AllergoOnkologie Immunologie Allergie Onkologie

Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Allergologin und Fachärztin für Immunologie in Wien zu ihrer AllergoOnkologie-Forschung!

AllergoOnkologie: Immunologie - Allergie - Onkologie: Was sind die Zusammenhänge?

Wäre es auch denkbar, die bei Tumoren bestehende Toleranzentstehung zur Therapie von Allergien einzusetzen?

Der Diskurs geht in beide Richtungen, denn die Immunmechanismen der eigentlich recht gegensätzlichen Erkrankungen ähneln sich. Mit dem Erforschen der Mechanismen beider Erkrankungen wird es möglich, diese zu vergleichen. Gerade der Austausch macht die Faszination der AllergoOnkologie aus und wenn wir die Mechanismen der Immuntoleranz in einem Tumor besser verstehen, können wir dieses Wissen wahrscheinlich auch auf Allergien übertragen.

 

Gibt es, unabhängig von der AllergoOnkologie, Wechselwirkungen zwischen Allergien und Krebserkrankungen?

Es gibt eine Reihe von großen epidemiologischen Studien an über 1 Mio. Patienten, die gezeigt haben, dass Allergien und Atopie, insbesondere beim Lymphom oder beim Pankreaskarzinom, einen gewissen Schutzfaktor darstellen. Diese Zusammenhänge waren zwar sehr signifikant, sind jedoch angesichts der zahlreichen Faktoren, die bei der Tumorentstehung eine Rolle spielen, nicht sehr zuverlässig. Auch Faktoren wie individuelle Gegebenheiten, die Umwelt und der Lebensstil spielen eine Rolle bei der Krebserkrankung, so dass man einem Allergiepatienten keinesfalls sagen kann, er sei geschützt vor Tumoren und müsse nicht mehr zur Krebsvorsorge gehen.  

Mechanistisch unterscheiden sich Onkologiepatienten und  Allergiepatienten wesentlich. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir Allergiemechanismen auf Krebspatienten übertragen können, um so einen gewissen Schutz zu erreichen. Möglich wird dies z.B. durch die Gabe von im Labor erzeugten IgE-Immunglobulinen, die gegen ein konkretes Tumor-Antigen gerichtet sind. Dadurch verwenden wir Allergie-Effektorzellen, die der Patient selbst beisteuert.

 

Welche Rolle spielen Entzündungen bei Allergien und Krebserkrankungen?

Bei Allergien sind Entzündungen eine Konsequenz der Immunreaktion und Entzündungen können auch bei Tumoren vorkommen. Die bei Allergien typischen Beschwerden, wie Rhinitis, Augenjucken, Asthma, Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxie sind Symptome einer lokalen oder systemischen, sehr  schnell ablaufenden Entzündungsreaktion.

Bei Entzündungen bei Tumoren, können diese auch Zellen ins Gewebe bringen, die immuntolerant wirken und das Tumorwachstum fördern. Wir habe es hier also wieder mit dem im Vergleich zur Allergie umgekehrten Mechanismus zu tun.

Gibt es auch bei der AllergoOnkologie auch Schnittstellen zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)?

Zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zählt man zurzeit auch zwei Krankheitsbilder, die man in Zukunft, wenn man die Mechanismen eindeutig geklärt hat, vielleicht nicht mehr in einem Atemzug nennen wird - zum einen die Colitis ulcerosa, die den Dickdarm betrifft und zum anderen Morbus Crohn, der im Dünndarm angesiedelt ist. Bei der Colitis ulcerosa geht man davon aus, dass die chronischen Entzündungen, die mit der Erkrankung einhergehen, unmittelbar mit einem hohen Tumorrisiko assoziiert sind. Bei der Colitis ulcerosa sieht man Immuntoleranzzellen in den Geweben und die Suppression der eigenen Immunantwort führt zu einem Risiko, Krebs zu entwickeln. Es könnte sich um ein Beispiel für die AllergoOnkologie handeln.

Frau Prof. Jensen-Jarolim, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Jensen-Jarolim E, Bax HJ, Bianchini R, Capron M, Corrigan C, Castells M, Dombrowicz D, Daniels-Wells TR, Fazekas J, Fiebiger E, Gatault S,
Gould HJ, Janda J, Josephs DH, Karagiannis P, Levi-Schaffer F, Meshcheryakova A, Mechtcheriakova D, Mekori Y, Mungenast F, Nigro EA, Penichet ML,
Redegeld F, Saul L, Singer J, Spicer JF, Siccardi AG, Spillner E, Turner MC, Untersmayr E, Vangelista L, Karagiannis SN. AllergoOncology – the impact of allergy
in oncology: EAACI position paper. Allergy 2017; DOI: 10.1111/all.13119. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.13119/epdf

Kontaktdaten Prof. Jensen-Jarolim:

1.    Institute of Pathophysiology & Allergy Research, Center of Pathophysiology, Infectiology & Immunology, Medical University Vienna, Vienna, Austria
Email: erika.jensen-Jarolim@meduniwien.ac.at

2.    The Interuniversity Messerli Research Institute, University of Veterinary Medicine Vienna, Medical University of Vienna, Vienna, Austria

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.