Deutscher Allergiekongress DAK Fortschritt Restriktion

Kongresspräsident Prof. Ludger Klimek zu seltenen Allergenen!

DAK 2017: Allergologie zwischen Fortschritt & Restriktion!

Versorgung von Allergiepatienten – Störfeuer vom Gesetzgeber

„Während sich die Wissenschaft in der Allergologie gerade besonders gut entwickelt, behindern uns in der Patientenversorgung derzeit gesetzliche Einflussnahmen massiv“ stellte Kongresspräsident Prof. Dr. Ludger Klimek fest.

Sorgen macht den Allergologen der zunehmende Mangel an Allergenextrakten zur Diagnostik in Haut- und Provokationstests. Hier haben EU-Direktiven, die eigentlich den Verbraucherschutz zum Ziel hatten, dazu geführt, dass die zur Diagnose genutzten Allergenextrakte als Medikamente gelten, die einer Zulassung bedürfen. „Selbst ein Apfel, mit dem wir einen Prick-to-Prick-Test durchführen, wird laut dieser Direktive zum Medikament“ so Prof. Klimek. Die Hersteller scheuen die teuren und langwierigen Zulassungsverfahren. Das hat dazu geführt, dass vorhandene Allergenextrakte deutlich teurer geworden sind und dass heute nur noch wenige Testallergene zur Verfügung stehen, so Klimek. Für den Arzt der für Allergietestungen pauschal vergütet wird, ist dies nicht mehr wirtschaftlich, denn die Kosten für die Testallergene rangieren von € 4,00 für häufige Allergene bis zu € 150,00 für ein Extrakt eines seltenen Allergens. Die Folge: Immer weniger Praxen bieten Allergiediagnostik an.

Als hilfreich beurteilen es die Allergologen, wenn man die Diagnoseallergenextrakte aus dem bisherigen Vergütungssystem herausnehmen und als Praxisbedarf finanzieren könnte. „Dies wäre eine faire Lösung für das Problem, denn die Krankenkassen zahlen dann das Testmaterial, das für ihre Versicherten benötigt wird – somit könnte man die allergologische Versorgung unserer Patienten sicherstellen“ betonte Prof. Klimek.

Ein ähnliches Problem besteht für die Therapieallergene, die für die Hyposensibilisierung oder allergenspezifische Immuntherapie benötigt werden. Seit in Deutschland 2012 die Therapieallergene Verordnung (TAV) eingeführt wurde, konzentriert sich die Forschung auf die hierdurch geregelten Allergene und alle Anderen gehen mehr und mehr verloren.

Die TAV ist ein Gesetz, dass die Zulassung der Therapieallergenextrakte für bestimmte Allergene regelt, die bei der Allergen Immuntherapie eingesetzt werden. Zu den sogenannten TAV-Allergenen gehören Süßgräser, Birke, Hasel, Erle, Hausstaubmilben, Bienen- und Wespengift und Allergenmischungen, die eines dieser Allergene enthalten. Mit dem Inkrafttreten der TAV reduzierte sich die Anzahl der zur Verfügung stehenden Allergenextrakte – über 6.000 standen einst zur Verfügung – erheblich. Allerdings optimierte sich auch die Qualität der verbliebenen Allergenextrakte in hohem Maße, eine Entwicklung, die von den Allergologen begrüßt wird.

Allergenextrakte als Orphan Drugs für Patienten mit seltenen Allergien – eine pragmatische Lösung?

Schwieriger wurde es durch die TAV im Hinblick auf die Therapieextrakte für seltene Allergene. Dazu gehören unter anderem bestimmte Pollenallergene, wie z.B. Platane, Ambrosia, Vorratsmilben, bestimmte Schimmelpilze wie z.B. Alternaria und Aspergillus und Tierepithelien wie z.B. Pferd, Hund und Nager. Diese sind immer schlechter verfügbar, obwohl in Europa ca. 6 bis 8 Prozent der Bevölkerung unter seltenen Allergien leiden. Für die jeweilige Allergie gibt es aber jeweils nur wenige Patienten, so dass große Studien zum Nachweis der Wirksamkeit der entsprechenden Therapieallergenpräparate nicht wirtschaftlich durchführbar sind. Die Hersteller reagieren auf die Situation, indem sie diese Präparate nicht mehr anbieten, eine ausreichende Versorgung der betroffenen Patienten wird so unmöglich.

Ein Weg aus der Problematik könnte es sein, die seltenen Allergien unter den Nationalen Aktionsplan für seltene Erkrankungen zu stellen. Von einer seltenen Erkrankung spricht man dann, wenn weniger als 5 von 10.000 Einwohnern eines Landes betroffen sind – auf seltene Allergien trifft dies zu.

 

Antiallergische Nasentropfen zur Behandlung von Pollenallergien nun ebenfalls rezeptfrei

Eine Richtlinie, die Antihistaminika zur Behandlung von Allergiesymptomen rezeptfrei stellt, gibt es bereits seit einiger Zeit. Seit Oktober letzten Jahres, gilt jedoch auch für antiallergische Nasentropfen zur Therapie von intermittierender allergischer Rhinitis eine Rezeptfreiheit für die Wirkstoffe Beclometason, Mometason und Fluticason. Voraussetzung ist, dass die Erstdiagnose durch einen Arzt erfolgte, die Anwendung auf Erwachsene (ab 18 Jahre) beschränkt ist und die Tagesdosis maximal jeweils 200 µg/400 µg beträgt. Für erwachsene Patienten mit einer Pollenallergie heißt das, dass der Arzt ihnen Präparate mit diesen Wirkstoffen nicht mehr verordnen darf. Vielmehr muss der Patient diese selbst in der Apotheke erstehen und dort auf eine gute Beratung vertrauen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.