Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika e. V. zu Rabattverträgen!

Rabattverträge: Was heißt das für Patienten? Auswirkungen auf Allergiker! - Bei Inhalern, die bei Asthma eingesetzt werden, gibt es noch eine große Vielfalt an Angeboten...

Bei Inhalern, die bei Asthma eingesetzt werden, gibt es noch eine große Vielfalt an Angeboten. Das Problem der Rabattverträge besteht hier eher in der unterschiedlichen Handhabung. Welche Entwicklung ist aus Ihrer Sicht hier zu erwarten?

Derzeit ist bei diesen Arzneimitteln das Hauptärgernis für die Patienten, dass sie auch hier durch Rabattverträge der Krankenkassen nur eine eingeschränkte Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Arzneimitteln bzw. Inhalatoren haben und ihr gewohntes Device möglicherweise aufgrund geänderter Rabattpartner ihrer Krankenkasse auch noch wechseln müssen. So liegen Probleme bei der korrekten Anwendung dieser speziellen Präparate (Inhalativa mit unterschiedlicher Handhabung und Funktionalität) auf der Hand und es kann definitiv Fälle geben, die den Ausschluss vom Austausch rechtfertigen.

In jedem Falle sind Schulungen zur korrekten Anwendung der Inhalationssysteme und ihre Überprüfung notwendig und ein wichtiger Teil der ärztlichen Therapie und der Beratung in der Apotheke.

Neben anderen Faktoren kann eine durchgeführte Schulung auf ein bestimmtes Inhalationssystem ein Grund für den Ausschluss eines Austausches sein. Die Beurteilung der Eignung des Inhalators für den jeweiligen Patienten nimmt der Arzt vor und dieser kann gegebenenfalls den Wechsel des Inhalationssystems ausschließen („aut idem“). Ebenso kann der Apotheker bei der Abgabe sogenannte „pharmazeutische Bedenken“ geltend machen und von einem Austausch absehen.

Im Zweifelsfall können Patienten also nochmals beim Arzt oder Apotheker nachfragen.

Wie ist dieser Punkt im Ausland geregelt? Welche Alternative schlagen Sie vor?

Im europäischen Ausland werden neben dem niedrigsten gebotenen Preis auch weitere Kriterien von den Krankenkassen bei ihren Ausschreibungen angesetzt. So werden dort zum Beispiel auch umweltgerechte Produktions- oder soziale Arbeitsbedingungen von den bietenden Generikaunternehmen in die Waagschale geworfen.

Pro Generika e. V. engagiert sich – neben der genannten verpflichtenden Mehrfachvergabe bei Rabattverträgen – dafür, dass in Deutschland bei Rabattverträgen weitere Kriterien außer dem niedrigsten Preis berücksichtigt werden sollten.

Weitere Kriterien könnten z. B. die Versorgungssicherheit sein oder Sozial- bzw. Nachhaltigkeitsaspekte. Das heutige Vergaberecht ermöglicht es den Krankenkassen übrigens bereits, in ihren Ausschreibungen auch soziale oder Umweltaspekte zu berücksichtigen.

 

Welche Auswirkungen der Rabattverträge auf die Patienten antizipiert Pro Generika für die nächsten Jahre?

Das extrem niedrige Preisniveau bei Generika begünstigt gefährliche Lieferengpässe, was vor allem bei essenziellen Wirkstoffen wie Antibiotika oder Onkologika zu ernsthaften Versorgungsproblemen führen kann. Darauf weisen auch unabhängige Experten wie z.B. Prof. Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft immer wieder hin. Damit dieser Entwicklung Einhalt geboten werden kann, fordern wir seit längerem eine verpflichtende Mehrfachvergabe für die Krankenkassen bei Rabattvertrags-Ausschreibungen bzw. ein Verbot von Rabattverträgen für besonders versorgungskritische Wirkstoffe.

Herr Bretthauer, herzlichen Dank für dieses Interview!

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