International Paul Ehrlich Seminar IPAS

Prof. Stefan Vieths und Dr. Susanne Kaul, Paul-Ehrlich-Institut!

IPES 2017: Neues zu Allergen Immuntherapie (AIT) und Precision Medicine!

SCIT bei Nahrungsmittelallergien – doch eine Option?

Eine Allergen Immuntherapie zur Behandlung von Nahrungsmitteln gibt es bislang nicht. Zwar laufen zurzeit eine Reihe Studien zur Behandlung der Erdnussallergie, der Allergie auf Kuhmilch und der Hühnereiallergie, allerdings nur zur oralen, sublingualen oder epikutanen Applikation. Da frühe Studien zur subkutanen Immuntherapie mit schweren Nebenwirkungen einhergegangen waren, wurde diese Art der Therapie nicht mehr weiter verfolgt, obwohl die SCIT bei der Behandlung von Atemwegsallergien eine sehr gute, sichere und lang anhaltende Wirksamkeit bewiesen hat.

In seinem Vortrag stellte Prof. Ronald van Ree, Head of the Laboratory for Allergy Research, Academic Medical Center in Amsterdam, Niederlande einen neuen Ansatz vor, der den Einsatz der SCIT zur Behandlung von Nahrungsmittelallergien ermöglichen könnte. Die Idee ist dabei, die Sicherheit der SCIT für Nahrungsmittelallergiker durch eine chemische Modifikation des Allergenextraktes, durch Reduktion und Alkylierung, zu erhöhen. Bei diesem Prozess werden die Proteine, insbesondere der Majorallergene, so verändert, dass ihre Allergenität reduziert wird. Zusätzlich wurde der Allergenextrakt an Aluminiumadsorbiertes Depotpräparat konzipiert, was die Allergenität weiter vermindert. Eine erste in Dänemark durchgeführte Studie an Fischallergikern war vielversprechend und zeigte, dass die Therapie sicher ist, weitere Studien werden folgen.

Peptid-Immuntherapie – überraschende Ergebnisse einer Katzenallergiker-Studie

Die bei der Allergen Immuntherapie (AIT) verwendeten Allergenextrakte können zu Nebenwirkungen führen. Um diese zu vermeiden, erfolgt die Aufdosierung langsam und in kleinen Dosierungssteigerungen. Synthetische Peptide könnten die Verträglichkeit der Allergen Immuntherapie verbessern, die Therapiedauer verkürzen und die Nebenwirkungen reduzieren. Wie Prof. Mark Larché, McMaster University, Hamilton, Ontario berichtete, konnte in frühen Studien an Katzenallergikern die Wirksamkeit der von Allergenen abgeleiteten Peptide auch zunächst nachgewiesen werden. Die Studienteilnehmer reagierten nach der Therapie mit deutlich verminderten Hautreaktionen. Daran anschließende Phase IIb-Studien an Katzenallergikern, Hausstaubmilbenallergikern und Graspollenallergikern bestätigten die Ergebnisse der Vorstudien und zeigten zudem eine lange Wirksamkeit von einem Jahr und mehr.

In den Studien wurden die Teilnehmer zunächst vor Beginn der Therapie in Allergenexpositionskammern mit „ihrem“ Allergen konfrontiert und gebeten, ihre Symptome zu dokumentieren. Allergenkonzentration, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Expositionsdauer waren standardisiert. Nach der Therapie bzw. Placebo-Behandlung wurde die Reaktion der Studienteilnehmer erneut in der Allergenepositionskammer überprüft und auch hier zeigten die Ergebnisse eine Reduktion der allergischen Symptome durch die Peptid-Immuntherapie.

In der darauf folgenden Phase-III-Feldstudie wurden über 1.400 Patienten mit einer Katzenhaarallergie untersucht, die entweder 4 oder 8 Therapieeinheiten oder Placebo erhielten und deren Symptom-Medikamenten-Score alle zwei Wochen überprüft wurde. Dabei zeigte sich jedoch, dass bei allen drei Gruppen, also auch bei der Placebo-Gruppe, nach einem Jahr Therapie eine Symptomreduktion von 60 Prozent berichtet wurde. Die Gründe für die ungewöhnlich hohe Placebo-Ansprechrate der Peptid-Immuntherapie-Studie könnten zahlreich sein: Zum Beispiel könnte die Tatsache, dass mehr als 100 Studienzentren an der Studie beteiligt waren, zu unterschiedlicher Datenqualität geführt haben. Zudem wurden in die Studie nur Teilnehmer aufgenommen, die mit Katzen im Haushalt lebten oder für mehrere Stunden täglich in Kontakt standen, obwohl dies bei den meisten Katzenallergikern nicht der Fall ist. Auch die Möglichkeit einer natürlichen Toleranzentwicklung könnte bei den Studienteilnehmern eine Rolle gespielt haben, zumindest hat man das in anderen Untersuchungen an Katzenallergikern beobachtet.

