Pollenflugsaison 2017 an mindestens drei bis vier Tagen (28 Prozent) beziehungsweise fünf oder mehr Tagen (46 Prozent) pro Woche genutzt. In diesem Zusammenhang fällt zudem auf, dass ein beachtlicher Teil von 40 Prozent der Befragten die App auch bei einer schwachen Ausprägung ihrer allergischen Symptome nutzt. Bei starker Symptomausprägung nutzen 81 Prozent der Befragten die App. Angesichts von etwa 15 Millionen Pollenallergikern in Deutschland und der Möglichkeit, dass auch Nicht-TK-Versicherte dieses Angebot nutzen können, ist das eine interessante Entwicklung.

Ärzte aller Fachrichtungen beklagen, dass die gesundheitspolitische Weichenstellung die sprechende Medizin nicht honoriert. Eine sinnvolle Nutzung der durch die Digitalisierung generierten Daten setzt jedoch voraus, dass Ärzte Zeit in die Analyse der Patientendaten investieren. Wie ließe sich dieses Problem lösen, was müsste sich ändern?

Wir müssen Instrumente haben, die unkompliziert assistieren. So gibt es heute schon erste Anwendungen in der Medizin, die Künstliche Intelligenz nutzen, zum Beispiel bei der Bestimmung der Schwere eines Schlaganfalls. So kann der Arzt zeitlich entlastet werden und damit den nötigen Freiraum für die Beratung und das Gespräch mit seinen Patienten gewinnen. Immer mehr Patienten erwarten heute von ihren Ärzten detaillierte Informationen zu Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten, sie möchten auf Augenhöhe mit dem Arzt entscheiden. Und: Die gemeinsame Entscheidungsfindung wirkt sich positiv aus - auf die Therapietreue, den Erfolg der Behandlung und die Zufriedenheit des Patienten.

Inwiefern sind Krankenkassen zukünftig eher ein „Coach“ auf der Suche nach Gesundheitsfragen? Wie können Krankenkassen Patienten auf der „Customer Journey“ bei der Suche nach Informationen unterstützen?

Wer heute Gesundheitsinformationen sucht, fragt "Dr. Google". Dabei ist Gesundheitskompetenz gefragt, um im Internet richtige von falschen Informationen zu unterscheiden. Wer besser Bescheid weiß, kann auch dem Arzt die richtigen Fragen stellen, um Nutzen und Risiken informiert abzuwägen. Hier setzt "Kompetent als Patient" an. Das TK-Angebot zielt darauf ab, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern. So lernen Teilnehmer, Gesundheitsinformationen zu bewerten, die richtigen Leistungserbringer zu finden oder auch die Qualität von Gesundheits-Apps anhand objektiver Kriterien einzuschätzen.

Wie sieht im optimalen Fall eine Krankenkasse im Jahr 2030 aus?

Die Krankenkasse der Zukunft wird sich zu einem Gesundheitspartner der Versicherten entwickeln. Die Versicherten können ihre Anliegen unkompliziert und schnell regeln. Dabei haben wir als TK den Anspruch die digitalen Entwicklungen aktiv mitzugestalten, um unseren Versicherten weiterhin exklusive und hochwertige Versorgungsangebote zu machen, ohne dabei aber zu einer rein virtuellen Kasse zu werden.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte wird das Gesundheitssystem nachhaltig verändern und verbessern. Mit Hilfe der eGA wird es in Zukunft möglich sein, Versicherte effektiver durch qualitative Informationen und datenbasierte individuelle Empfehlungen bei der Gesunderhaltung und dem Management von Krankheiten zu unterstützen und zu begleiten.

Herr Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Interview!

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