Allergieprävention Kuhstall Bauernhof-Effekt

Prof. Dr. Philippe Eigenmann, Pädiater und Allergologe an der allergologischen Kinderklinik der Universitätsklinik Genf zu Allergieprävention im Kuhstall und dem Bauernhof-Effekt!

Allergieprävention im Kuhstall: Wie kommt es zum Bauernhof-Effekt?

Heißt das, um Allergien zu verhindern, sollte man dem Immunsystem möglichst von Anfang an einen „Feind“ präsentieren?

Das Immunsystem braucht einen Feind und wenn dies ein „richtiger“ Feind ist, reagiert es auch adäquat. Hat das Immunsystem aber nichts zu tun, sucht es sich irgendeinen Feind. Im Falle der Allergene sucht es sich dann leider einen Freund, denn Allergene sind harmlos und das Immunsystem sollte sie tolerieren.

Advertorial

 

Im Verdauungstrakt der Bauernhofmäuse fanden sie eine größere Vielfalt an Bakterien, welche Bakterien haben gefehlt im Vergleich zu den Labormäusen?

stallmauese entwickeln seltener allergien als labormaueseDer Bauernhof-Effekt: Stallmäuse entwickeln seltener Allergien als Labormäuse!, Quelle: P. EigenmannInsbesondere kamen bei den Stallmäusen die Bakterien Bacteroides und bei den Labormäusen die Bakterien Laktobazillen vor.

Allerdings ist es weniger relevant, welche Bakterien bei den Stallmäusen oder den Labormäusen vorkamen. Es ist nicht so, dass eine Bakterienklasse den Unterschied macht, zwischen Allergierisiko und Immunität.

Viel relevanter scheint zu sein, dass das Immunsystem der Stallmäuse durch eine größere Vielfalt von Bakterien stimuliert wird - wahrscheinlich mach das den Unterschied.

Advertorial

Heißt das, man benötigt nicht einzelne Bakterien bzw. Probiotika, um das Allergierisiko zu senken, sondern einen regelrechten Cocktail?

Eine Mischung vielfältiger Keime würde zur Allergieprävention wahrscheinlich am besten funktionieren. Das Immunsystem wäre dann, wie bei unseren Stallmäusen, dauernd aktiviert, aber gleichzeitig auch stark reguliert.

In zahlreichen Studien hat man versucht, durch die Gabe von Probiotika Allergien zu verhindern. Unter Umständen haben einige dieser Studien deshalb teilweise so schwache Resultate, weil man immer nur einen einzigen Stimulus untersucht hat. Durch einen Bakterien-Cocktail wäre wahrscheinlich ein stärkerer Stimulus wirksamer für eine Allergieprävention.

Es gibt hier auch schon erste Erfahrungen. So werden bei Kleinkindern Bakterien-Cocktails aus einer Mischung von Bakterienlysaten zur Vorbeugung respiratorischer Infekte bereits eingesetzt. Man konnte feststellen, dass sie in Bezug auf Infekte der Atemwege eine präventive Wirkung haben. Deshalb müsste man untersuchen, ob ein solcher Bakterien-Cocktail auch bei Allergien präventiv wirken könnte.

Sie erwähnten die Mastadenoviren, welche Rolle spielen sie im Darm?

Mastadenoviren sind bekannte Viren, die leichte Darminfekte verursachen können, und wir waren überrascht, sie bei den Stallmäusen in großer Zahl zu finden. Welchen Einfluss die Mastadenoviren auf das Immunsystem haben und welchen Beitrag sie bei der Allergieprävention leisten könnten, wissen wir zurzeit noch nicht. Da wir bei den Stallmäusen regulatorische T-Zellen gefunden haben, könnten die Mastadenoviren eventuell eine immunregulierende Funktion haben, man müsste dies in Folgestudien untersuchen.

Herr Prof Eigenmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Christophe P. Frossard, Vladimir Lazarevic, Nadia Gaïa, Stefano Leo, Camille Doras, Walid Habre, Jacques Schrenzel, Danielle Burger, Philippe A. Eigenmann, The farming environment protects mice from allergen-induced skin contact hypersensitivity, Accepted manuscript online: 15 February 2017, Clin Exp Allergy. 2017 Feb 15. doi: 10.1111/cea.12905. [Epub ahead of print], https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28198584

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.