 

Placebo-Effekte in AIT-Studien

Außergewöhnlich hohe Placebo-Effekte sind bei doppel-blinden, placebo-kontrollierten Allergen Immuntherapie Studien ein häufiges Phänomen. Ein Grund dafür könnte sein, dass allein die Tatsache, dass ein Patient im Zuge einer Studie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfährt, einen positiven Effekt auf die Beschwerden haben kann und dass es sich bei den therapierten Beschwerden um „weiche Faktoren“ handelt, der Symptomscore basiert auf der subjektiven Einordnung des Patienten.

Eine weitere Schwierigkeit bei der AIT besteht darin, dass sie bekanntermaßen lokale und systemische Reaktionen hervorrufen kann. Studienteilnehmer, die diese Symptome nach der Behandlung bei sich bemerken, vermuten deshalb eher, dass sie zu der Verum-Gruppe gehören, während all jene, die keine Symptome entwickeln, eher annehmen, Teil der Placebo-Gruppe zu sein. In beiden Fällen könnten diese Annahmen bei den Patienten die Bewertung der Symptome beeinflussen. Beim Studienpersonal könnte ein ähnlicher Effekt auftreten.

Für Prof. Anthony Frew, Allergy and Respiratory Medicine, Brighton & Sussex Medical School, Brighton, UK bedeutet dies, dass der an AIT-Studien gestellte Anspruch „doppel-blind“ im Grunde nicht in vollem Maße gegeben ist. Die Patienten, die berechtigt oder unberechtigt davon ausgehen, der Verum-Gruppe anzugehören, könnten den Therapieerfolg tendenziell positiver bewerten, während die vermeintlichen Mitglieder der Placebo-Gruppe eine tendenziell schlechtere Bewertung abgeben könnten. Die Konsequenz: Beides könnte den tatsächlichen Effekt einer Allergen Immuntherapie verfälschen, und damit wäre ein wesentlicher Anspruch doppelblind placebo-kontrollierter Studien nicht erfüllt. Zudem wäre der Anspruch, die AIT mit einer „Nicht-Behandlung“ zu vergleichen, nicht gegeben, wenn bereits das bloße Kümmern beim Patienten einen positiven Einfluss auf die Symptome haben kann.

Precision Medicine bei Asthma & Neurodermitis: Bessere Symptomkontrolle durch Biologika

Für Asthma-Patienten, deren Symptome trotz medikamentöser Behandlung unkontrolliert bleiben, stellen die neuen Biologika, die Teil des Precision Medicine-Ansatzes sind, eine Option zur symptomatischen Behandlung dar. Allerdings helfen die monoklonalen Antikörper nicht allen Patienten gleichermaßen. Bei der Frage, welche Patienten von den jeweiligen Biologika profitieren könnten, spielt vielmehr der Endotyp der Erkrankung eine wichtige Rolle. Die drei auch in Deutschland zugelassenen monoklonalen Antikörper Omalizumab, Mepolizumab, und Reslizumab richten sich gegen den Asthma Endotyp mit überwiegender Th2-Antwort. An Biologika, die Patienten mit Asthma eines anderen Endotyps helfen können, wird geforscht. Wie Prof. Thomas B. Casale, Chief of Clinical and Translational Research an der University of South Florida, Tampa betonte, können Biologika bei Patienten mit unkontrolliertem Asthma zwar Symptome, Exazerbationsraten und die Lungenfunktion verbessern, eine ursächliche Therapie sind sie jedoch nicht. Auch den Krankheitsverlauf können monoklonale Antikörper nicht beeinflussen und die Symptome kehren wieder, sobald die Therapie abgesetzt wird.

Auch in der Dermatologie bietet die Precision Medicine Therapieoptionen, wie Prof. Natalija Novak, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Bonn, ausführte. So konnten in den letzten 15 Jahren Biologika entwickelt werden, die die Therapieoptionen für Patienten mit Psoriasis und Melanomen deutlich verbessern. Für die Behandlung von Neurodermitis hat sich in der Forschung lange Zeit wenig bewegt und es gab stets Patienten mit mittlerer bis schwerer atopischer Dermatitis, deren Symptome, insbesondere der Juckreiz, nicht vollständig kontrolliert werden konnten. Mit Dupilumab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Neurodermitis in der Entwicklung, zu dem bereits eine Phase-III-Studie an über 2000 Patienten bzw. eine Langzeitstudie durchgeführt werden. Hier zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome durch die Gabe von Dupilumab, insbesondere in Bezug auf den Juckreiz, die in Kombination mit topischen Kortikosteroiden sogar einen noch stärkeren Effekt zeigte. Wesentlich Nebenwirkungen traten nicht auf. Weitere Studien zur Wirksamkeit von Dupilumab bei der Behandlung von Asthma, Nasenpolypen, eosinophiler Ösophagitis und Lebensmittelallergien sind in Durchführung bzw. in Planung.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.