International Paul Ehrlich Seminar IPAS

Prof. Stefan Vieths und Dr. Susanne Kaul, Paul-Ehrlich-Institut!

IPES 2017: Neues zu Allergen Immuntherapie (AIT) und Precision Medicine!

Ein spannendes Programm bot das 15. Internationale Paul-Ehrlich-Seminar vom 6. bis 9. September 2017 in Bad Homburg unter dem Vorsitz der Kongresspräsidenten Prof. Vera Mahler, Leiterin der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen, und Prof. Stefan Vieths, Vizepräsiden des PEI. Präsentiert wurden Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit der Allergen Immuntherapie (AIT) und zur Precision Medicine. Mehr als 300 Teilnehmer aus 24 Ländern verfolgten die Veranstaltung.

Neue AIT-Produkte für Kinder: Was nutzen Allergenexpositionskammern?

In klinischen Studien der Phase II mit Erwachsenen werden Allergenexpositionskammern bereits erfolgreich eingesetzt, z.B. bei Dosisfindungsstudien. Auch bei Studien an Kindern kann der Einsatz von Allergenexpositionskammern hilfreich sein, z.B. um die Symptomscores der Kinder mit der Einschätzung der Eltern abzugleichen bzw. die Altersgruppen der Kinder untereinander zu vergleichen. Allerdings müssen bei Kinderstudien in der Allergenexpositionskammer das Studiendesign und die Bewertungskriterien an das Alter bzw. den kindlichen Entwicklungsstand der Probanden angepasst werden. Es gilt, die im Vergleich zu Erwachsenen deutlich unterschiedliche Symptomausprägung bei Kindern zu berücksichtigen und den passenden Indikationszeitpunkt für die Allergen Immuntherapie (AIT) zu definieren.

Sinnvoll kann der Einsatz der Allergenexpositionskammer bei Sekundärpräventionsstudien an Kindern sein. Wenn Sensibilisierungen bereits bestehen, die Allergie jedoch noch nicht manifest ist, könnte mit der AIT eine Entwicklung klinischer Allergiesymptome verhindert werden. Die Allergenexpositionskammern erlauben dann eine kontrollierte Allergenexposition.

Insbesondere wenn die Allergie beim Kind bereits besteht, kann eine AIT eine sinnvolle Maßnahme sein, z.B. um die Entstehung von Asthma zu verhindern. Die Allergenexpositionskammern erlauben dann eine Bewertung des Schwergrades der klinischen Symptome in Relation zur bei der AIT eingesetzten Dosierung, eine Bestimmung der individuellen Allergen-Reizschwelle und in der Folge eine Dosisanpassung.

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Schwellendosis und Anaphylaxie-Schweregrad bei Nahrungsmittelallergien – und sie korrelieren nicht!

Lange ging man davon aus, dass es bei Nahrungsmittelallergikern eine Korrelation zwischen der Schwellendosis und dem Schweregrad der allergischen Reaktion gibt. Man nahm an, je niedriger die Schwellendosis, desto höher das Risiko, auf größere Allergenmengen mit massiven Symptomen zu reagieren. Dementsprechend wurden auch die Allergen-Vermeidungsempfehlungen und die Notwendigkeit eines Notfallsets von der gerade noch verträglichen Allergendosis abhängig gemacht, die man im Rahmen einer oralen Provokation ermittelte.

Neue Analysen haben jedoch gezeigt, dass die Schwellendosis nur bei 4,4 Prozent der untersuchten Fälle einen Rückschluss auf den Schweregrad der allergischen Reaktion auf Nahrungsmittelallergene zuließ. Vielmehr waren schwere Anaphylaxien unvorhersehbar und bei jeder Dosierung möglich. Eine weitere neue Erkenntnis ist, dass die Schwellendosis auch bei ein und demselben Patienten nicht immer gleich ist, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten auch sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dabei scheinen Faktoren wie Fieber, körperliche Anstrengung und Alkoholkonsum verstärkend zu wirken.

