Precision Medicine: Personalisierte Medizin in der Allergologie

Welche Erkrankungen sind aktuell mit Precision Medicine-Präparaten behandelbar?

In Deutschland ist  Mepolizumab, ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-5 (IL-5), zugelassen. Ein weiterer Wirkstoff, Benralizumab richtet sich gegen die Alpha-Kette des Interleukin-5-Rezeptors (CD 125) und befindet sich noch im Zulassungsprozess. Eingesetzt werden können diese Präparate bei Patienten mit eosinophilem Asthma, d.h. beim Asthma vom Th2-Endotyp. Als diagnostischer Biomarker für die Th2-Signatur gilt aktuell der eosinophile  Granulozyt,  eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, der Leukozyten. Der eosinophile  Granulozyt ist im Blut sehr gut messbar und gilt als Indikator für den Th2-Endotyp.

 

Bedeutet das, alle Patienten mit eosinophilem Asthma  können mit Mepolizumap oder Benralizumab behandelt werden?

Damit Mepolizumap und Benralizumab  bei einem Patienten eingesetzt werden dürfen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Dazu gehört der Nachweis, dass der Patient tatsächlich diesen Endotyp aufweist. Darüber hinaus muss ein bestimmter Schweregrad der Erkrankung vorliegen und die klassischen Möglichkeiten der Asthmatherapie müssen ausgeschöpft sein, ohne dass die Asthmasymptome unter Kontrolle gebracht werden können.

Inwiefern könnte man Wirkstoffe wie Mepolizumap und Benralizumab auch für andere Erkrankungen einsetzen, die auf einem ähnlichen immunologischen Muster beruhen?

Wenn bei einem Patienten eine solche Fehlregulation besteht, ist dies eine Indikation für das entsprechende Medikament. Allerdings müssen Medikamente zugelassen werden und werden deshalb vor der Zulassung klinischen Prüfungen unterzogen. Diese klinischen Prüfungen erfolgen im Hinblick auf bestimmte Erkrankungen, z.B. für die Wirksamkeit einer Anti-IgE-Therapie bei schwerem allergischem Asthma vom Th2-Endotyp. Sind die Ergebnisse der klinischen Prüfungen positiv und verlaufen auch die Phase-II-Studien positiv, so dass die Zulassung beantragt wird, erfolgt diese nur für eine ganz bestimmte Indikation.

Zwar gibt es auch andere IgE-vermittelte Erkrankungen, aber dafür ist das Medikament formal nicht zugelassen. Ist der behandelnde Arzt dennoch der Meinung, dass der Patient von diesem Medikament profitieren könnte, muss dies im Rahmen eines individuellen Heilversuches bei der Krankenkasse beantragt werden, ein recht aufwändiger Prozess.

Grundsätzlich kann man sagen: Insbesondere dann, wenn Patienten von mehreren klinischen Erkrankungen parallel betroffen sind, kann ein solches Medikament hilfreich sein und auch für die „Begleiterkrankungen“ wirken. Bei allergischen Patienten ist dies häufig der Fall, z.B. tritt Asthma häufig parallel zum atopischen Ekzem auf oder die Neurodermitis mit Nahrungsmittelallergien.

Sie erwähnten, dass der eosinophile  Granulozyt als Indikator für den Th2-Endotyp gilt, gibt es noch weiter Marker für andere Endotypen?

Wie gesagt, ist der Th2-Endotyp am besten untersucht, etwa 50 Prozent unserer Patienten leiden darunter. Der beste Marker hierfür sind die Eosinophilen im Blut. Darüber hinaus stehen keine Marker zur Verfügung. Zu diesem Thema laufen viele Forschungsprojekte, aber noch gibt es wenig Greifbares, das im klinischen Alltag eingesetzt werden könnte.

Inwiefern fällt auch die molekulare Allergiediagnostik in den Bereich der Precision Medicine?

In gewisser Weise kann man die molekulare Allergiediagnostik durchaus unter dem Begriff Präzisionsmedizin subsummieren. Mit der molekularen Allergiediagnostik sind wir in der Lage, das Sensibilisierungsmuster und –spektrum eines Patienten sehr präzise zu erfassen. Gerade im Hinblick auf das Erfassen des Risikos für schwere allergische Reaktionen und für Kreuzrektionen ist der Einsatz rekombinanter Allergene bei der molekularen Allergiediagnostik als Teil der Precision Medicine zu sehen. Schließlich hat die molekulare Allergiediagnostik auch therapeutische Implikationen, wie z. B. Vermeidungsstrategien, Diätmaßnahmen und die Versorgung des Patienten mit Adrenalin-Autoinjektoren.     

Herr Prof. Renz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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