DGIM Patiententag

Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga!

DGIM-Patiententag: Was tun, wenn Ernährung krank macht?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktose, Fruktose, Histamin u.a. machen Sie krank?

prof frieling dgim patiententag nahrungsmittelunvertraeglichkeitenProf. Dr. med. Thomas Frieling zu Nahrungsmittelintoleranzen und der Rolle des Bauchhirns!In einer 2014 im Auftrag von SPIEGEL ONLINE durchgeführten Umfrage gaben 23 Prozent der Befragten an, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, weil sie sie nicht vertragen. Häufig genannt wurden unter anderem Laktose, Histamin, Fruktose und Gluten. Dies führte Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Gastroenterologe und Chefarzt an der HELIOS Privatklinik in Krefeld zu Beginn seines Vortrags aus.

Ein interessantes Ergebnis der Umfrage war, dass nicht alle eine ärztliche Diagnose vorweisen konnten. Auch wurde das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten kontrovers gesehen – 73 Prozent der Nichtbetroffenen hatten nur bedingt Verständnis für Menschen, die auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten und 43 Prozent hielten das „Gehabe“ darum für übertrieben. Gibt es also Nahrungsmittel, die krank machen, oder nicht?

 

Kopfhirn oder Bauchhirn, wer hat das Sagen?

Nur den Blick auf die Nahrungsmittel zu richten, vermittelt nur ein unvollständiges Bild. Auch das Zusammenspiel zwischen Kopfhirn und Bauchhirn beeinflusst alle wesentlichen Magen-Darm-Funktionen, betonte Prof. Frieling, der auch Co-Autor des Buches „Darm an Hirn: Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben“ ist.
Zudem spielen auch Strukturen in der Darmwand, wie z.B. das Immunsystem, das Nervensystem oder die Schleimhaut eine nicht unerhebliche Rolle bei Bauchbeschwerden. Dabei kommt es zu Wechselwirkungen der Nahrung, die im Zuge des Verdauungsvorgangs in ihre Bestandteile aufgespalten wird, z.B. mit dem Nervensystem. Eine Rolle bei Bauchbeschwerden spielt auch das Mikrobiom, das sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch entsprechend dem geographischen Umfeld unterscheidet.

Nicht allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten – wie sieht’s aus mit der Diagnose?

Ein Problem, das sich bei den nicht-allergisch bedingen Nahrungsmittelunverträglichkeiten stellt, ist, dass nicht für alle Intoleranzen eine Diagnose möglich ist. Entsprechende Diagnostik gibt es für die Laktoseintoleranz, die Fruktosemalabsorption, die Sorbitintoleranz und Zöliakie. Bei der Histaminintoleranz, der Glutenunverträglichkeit, Pseudoallergien oder der Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität (NCGS), aber auch beim Reizdarm-Syndrom, wird es schon schwieriger. Hier arbeitet man mit Ausschlussdiagnosen, d.h. andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, bei denen es klare Diagnosetools gibt, werden zunächst ausgeschlossen, um dann zu einer Diagnose zu kommen.

FODMAP – die Lösung für viele Bauchbeschwerden?

Eine Möglichkeit der Therapie von nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, insbesondere bei Zuckerunverträglichkeiten, ist die FODMAP-Diät. FODMAP steht für "Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole" und bei dieser Diät werden alle Nahrungsmittel weggelassen, die diese Nahrungsbestandteile enthalten. Wie Prof. Frieling von Erfahrungen in seiner Krefelder Praxis berichtete, kann die FODMAP-Diät durchaus die Bauchbeschwerden vieler Patienten lindern. Allerdings ist die Diät sehr komplex, sie schränkt das Ernährungsspektrum stark ein und viele Patienten halten sie deshalb nicht durch. Auch ist dies keine dauerhafte Form der Ernährung, vielmehr sollte nach einer gewissen Zeit mit dem langsamen Wiedereinführen der einzelnen Nahrungsbestandteile begonnen werden, um die Einschränkungen für den Patienten so gering wie möglich zu halten. Auch besteht auf lange Sicht die Gefahr einer Mangelernährung, deshalb ist ärztliche Aufsicht bei der FODMAP-Diät unbedingt erforderlich.

Ernährung und Krebs – gibt es die Krebsdiät?

dr norbert krauss dgim patiententagDr. Norbert Krauss zum Thema "Ernährung und Krebs"!Durchschnittlich 35 Prozent soll der Anteil der Ernährung an der Entstehung einer Krebserkrankung betragen. Allerdings ist laut Dr. Norbert Krauss, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologe, Diabetologe und Ernährungsmedizin aus Düsseldorf, die Bandbreite bei der Einschätzung des Einflusses der Ernährung auf Krebserkrankungen  recht groß. Je nach Studie kommt man auf zwischen 10 und 70 Prozent!

Die Angebote dazu, wie man sich bei einer Krebserkrankung ernähren sollte, oder wie man sich ernähren sollte, um Krebs zu verhindern, sind zahlreich. Es gibt aber nicht die Krebsdiät, bei der eine günstige Beeinflussung oder gar Prävention von Tumoren nachgewiesen werden konnte. Dr. Krauss empfiehlt daher, auch bei Krebs die allgemeingültigen Regeln für eine gesunde Ernährung zu beachten, welche lauten:

•    Nicht mehr als 500 g Fleisch pro Woche

•    Vor allem rotes Fleisch und Wurstwaren meiden

•    Möglichst 30 g Ballaststoffe am Tag

•    Alkohol nur in geringen Mengen

•    Kein Nikotin

•    Nahrungsergänzungsmittel vermeiden, dafür reichlich Obst un Gemüse

•    Ausgewogene Ernährung

•    Schonende Zubereitung der Nahrungsmittel

•    Keine „Krebsdiät“, stattdessen Mangelernährung vermeiden

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