Als maßgeblicheren Indikator für den Schweregrad einer Anaphylaxie sieht Prof. Anthony Dubois, Department of Allergy, University Medical Center in Groningen, Niederlande, die Basophilenaktivierung. In Studien ermittelte man einen Zusammenhang zwischen der Reaktivität der Basophilen im Basophilenaktivierungstest (BAT) und dem Schweregrad der Anaphylaxien der untersuchten Patienten. Dahingegen scheint die Sensitivität der Basophilen bzw. der Allergenlevel, auf den die Basophilen reagieren, mit der Schwellendosis zu korrelieren. Dabei bleibt noch zu klären, ob es auch einen Zusammenhang zwischen der Schwellendosis und weiteren Faktoren gibt, z.B. dem Risiko und der Häufigkeit von versehentlich verursachten allergischen Reaktionen auf kontaminierte Speisen, der Aussicht auf eine spontane Toleranzentwicklung oder die Wirksamkeit einer OIT.

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Epikutane AIT: Desensibilisierung über die Haut bei Nahrungsmittelallergien

Die Haut ist das größte Immunorgan des Körpers und spielt, zusammen mit dem Mikrobiom, eine wesentliche Rolle bei der Immunabwehr. Auch ist mittlerweile bekannt, dass die Sensibilisierung auf Nahrungsmittelallergene über die Haut erfolgen kann. Die Fragestellung, ob es möglich sein könnte, Nahrungsmittelallergiker auch über die Haut zu desensibilisieren liegt also nahe.

Über eine große, internationale, multizentrische, doppelblind-placebokontrollierte Phase IIb-Studie an 221 Erdnussallergikern im Alter zwischen 6 und 55 Jahren, berichtete Prof. Hugh Sampson, Kurt Hirschhorn Professor für Pädiatrie an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York, USA und Chief Scientific Officer der Firma DBV Technologies. Hierbei wurden Erdnuss-Allergene mit einem speziell entwickelten Pflaster auf die Haut appliziert. Das Pflaster enthält eine Art Kondensationskammer, die die Allergen-Substanz enthält und in der sich transepidermal freigesetztes Wasser sammelt. So werden die Allergene aufgelöst und gleichzeitig die Haut befeuchtet, was deren Permeabilität erhöht und die Allergenpenetration erleichtert. Dabei wurden den Patienten täglich Pflaster mit Erdnussproteinen in den verblindeten Dosierungen 50, 100 oder 250-mcg bzw. Placebo über einen Zeitraum von 12 Monaten appliziert, gefolgt von einer zweijährigen offenen Folgestudie. Dabei zeigte sich, dass das Pflaster in der Dosierung von 250-mcg gut verträglich war, die Studienteilnehmer auf die Behandlung signifikant mit einer Erhöhung der Schwellendosis ansprachen und im Vergleich zu Placebo ein immunmodulierender Effekt nachgewiesen werden konnte, insbesondere bei Kindern. Im Laufe der zweijährigen Folgestudie gingen die lokalen Hautreaktionen, die am häufigsten auftretende Nebenwirkung, zurück und die Compliance der Studienteilnehmer blieb hoch. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass eine verlängerte Therapiedauer mit dem Erdnuss-Pflaster zu höheren Ansprechraten und einer weiteren Erhöhung der Schwellendosis führen könnte.

In einer zweiten unabhängigen multizentrischen, doppelblinden, placebo-kontrollierten Phase II-Studie wurden 74 Patienten im Alter zwischen 4 und 25 Jahren mit epikutanen Erdnuss-Pflastern behandelt. Die Dosierungen lagen bei 100 oder 250 mcg Erdnussprotein bzw. einem Placebo. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass das 250 mcg Erdnusspflaster gut verträglich ist. Nach einer Therapiedauer von 52 Wochen konnte bei 48,0 Prozent der mit dem 250 mcg Pflaster behandelten Patienten ein Therapieerfolg im Vergleich zu Placebo festgestellt werden. Der deutlichste Effekt konnte auch hier bei den Kindern erzielt werden, 61,1 versus 5,6 Prozent.

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