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Allergien Unverträglickeiten Psyche

Dipl oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen

Allergien, Unverträglichkeiten, Psyche? Wenn Menschen „unverträglich“ reagieren…

Belastungen, sei es am Arbeitsplatz oder im Privatleben, zeigen sich nicht immer an der "Quelle". Man weiß heute, dass nicht allein Depressionen, sondern auch körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme und nicht zuletzt Magen-Darm-Probleme die Folge von überhöhtem Druck und ungelösten Konflikten sein können. So kann es vorkommen, dass die Symptome, von denen man glaubte, sie seien von Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgelöst, eine ganz andere Ursache haben. Es kann aber auch sein, dass diese Erkrankungen sehr wohl bestehen, dass deren Symptome jedoch durch ungünstige Umstände noch erheblich verstärkt werden. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen über mögliche Erkrankungen, Abgrenzung und Therapien.

Frau Mannhardt, zu den typischen Symptomen einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gehören u.a. Bauchschmerzen, Durchfälle, Blähbauch etc., aber diese Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Wie findet man die wirkliche Ursache heraus?

Die Differenzialdiagnose ist sehr vielfältig, weil es sich dabei um sogenannte "unspezifische" Symptome handelt.  Man sollte aber auf keinen Fall anfangen "selbst Diagnostik" zu betreiben, sondern sich bei Einschränkungen der Lebensqualität auf jeden Fall in die Hände eines Arztes begeben. Wenn man bemerkt, dass man bewusst oder unbewusst Nahrungsmittel weglässt und sich der Speiseplan aus "Angst" immer mehr einschränkt, kann der erste Gang auch zur qualifizierten Ernährungsfachkraft sein. Wichtig dabei: Es sollte ein ganz genaues Symptomtagebuch geführt werden, das folgende Fragen beantworten sollte: Wann genau habe ich welche Beschwerden, in welchem Ausmaß, d.h. wann, was und wie stark? Wer es noch besser machen möchte fügt jeweils noch hinzu was er gegessen und getrunken hat oder was sonst noch passiert ist, also Gefühle, Tätigkeiten oder Ereignisse.

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Wie gehen Sie vor, um die "richtige" Diagnose, z.B. Nahrungsmittelunverträglichkeit, zu stellen? Welche Tests veranlassen Sie oder nehmen Sie selbst vor?

Ich selbst bin ja kein Arzt, sondern Ernährungstherapeutin, daher stelle ich keine ärztlichen Diagnosen, sondern mache eine ernährungstherapeutische Diagnostik. Die Grundlage dieser Diagnostik bildet ein einstündiges, ausführliches, ganz individuelles Anamnesegespräch. Ohne genau zu wissen "was ist" und "was war", kann ich nicht sagen, was dem Patienten fehlt. In diesem Anamnesegespräch unterhalte ich mich mit dem Patienten über seine Beschwerden, über seine Krankengeschichte, über seine Vermutungen, seine Beobachtungen und ich analysiere mit ihm zusammen sein Leben und seine Arbeit. Darüber hinaus mache eine Ernährungs- und Essanamnese und schaue mit ihm gemeinsam das mitgebrachte Symptomtagebuch an.  

Kommt der Patient mit ärztlichen Laborwerten und zumindest einer Verdachtsdiagnose, wissen der Patient und ich meist, worum es geht. Fehlt eine ärztliche Diagnose, so habe ich zumindest bis dahin eine Ernährungsdiagnose erstellt und kann den meist ein bis zwei "heißen Spuren" nachgehen bzw. in Absprache mit dem zuweisenden Arzt, auch mittels Labordiagnostik nachgehen. Wir besprechen das Procedere in der Regel gemeinsam. Meine Zusammenarbeit mit vielen Ärzten ist mittlerweile so gut, dass, wenn ich z.B. empfehle "bei dieser Patientin wäre der Ausschluss einer Zöliakie sinnvoll" oder "Es wäre gut, wenn bei diesem Patient ein H2-Atemtest gemacht werden könnte" , ich noch nie ein "Nein" gehört habe. Ich werde meist auch vom behandelnden Arzt gefragt, was ich für sinnvoll erachte. Spätestens nach der interaktiven Ess- und Ernährungsanamnese und einem kleinen Fragebogen zum "gestörten Essverhalten" weiß ich, ob auch die Psyche eine tragende Rolle bei der Symptomatik spielt.

Als ganzheitliche Beraterin weiß ich um das "sensible" Thema Essen und die "Ich vertrage nicht"-Symptome und möchte betonen, dass es ein Essen ohne Psyche gar nicht gibt. Es stellt sich lediglich die Frage, wo bzw. wie genau diese Verknüpfung zwischen Essen, psychoemotionalem und psychosozialen Geschehen die Lebensqualität und das Wohlsein einschränkt, oder wo genau sich hinter diesen Symptomen eine waschechte Essstörung, ein drohender Burnout oder gar eine Depression oder Angststörung versteckt.


