Nasenpolypen Polyposis nasi Ursachen Formen

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu Nasenpolypen, ihren Ursachen und unterschiedlichen Formen!

Nasenpolypen: Ursachen und unterschiedliche Formen!

Was genau ist dieses gemeinsame Element, dass bei Nasenpolypen mit Staphylokokken, Schimmelpilzen oder eine Aspirin-Intoleranz auftritt?

Alle drei Nasenpolypen-Formen gehören zu den sogenannten Typ-2-Entzündungen, das heißt sie gehen mit Eosinophilen, IgE und Th2-Zell-Aktivierung einher. Leider sind all diese Nasenpolypen-Typen auch durch wiederholte Operationen gekennzeichnet, weil die Polypen immer wieder auftreten, und häufig gehen sie auch mit einem komorbiden Asthma einher. In Europa sind die meisten Nasenpolypen vom Typ 2, etwa 80 bis 85 Prozent, und teilen mehr oder weniger das gleiche „Schicksal“.

Regional, gibt es, wie gesagt, Unterschiede. In China ist man z.B. in Bezug auf die Entwicklung der Erkrankung einige Jahrzehnte zurück. Auch hier findet man jedoch zunehmend eosinophile Nasenpolypen von Typ 2, was bedeutet, dass sich dort wohl eine ähnliche Entwicklung vollziehen wird wie in Europa.

 

Gibt es Vermutungen zu den Ursachen der regionalen Unterschiede, z.B. zur Besiedlung der Nasenpolypen durch den Schimmelpilz Aspergillus in Saudi Arabien oder den Staphylococcus aureus in der westlichen Welt?

Man kann vermuten, dass zum einen die Exposition eine Rolle spielt. Beim Schimmelpilz Aspergillus in Saudi Arabien, mögen aber auch Faktoren wie Klima, Klimaanlagen, das Zusammenleben mit Tieren etc. eine Rolle spielen.

In unserer modernen Welt kommt es, wie gesagt, eher durch Staphylococcus aureus zu Problemen. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten „Krankenhauskeime“ MRSA (Methicillin resistenter Staphylococcus aureus). Diese Variante des Staphylococcus aureus ist gegen Methicilline bzw. Methicillinantibiotika resistent und verursacht große Probleme.

Staphylokokken finden sich jedoch nicht nur in Krankenhäusern. In Belgien, zum Beispiel, ist ein Drittel der Bevölkerung lebenslang Träger von Staphylokokken und weitere 40 Prozent zumindest zeitweise. Das heißt, wenn Staphylokokken tatsächlich am Krankheitsgeschehen der oberen Atemwege beteiligt sein sollten, hat dies allein schon deshalb eine sehr große Bedeutung, weil sehr viele Menschen den Keim bereits in sich tragen.

Der Keim Staphylococcus aureus spielt doch auch bei Neurodermitis eine Rolle….

Bei Staphylococcus aureus und Neurodermitis greifen die gleichen Mechanismen wie bei den Nasenpolypen. Bei Neurodermitis ist durch die Zerstörung der Epithelbarriere der Haut die Abwehr gegen Staphylokokken vermindert. Für die Schleimhaut der Atemwege bei den Nasenpolypen gilt das gleiche, denn auch hier ist die Abwehr gegen Staphylokokken herabgesetzt. Gleichzeitig kommt es im Respirationstrakt häufiger zu viralen Entzündungen, weil die Interferon-γ-Funktion eingeschränkt ist, vor allem bei den IL-4, IL-5 und IL-13 geprimten, d.h. vorbelasteten, Schleimhäuten. Die Kombination von verminderter viraler Abwehr und dem Auftreten von Staphylococcus aureus in den Schleimhäuten wirkt sich bei Polyposis nasi negativ auf das Entzündungsgeschehen aus.
Das bedeutet: Wir sind sehr stark abhängig davon, in welcher Umgebung wir leben und welche Keime oder eben auch Pilze dort vermehrt vorkommen, Staphylococcus aureus ist einer der häufigsten Keime beim Menschen.

Was weiß man über die Mechanismen bei der Aspirin-Unverträglichkeit, ASS-Unverträglichkeit oder, wie sie auch genannt wird, Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD)?

Man vermutet, dass bei der Aspirin-Unverträglichkeit ein Ungleichgewicht der Leukotrien und Prostaglandine eine Rolle spielt. Allerdings sehen wir ein solches Ungleichgewicht mehr oder weniger stark ausgeprägt bei allen Nasenpolypen. Im Moment ist es daher nicht klar, welche Mechanismen hinter AERD stecken, und warum die Aspirin-Unverträglichkeit in Polen häufiger auftritt, als in anderen europäischen Ländern.

Wichtig zu wissen: Mit der Bezeichnung „Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease“, das heißt „Aspirin-verschlimmerte Atemwegserkrankung“ will man deutlich machen, dass Aspirin nicht der Auslöser für die Entstehung von Nasenpolypen ist. Die eigentliche Erkrankung ist unabhängig von der Einnahme von Aspirin, aber wenn eine Aspirin-Unverträglichkeit besteht, verschlimmert Aspirin die Symptome, und es kann zum Beispiel zu einem Asthmaanfall kommen. Aspirin ist hier ein Triggerfaktor.

Wie bei allen anderen Nasenpolypen auch, besteht bei AERD eine stets vorhandene Typ-2-Entzündungen, das heißt es werden Eosinophilen und Th2-Zellen aktiviert. Nach Operationen kann sich die Aspirin-Unverträglichkeit jedoch auch wieder zurückbilden.

Herr Prof. Bachert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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