Nasenpolypen Polyposis nasi Ursachen Formen

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu Nasenpolypen, ihren Ursachen und unterschiedlichen Formen!

Nasenpolypen: Ursachen und unterschiedliche Formen!

Bei Nasenpolypen denken manche an die „Polypen im Rachen“, die bei Kindern meist problemlos entfernt werden. Allerdings handelt es sich hier um Adenoide und damit um Gaumenmandeln bzw. Gewebewucherungen im Rachenraum. Echte Nasenpolypen, der medizinische Fachbegriff lautet „Polyposis nasi“, hingegen, entstehen durch Wucherungen der Schleimhaut in der Nase und den Nasennebenhöhlen. Sie können erhebliche Ausmaße erreichen und sorgen bei den Betroffenen für unangenehme Beschwerden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent über Nasenpolypen, ihre Ursachen und unterschiedlichen Formen.

Herr Prof. Bachert, wie häufig kommt es zu Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind leider nur mit einem Endoskop zu sehen, so dass man Patienten nicht in einer epidemiologischen Studin Studie untersuchen kann. Zur Häufigkeit von Polyposis nasi gibt es daher nur relativ wenig genau Zahlen, aber aufgrund der Erfahrungswerte geht man im Moment für Deutschland von einer Erkrankungsrate zwischen 2 bis 4 Prozent aus. Auch scheint die Problematik der Nasenpolypen zuzunehmen, je älter die Menschen werden.

Setzt man das in Relation zu Europäischen Zahlen, und hier geht man davon aus, dass 12 Prozent der europäischen Bevölkerung an chronischer Rhinosinusitis leiden, wäre das ca. ein Drittel dieser Patienten. Allerdings sind die Kliniken überzufällig häufig mit Nasenpolypen befasst, weil sie die Patienten sehen, die oft über lange Zeit darunter leiden und häufig auch mehrfach operiert wurden.

 

Kennt man die Ursachen von Nasenpolypen bzw. weiß man, welche unterschiedlichen Pathomechanismen der Entstehung von Polyposis nasi zugrunde liegen?

Eine neue, durchaus hilfreiche Entwicklung bei der Therapie der Nasenpolypen ist die Endotyposierungosierung, d.h. man differenziert die Nasenpolypen nach dem Entzündungstyp.

Interessanterweise hat man bei den Nasenpolypen auch regionale Unterschiede entdeckt, das heißt je nach Region scheinen entweder Keime oder auch Pilze eine Rolle zu spielen. Ob Keime oder Pilze die Polyposis nasi auslösen, ist aktuell noch nicht klar, aber sie modulieren sie, das heißt sie verschlimmern die Symptome.

Welche Keime oder Pilze können die Symptome der Nasenpolypen verschlimmern?

Bei den Keimen ist der Staphylococcus aureus zu nennen, der in unseren Breiten im Zusammenhang mit Nasenpolypen eine sehr große Bedeutung hat. Bei den Pilzen ist es der Aspergillus, der bei der allergischen Schimmelpilz-Sinusitis für eine Verstärkung der Symptome sorgt. Bei uns ist der Aspergillus in Verbindung mit Polyposis nasi selten zu finden, aber in Saudi Arabien ist dies sehr häufig der Fall. Und natürlich gibt es auch die Aspirin-Unverträglichkeit oder ASS-Unverträglichkeit, man nennt das heute AERD, was für „Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease“ steht. Diese Form der Nasenpolypen tritt zum Beispiel relativ häufig in Polen auf. Warum das so ist, weiß man aktuell noch nicht.

Neben den drei genannten Phänotypenen gibt es jedoch auch Nasenpolypen, bei denen weder Aspirin, noch Staphylococcus aureus noch Aspergillus eine Rolle spielen.Interessant ist, dass all diese Typen der Polyposis nasi ein gemeinsames Element haben.

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