Allergenprodukte  IPES PEI

Prof. Stefan Vieths und Prof. Vera Mahler begrüßen zum IPES 2017!

IPES 2017: Allergenprodukte - Errungenschaften und Herausforderungen!

Therapieallergene für Kinder

Auch Anträge auf Neuzulassungen von Allergenpräparaten für die Therapie von Kindern lassen auf sich warten. Diese Präparate müssen den Paediatric Investigation Plan (PIP) erfüllen. Die Initiierung solcher PIP-konformen Studien wäre entsprechend der regulatorischen Vorgaben bereits bei Vorliegen erster positiver Ergebnisse zu Effektivität, Wirksamkeit und Sicherheit aus den Erwachsenenstudien erforderlich, wird jedoch aktuell von den Herstellern nicht umgesetzt. Den für die Neuzulassung von Allergenextrakten inklusive PIP nötigen Aufwand scheinen viele Hersteller zu scheuen, eine Entwicklung, die sich auch auf europäischer Ebene abzeichnet. Wie Dr. Irmgard Eichler, EMA, erläuterte, wurde bisher für keines der 118 Produkte, für die mit den Herstellern eine Studie nach PIP-Standards vereinbart war, tatsächlich eine solche durchgeführt.

 

AIT für Kinder – kann man von Erwachsenenstudien extrapolieren?

Für die Pädiater ergibt sich aus dem Mangel an PIP-konformen Studien ein Dilemma. Zum einen geht man davon aus, dass gerade bei den Atemwegsallergien eine frühe Intervention mit einer Allergen-Immuntherapie (AIT) als einzig kausaler Therapie einen Etagenwechsel zum Asthma verhindern könnte, zum anderen stehen gerade für Kinder neu zugelassene Präparate nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.

Schließlich ist es das Ziel der Kinderarzneimittelverordnung, qualitativ hochwertige Medikamente für Kinder bereitzustellen, die in Übereinstimmung mit ethischen Vorgaben durch Studien an Kindern überprüft und zugelassen sind, ohne dass Kinder unnötigen Belastungen ausgesetzt wurden. Hier setzt das Extrapolations-Konzept an, mit dem Argument, das Ableiten gewisser Erkenntnisse aus Erwachsenenstudien bewahre Kinder vor unnötigen Belastungen durch Medikamententests, sei effizienter und ermögliche die Investition eingesparter Gelder in dringlichere Forschungsvorhaben. Ein Hauptkritikunkt ist, dass der Standard-PIP placebokontrollierte Studien fordert. Das führt dazu, dass einer Studiengruppe in einer Phase der kindlichen Entwicklung, in der der „allergische Marsch“ stark voranschreitet, die einzige kausale Therapiemöglichkeit nicht zur Verfügung gestellt wird.

So argumentiert Prof. Matthias Kopp, Pädiater am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, dass die hochgesetzten Hürden des PIP dazu führten, dass Kinder vom medizinischen Fortschritt nicht in gleichem Maße profitierten wie Erwachsene – ein ethisches Problem? Dabei führte er auch die GAP-Studie an, die bislang einzige durchgeführte multizentrische AIT-Kinderstudie, bei der sich die Rekrutierung der kindlichen Studienteilnehmer sehr schwierig gestaltete.

Das Ziel wäre nach Ausführungen von Prof. Kopp, die Hürden von AIT-Studien an Kindern für die Hersteller zu senken. Dazu könnten unter anderem innovative Studiendesigns beitragen, die von vornherein auf eine Extrapolation ausgerichtet sind. Für die Extrapolation von Erwachsenendaten wäre die Definition von Minimalkriterien hilfreich. Auch Interimsauswertungen laufender Studien und eine öffentliche Studiendatenbank könnten dazu beitragen, den Prozess zu beschleunigen.

Andere sehen die Extrapolation von Daten aus Erwachsenenstudien kritisch. So bewertete es Dr. Hugo Tavares, Pädiater am Hospital Lusiadas, Porto, Portugal, und Mitglied des Paediatric Committee (PDCO) der EMA, als Schwachstelle des Konzeptes, dass eine jeweils altersgerechte Dosierung stets auf Schätzungen beruhe, die dann ebenso auf Folgestudien angewiesen seien. Insbesondere den Nachweis eines Langzeiteffektes der AIT sieht Dr. Tavares bei Kindern bislang nicht gegeben, lediglich von ähnlich gelagerten pathophysiolgischen Mechanismen kann man ausgehen.

Accellerated Market Access für Allergenprodukte – Therapien schneller zum Patienten bringen!

"Accelerated Market Access“, steht für eine schnellere Verfügbarkeit neuer Medikamente für die Patienten und ist ein umstrittenes Thema. Die Befürworter des Accelerated Market Access-Konzeptes betonen die Vorteile für Patienten, die so schneller von neuen Therapien profitieren könnten. Die aktuellen Zulassungsbedingungen stellen die Sicherheit neuer Medikamente für die Patienten in den Fokus und schreiben mehrere jahrelange Studienphasen vor. So sinkt das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen bei zugelassenen Medikamenten. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass das zeitlich begrenzte „Window of Opportunity“ für manche Erkrankung ungenutzt verstreicht. Die gilt insbesondere für Krebstherapeutika: Mancher Patient erlebt die Markteinführung eines Präparates, das ihm hätte helfen können, nicht mehr.

Die Kritiker des Accelerated Market Access-Konzeptes hingegen warnen vor einem Verlust an Evidenz und Beurteilungen, die nicht auf Basis sorgfältiger Prüfungen erfolgen. Allerdings ist der Accelerated Market Access nicht als Standardprozess gedacht, der bei jedem beliebigen neuen Medikament angewendet werden kann. Wie Dr. Hans-Georg Eichler, Senior Medical Officer bei der EMA in London betonte, ist das beschleunigte Zulassungsverfahren für Medikamente gedacht, die

  • einen Durchbruch in der Therapie der betreffenden Erkrankung bedeuten
  • einen bislang nicht abgedeckten medizinischen Bedarf bedienen, z.B. lebensbedrohliche oder deutlich einschränkende Erkrankungen
  • klinisch relevante Verbesserungen mit sich bringen, die die Lebensqualität des Patienten maßgeblich verbessern

PRIME – beschleunigte Prozesse durch verzahnte Kommunikation

Erreicht werden soll dies durch das PRIME-Konzept (Priority Medicines). PRIME basiert auf bestehenden Regulierungsprozessen, die durch den frühen, direkten und wissenschaftlichen Austausch mit dem Regulierer und eine schnelle Bewertung der Studienergebnisse beschleunigt werden. Das bedeutet nicht, dass die Evidenz vernachlässigt wird. Vielmehr soll die Evidenz entsprechend des Adaptive-Pathways-Konzeptes, parallel und schrittweise, mit Fortschreiten der Studienergebnisse eingereicht und bewertet werden. Eine vorläufige Zulassung, die nur für einen bestimmten Zeitraum gültig ist, könnte ein Medikament dann erheblich früher auf den Markt und damit zum Patienten bringen.

 

Literaturnachweis:

[1] Biermann J et al. Allergische Erkrankungen der Atemwege – Ergebnisse einer umfassenden Patientenkohorte
in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung. Allergo J 2013; 22 (6) 366–73.

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