Prä- und Probiotika: Bedeutung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien

Probiotika - was ist das?

Probiotika - von "pro" und "bios", also "für das Leben", sind milchsäurebildende Bakterien und gehören zu den Metabiotika. Unter "Metabiotika" fasst man all jene natürlichen Substanzen zusammen, die einen Einfluss auf das Immunsystem haben, wie Prä- und Probiotika, Bakterienlysate oder bakterielle Autovakzine. Den Probiotika wird ein positiver Einfluss auf die Darmflora und damit eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen.

Mittlerweile liegen auch wissenschaftliche Erkenntnisse vor, dass sich der regelmäßige Verzehr von Probiotika, positiv in Bezug auf Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, auswirken kann.

Allergie-Wiki: Probiotika

Präbiotika – was muss man wissen?

Unter Präbiotika – von "prae" und "bios", also "vor dem Leben" versteht man Kohlenhydrate, vergleichbar mit Zellstoff bzw. komplexen Zuckermolekülen, die mit der Nahrung zugeführt werden und die Grundnahrung für die probiotischen Organismen bilden. Präbiotika gehören zur Gruppe der Ballaststoffe und sind wasserlöslich. Beispiele für Präbiotika sind Inulin und Oligofructose, Flohsamen und pflanzliche Dextrine.

Allergie-Wiki: Präbiotika

Probiotika & Präbiotika – was ist der Unterschied?

Präbiotika und Probiotika haben einen positiven Einfluss auf unser Immunsystem und gehören beide zu den Metabiotika. Wo der Unterschied zwischen Probiotika und Präbiotika liegt, erklärt Dr. Maike Groeneveld:

„Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die wir mit der Nahrung oder in Form von Arzneimitteln aufnehmen und die in untere Darmabschnitte gelangen und dort gesundheitliche Wirkungen entfalten können. Es handelt sich meist um Laktobazillen und Bifidobakterien, bei Arzneimitteln werden auch nicht-pathogene E. coli-Stämme und Saccharomyces-Arten eingesetzt. Präbiotika sind für uns unverdauliche Stoffe, die nur von ganz bestimmten Bakterienarten der Mikrobiota, vor allem von Bifidobakterien abgebaut werden. Durch die Zufuhr von Präbiotika erhalten Bifidobakterien einen Wachstumsvorteil gegenüber anderen eher ungünstigen Bakterienarten. Dies passiert z.B. bei gestillten Säuglingen, die aufgrund der präbiotischen Wirkung der Muttermilch mehr Bifidobakterien in ihrer Mikrobiota haben als nicht gestillte Säugling. Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel dürfen allerdings seit 2012 aufgrund einer EU-Verordnung nicht mehr mit den Begriffen "pro- und präbiotisch" beworben werden, weil die gesundheitlichen Wirkungen nach Ansicht der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) nicht eindeutig belegt sind.“

Wie helfen Probiotika & Co. bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten?

Probiotika: Helfen sie bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Der Verzehr von probiotischen Produkten, kann bei Personen mit wiederkehrenden Bauchbeschwerden zu einer Verbesserung der Symptome führen. Besonders Personen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, können von Probiotika profitieren, wie Dr. Maike Groeneveld berichtet:

„Eindeutig belegt ist ein Nutzen beim Reizdarmsyndrom, bei dem in manchen Fällen ja auch unerkannte Unverträglichkeiten als Ursache in Frage kommen. Deswegen werden bestimmte Probiotika in der Leitlinie Reizdarmsyndrom empfohlen. Einige Studien zeigen, dass bestimmte Bakterienstämme die Symptome bei der Laktoseintoleranz vermindern. Vermutlich verdrängen die probiotischen Bakterien gasbildende Mikroorganismen und sorgen so für einen ruhigeren Bauch. Auch gibt es Hinweise aus Studien, dass die Symptome der allergischen Rhinitis bei Pollenallergikern gemindert werden können. Weiterhin haben wir Hinweise, dass ein frühzeitiger Einsatz von Probiotika bei Säuglingen aus Familien mit einer Disposition für Allergien, die Entstehung einer atopischen Dermatitis vorbeugen kann. Hier gibt es jedoch widersprüchliche Studienergebnisse.“

Wie helfen Probiotika & Co. bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten?