Wie reagieren Patienten, die glauben die Ursache ihrer Beschwerden zu kennen, auf diese Überlegungen? Wie muss der Patient sich an der "Spurensuche" beteiligen?

Da ich mit dem Patienten klientenzentriert arbeite und mehr Fragen stelle, als Antworten gebe, sind es meist die Patienten selbst, die mit den eigentlichen Problemen herausrücken, sobald sie Vertrauen zu mir haben und darauf vertrauen können, dass diese "anderen" Themen bei mir in guten Händen sind.

Auch bei Patienten, die glauben die "Ursache" zu kennen, erlebe ich es häufig, dass sie ganz erleichtert sind, wenn sie merken, dass ihr Wohl gar nicht alleine an einzelnen Lebensmitteln hängt. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte dazu: "Manchmal ist es besser, die Lösung nicht dort zu suchen, wo das Problem liegt."

Auf jeden Fall beteiligen sich die Patienten bei mir sowohl an der "Spurensuche", als auch an der Lösungsfindung. Beratung ist Hilfe zur Selbsthilfe, keine Wissensvermittlung. Ohne einen Alltagstransfer an dem der Klient aktiv beteiligt ist, ist die Beratung nicht beendet, denn Wissen ist nicht gleich Können und Können noch lange nicht Tun. Und da der Mensch ein ganzheitliches Wesen ist, reichen ein paar Tipps, Tricks, Ratschläge oder Lebensmittelverbotslisten einfach nicht aus - ganz zu schweigen davon, dass viele Probleme damit nur zugedeckt würden…

Stress, Druck im Beruf und Schwierigkeiten in der Partnerschaft sind ja keine seltenen Phänomene. Wo setzten Sie die Grenze zwischen "normalen" Problemen und Problemen, die körperliche Symptome auslösen können? Wie merkt der Patient das selbst?

Es gibt kein Leben, das immer "rund" läuft. "Ich vertrage dies und das und jenes nicht"-Phasen gibt es immer mal wieder. Ab wann ein Mensch auch somatisch reagiert, ist ganz unterschiedlich – manche früher, manche später. Selbst ein "verliebt sein" kann ja eine Appetitlosigkeit auslösen und eine Trennung ebenfalls.

Ob es einem Menschen noch "gut geht" oder  nicht, das merkt er sehr wohl. Die Frage ist, ob er das auch ernst nimmt und spätestens dann, wenn er sich selbst schadet, auch Hilfe sucht. Gerade bei Phänomenen mit vielen unspezifischen Symptomen merke ich sehr häufig, dass die Leute viel zu lange warten, bis sie Hilfe suchen oder gefunden haben - der Mensch kann lange verdrängen. Oder die Menschen suchen Hilfe, insbesondere Frauen, doch weil die Diagnostik bei komplexen Phänomenen - ein bisschen Psyche, ein bisschen Körper, unspezifische Symptome etc. so schwierig ist, bekommen viele Frauen die falsche Hilfe, häufig in Form von Medikamenten wie Psychopharmaka, Schlaftabletten, Durchfallmittel, Verstopfungsmittel etc..

Für den Patienten ist das Wichtigste, dass er in dem Moment, wo er merkt "So kann das nicht weitergehen, mir ist nicht gut, ich fühle mich nicht mehr wohl" Hilfe holt bei einer Person seines Vertrauens:

  • Glaubt er an eine körperliche Ursache, ist sein erster Gang wahrscheinlich zum Hausarzt.
  • Glaubt er an eine Unverträglichkeit oder Allergie, so kann er auch eine Beratung bei einer Ernährungstherapeutin in Anspruch nehmen.
  • Spürt er die „psychische Komponente“ so  kann er sich direkt an einen Psychologen wenden, was dann aber meist eine genaue körperliche Diagnostik ausschließt.
  • Und manchmal hat man einfach "Flöhe und Läuse", sprich, z.B. Burnout und eine passagere Unverträglichkeit oder Schwierigkeiten mit einer Trennung und eine Zöliakie.
  • Oder der Patient hat jemanden in seinem Umfeld, der Menschen ganzheitlich berät, bei dem man zunächst einmal seine "vertrage ich nicht"-Geschichte deponieren kann und der in der Lage ist, im rechten Augenblick auch andere Fachdisziplinen zu Rate zu ziehen.

Frau Mannhardt, ich danke Ihnen für das Gespräch! 

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