DGIM Patiententag

Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga!

DGIM-Patiententag: Was tun, wenn Ernährung krank macht?

Wenn Ernährung krank macht“ – unter diesem Motto stand beim DGIM-Patiententag zum 123. Internistenkongress ein gut besuchter Vortragsblock. Unter Vorsitz und Moderation von Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga, ging es unter anderem um Nahrungsmittelallergien, Nahrungsmittelintoleranzen und „Ernährung und Krebs“. Dass hierzu der Informationsbedarf ausgesprochen groß ist, zeigten auch die zahlreichen Fragen der Teilnehmer. Einmal mehr wurde deutlich, dass immer mehr Menschen unter Bauchbeschwerden leiden, unsicher sind, wie sie sich richtig ernähren sollen und auf der Suche sind, nach den richtigen Informationen zu einer gesunden Ernährung.

„Habe ich eine Nahrungsmittelallergie?“

prof martin raithel dgim patiententag nahrungsmittelallergienProf. Martin Raithel beim DGIM-Patiententag zu Nahrungsmittelallergien!In Umfragen geben ca. 25 bis 35 Prozent der Befragten an, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Allerdings bestätigt sich die Diagnose „Nahrungsmittelallergie“ bzw. „allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit“ nur bei 2 bis 5 Prozent der Erwachsenen und bei bis zu 8 Prozent der Kinder. Ist die Stabilität der Darmbarriere gestört, steigt das Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln auf 5 bis 15 Prozent an. Grundsätzlich, so betonte Referent Prof. Dr. med. Martin Raithel, Internist, Gastroenterologe, Allergologe, Gesundheitsökonom (EBS), Ernährungsmedizin (BLAEK) und Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Waldkrankenhauses St. Marien in Erlangen, ist die Anzahl der Patienten, bei denen endosokopisch eine allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit nachgewiesen wurde, in den letzten 20 Jahren um das sechsfache angestiegen, Nahrungsmittelallergien nehmen also zu.

Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie können vielfältig sein. So kann es durch Nahrungsmittelallergien unter anderem zu den folgenden Symptomen kommen, die allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten können:

•    Aphten im Mund

•    Augentränen

•    Blutdruckabfall

•    Bauchschmerz

•    Blähungen

•    Luftnot

•    Nasenschwellung

•    Halsschwellung

•    Hautreaktionen

•    Gelenkschmerzen

•    Herz-Rhythmus-Störungen

•    Kopfschmerzen

•    Migräne

•    Juckreiz

•    Müdigkeit

•    Durchfall

Bei den allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielt das Immunsystem die entscheidende Rolle, das eine spezifische Immunreaktion auf ein Nahrungsmittel bzw. dessen Antigene aufbaut – hier findet man IgE im Blut – und die allergische Reaktion erfolgt in der Regel auf Proteinbestandteile.

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Keine Nahrungsmittelallergie, aber vielleicht eine nicht allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Abzugrenzen sind die allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten von den nicht allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten, auch Nahrungsmittelintoleranzen genannt. Bei den wesentlich häufiger vorkommenden nicht allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielt das Immunsystem keine Rolle, vielmehr gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsmechanismen. Bauchbeschwerden können z.B. durch Kaffee, Histamin, Enzymmangel, Gluten, einer Transporterstörung oder Salicylsäure ausgelöst werden.

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Wann also ist es eine echte Nahrungsmittelallergie?

Handelt es sich um eine echte immunologisch bedingte Nahrungsmittelallergie kommen verschiedene Faktoren zusammen. Die Patienten sollten sich daher zunächst die folgenden Fragen stellen:

•    Habe ich Symptome, die nach dem Essen am Magen-Darm-Trakt oder außerhalb auftreten?

•    Besteht eine Allergie-Vorbelastung, d.h. gibt es in der Familie Allergien bzw. besteht eine Atopie?

•    Kam es nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels bereits zu einem Allergieschock bzw. einer Anaphylaxie?

Verstärkt sich daraufhin der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, muss der Nachweis erbracht werden, dass die Symptome tatsächlich eine allergische Ursache haben. Im Rahmen der Diagnose wird deshalb überprüft, ob eine Reaktion des Immunsystems im Blut, im Darm oder an der Haut, auch in Kombination, nachgewiesen werden kann.

Dies allein reicht jedoch nicht aus, um eine Nahrungsmittelallergie eindeutig zu diagnostizieren. Vielmehr müssen die Symptome standardisiert reproduzierbar sein. Das bedeutet, nach einer Provokation mit dem verdächtigen Allergen muss es zu Symptomen kommen. Diese sehr aussagekräftige Untersuchung zur eindeutigen Abklärung einer Nahrungsmittelallergie wird aus Sicht von Herrn Prof. Raithel viel zu selten durchgeführt. Umgekehrt muss eine Allergenkarenz zu einem Verschwinden der Symptome führen.

Patienten, die den Verdacht haben, an einer Nahrungsmittelallergie erkrankt zu sein, sollten allerdings nicht im Selbstversuch testen, ob eine allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit besteht, denn bei echten Nahrungsmittelallergien besteht das Risiko einer Anaphylaxie. Hilfe und Unterstützung finden Patienten beim Verein zur Förderung der Allergie- und Endoskopieforschung am Menschen e.V. (VAEM)  einer gemeinnützigen Initiative.

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