AllergoOnkologie Immunologie Allergie Onkologie

Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Allergologin und Fachärztin für Immunologie in Wien zu ihrer AllergoOnkologie-Forschung!

AllergoOnkologie: Immunologie - Allergie - Onkologie: Was sind die Zusammenhänge?

Die Immunologie war lange ein Randgebiet. Mit dem zunehmenden Wissen über die vielfältigen Immunmechanismen, die Vorgängen in unterschiedlichsten Erkrankungen zugrunde liegen, oder daran beteiligt sind, wandelt sich dieses Bild signifikant. Die Frage, welche Mechanismen die natürlich schützende Immunantwort aus dem Gleichgewicht bringen können, wird so zum zentralen Fokus der Forschung. Ein brandneues Forschungsgebiet ist die AllergoOnkologie, wobei Mechanismen von Allergien und Onkologie unter dem Dach der Immunologie zusammengebracht und erforscht werden. MeinAllergiePortal sprach mit Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Allergologin und Fachärztin für Immunologie in Wien.

Frau Prof. Jensen-Jarolim, Sie forschen im Bereich AllergoOnkologie, worum geht es dabei?

Viele Allergologen wissen nicht, dass Allergiemechanismen auch bei Tumoren eine Rolle spielen können und umgekehrt wissen viele Onkologen nur sehr wenig über Allergien. Die AllergoOnkologie ist also ein sehr neues Gebiet, das erst 2006 definiert und in den Fokus der Forschung gerückt wurde. Im Fokus stehen hier die Gemeinsamkeiten und Schnittstellen zwischen der Allergologie und der Onkologie. Damit wollten wir eine Plattform schaffen, die es ermöglicht, Mechanismen besser zu erforschen, die sowohl bei Allergien als auch bei Tumorerkrankungen eine Rolle spielen. Ganz wesentlich dabei ist es, den an dieser Schnittstelle interessierten Wissenschaftlern und Klinikern eine Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen.

Gerade haben wir ein europäisches Positionspapier zur AllergoOnkologie herausgegeben.1) Aus meiner Sicht ist dies ein Meilenstein in der Entwicklung der AllergoOnkologie, denn dies belegt die offizielle Akzeptanz des Forschungsgebietes durch eine große internationale Fachgesellschaft,  der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI).

 

Was weiß man zurzeit über die Mechanismen, die sowohl bei Allergien als auch bei  Tumorerkrankungen eine Rolle spielen?

Bei den Allergien ist bereits seit langem bekannt, dass das Immunsystem eine große Rolle spielt, insbesondere die krankmachenden Immunglobuline E (IgE). IgE wurde jedoch auch bei Tumorerkrankungen gefunden und zunehmend entsteht das Bewusstsein, dass das Immunsystem auch bei Tumoren einen großen Einfluss haben kann. Sehr lange hat man diese Immuninfiltrationen zwar gesehen, aber nicht beachtet. Nun erkennt man, dass dies sehr wichtige Mechanismen sind, die entscheiden, wie schnell der Tumor wachsen wird.

Eine zentrale Fragestellung der AllergoOnkologie ist: Wie könnte man IgE-Antikörper, die bei Allergien einen krankmachenden Effekt haben, bei Tumorerkrankungen nützlich einsetzen, indem wir sie gegen Tumor-Antigene richten? Ein internationales Netzwerk der AllergoOnkologie generiert und testet solche IgE-Antikörper und in England wird gerade eine klinische Studie an Patienten durchgeführt, die sehr erfolgsversprechend zu sein scheint. Es war jedoch ein sehr langer Weg von der Maus bis zum Menschen.

Wie weitreichend ist in der AllergoOnkologie die Übertragbarkeit der Erkenntnisse der Forschungsergebnisse am Mausmodell auf den Menschen?

Nicht alle Erkenntnisse aus der Forschung am Mausmodell  lassen sich in der AllergoOnkologie auf den Menschen übertragen. Deshalb forschen wir auch an Hunden, die an Krebs oder an Allergien erkrankt sind. Sowohl Tumoren als auch Allergien treten bei Hunden heutzutage leider sehr häufig auf.

Das Immunsystem des Hundes ist dem des Menschen sehr viel ähnlicher, als das Immunsystem der Maus, was wir in unserem EAACI-Positionspapier zu AllergoOnkologie auch sehr deutlich herausgearbeitet haben. Beim Hund befinden sich die IgE-Rezeptoren an den gleichen Immunzellen, wie beim Menschen, beider Maus ist dies nicht der Fall. Unsere Untersuchungen ermöglichen es uns deshalb, Erkenntnisse zu gewinnen und möglicherweise auch den Tieren zu helfen.

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