Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika e. V. zu Rabattverträgen!

Rabattverträge: Was heißt das für Patienten? Auswirkungen auf Allergiker!

Seit einigen Jahren gibt es die sogenannte „Aut idem-Regelung“. Diese besagt, dass gesetzliche Krankenkassen mit bestimmten Herstellern Rabattverträge über den Preis bestimmter Medikamente mit einem bestimmten Wirkstoff abschließen können. Dann sind Apotheken verpflichtet, dem Patienten dieser Kasse ausschließlich das Medikament auszuhändigen für das ein Rabattvertrag besteht, und nichts anderes. Für die Kassen sind Rabattverträge eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit, Geld zu sparen. Doch was heißt das für die Patienten? Darüber, und inwiefern auch Allergiker betroffen sind, sprach MeinAllergiePortal mit Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika e. V..

Herr Bretthauer, Pro Generika kritisiert, dass die Rabattverträge die Qualität der Patientenversorgung generell negativ beeinflussen, was ist aus Ihrer Sicht das größte Ärgernis?

Aus Sicht der Patienten ist es sicher vor allem ärgerlich und schwer nachvollziehbar, dass aufgrund der Rabattverträge ihre Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Arzneimitteln stark eingeschränkt wurde und sie wegen möglicherweise geänderter Rabattpartner ihrer Krankenkasse zu einem Präparatewechsel gezwungen sind.

 

Pro Generika hat festgestellt, dass durch die Rabattverträge die Zahl der Generikaunternehmen, die an der Versorgung teilnehmen, seit Jahren zurückgeht. Bedeutet dies, dass die Gesundheitspolitik letztendlich die Weichen für eine langfristige Preiserhöhung stellt, weil der Wettbewerb stark eingeschränkt ist?

Das Hauptproblem der sich – vor allem wegen des enormen Preisdrucks – verringernden Anbieterzahl ist ein steigendes Risiko für das Auftreten von Engpässen in der Versorgung der Patienten. Wettbewerb, niedrige Preise und Versorgungssicherheit haben eine gemeinsame Voraussetzung: Die Teilnahme möglichst vieler Generikaunternehmen an der Versorgung.

Auch für Adrenalin-Autoinjektoren (AAI), die im Notfall bei Anaphylaxie eingesetzt werden, gibt es bei den GKV Rabattverträge und es gibt nur drei Hersteller. Könnte dies bei Lieferengpässen Konsequenzen für die Verfügbarkeit der AAI haben?

Ja, denn die Auswirkung exklusiver Rabattverträge auf die Versorgungssicherheit spitzt sich bei wenigen Anbietern im Markt noch zu. Denn dann müssen bei Lieferproblemen des einen Herstellers die wenigen verbleibenden Hersteller, die ja mit deutlich weniger Absatz gerechnet hatten, die Versorgung der Patienten kurzfristig sicherstellen.

Daher fordern wir bei versorgungskritischen Wirkstoffen, wie z.B. Antibiotika, Onkologika oder Notfallarzneimittel wie Adrenalin-Autoinjektoren (AAI), auf Ausschreibungen gänzlich zu verzichten. Erfreulicherweise ist dies im AMVSG zumindest für die Impfstoffe bereits erfolgt und die Ausschreibungsmöglichkeit für die Krankenkassen wurde wieder gestrichen.

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