Probiotika – können sie bei der Behandlung von Intoleranzen und Unverträglichkeiten helfen?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Intoleranzen, wie Lactoseintoleranz oder Histaminintoleranz, entwickeln sich meist nach Magen-Darm Infektionen. Diese müssen aber nicht lebenslang bestehen, so Dr. Maud-Bettina Hilka:

„Mit Hilfe von Probiotika kann der Darm sich wieder regenerieren. Die Produktion der Enzyme, die im Darm gebildet werden, kann dann wieder normal erfolgen.
Man weiß dies von der Diaminoxydase, dem Enzym, das für den Abbau des Histamins verantwortlich ist. Auch für die Laktase, das ist das Enzym, dass für die Aufspaltung der Laktose zuständig ist, ist bekannt, dass sich die Produktion wieder normalisieren lässt.“

Der Effekt lässt sich jedoch nicht von heute auf morgen einstellen, wie Dr. Maud-Bettina Hilka ergänzt:

„Die Einnahme der Probiotika muss über mehrere Monate erfolgen, bevor sich ein Effekt einstellt. Der Patient sollte allerdings wissen, dass er die entsprechenden Präparate nicht von der Krankenkasse erstattet bekommt.“

Darmsanierung mit Probiotika: Wie hilft das bei Intoleranzen?

Präbiotika & Probiotika – helfen sie in der Allergieprävention und bei Allergiebeschwerden?

Das Mikrobiom des Darms, beziehungsweise dessen Zusammensetzung, scheint eine wichtige Rolle in der Entstehung von Allergien und Unverträglichkeiten zu spielen. Durch Alter, Geschlecht, äußere Einflüsse und Ernährung, lässt sich das Mikrobiom jedoch positiv beeinflussen, wie Prof. Marcus Rose erklärt:

„Wer sich möglichst viel an der frischen Luft in der Natur aufhält, Hygiene und Genussmittel auf ein sinnvolles Maß beschränkt, sich ausgewogen ernährt, und sich viel bewegt, tut viel für seine Gesundheit und beugt Allergien vor.“

Zusätzlich lässt sich die Darmflora durch „funktionelle Nahrung“, wie Präbiotika und Probiotika pflegen. Dadurch kann das Allergierisiko gesenkt, und bestehende Allergiesymptome gelindert werden, so Prof. Marcus Rose:

„In wissenschaftlichen Studien ließen sich durch Nahrungsergänzung mittels präbiotischer und/oder probiotischer Präparate teilweise vorbeugende Effekte hinsichtlich allergischer Erkrankungen nachweisen. Ebenso konnten die Studien nachweisen, dass es durch präbiotische und/oder probiotische Präparate bei den Betroffenen auch zu Verbesserungen kam. Sie hatten weniger Heuschnupfen, weniger Hautjucken, weniger Entzündungen und eine bessere Lungenfunktion.

Die Welt Allergie Organisation (WAO) fasst ihre diesbezügliche Position dementsprechend zusammen: „Es gibt bislang keinen definitiven Beweis, dass Probiotika bei Schwangeren grundsätzlich ein Allergierisiko mindern. Unter Abwägung aller Aspekte besteht aber dennoch ein Netto-Nutzen, sodass probiotische Nahrungsergänzung bei Schwangeren, Stillenden und Säuglingen mit hohem Allergie-Risiko empfohlen werden kann“.“

Präbiotika, Probiotika, Synbiotika: Schützen sie vor Allergien?

Probiotika in Kindernahrung – lassen sich dadurch Allergien vermeiden?

Das Allergierisiko von Kindern lässt sich durch verschiedene Faktoren und Maßnahmen beeinflussen. Dazu zählt auch die Ernährung. Eltern können durch die Gabe von Probiotika sowohl das Allergierisiko senken, als auch bestehende Allergiebeschwerden verbesser. Prof. Marcus Rose:

„Nach aktueller Datenlage ist es ganz klar, dass sich Probiotika vorteilhaft auf die Vermeidung von Allergien auswirken. Für den Einsatz von Metabiotika spricht auch, dass sie auf keinen Fall schaden, es ist gut verträglich und stimuliert die Immunregulation. Außerdem gibt es kaum noch Säuglingsnahrungen, die keine metabiotischen Zusätze enthalten.

Eltern können aber noch etwas tun, um das Allergierisiko ihres Kindes zu senken. Die Hygiene-Hypothese hat gezeigt, wie wichtig die Lebensumstände sind, unter denen ein Kind aufwächst. Ein "zu viel" an Sauberkeit und Desinfektionsmitteln kann dazu führen, dass der Darm des Kindes trotz Metabiotika keine gesunde Bakterienbesiedlung entwickeln kann. Eine gewisse Großzügigkeit der Eltern im Umgang mit Zivilisationshygiene ist deshalb von Nutzen für das Kind. Die etwas "schmuddeligeren" Kinder sind oftmals die "gesünderen" Kinder - hier müssen wir lernen, umzudenken.“

Allergien: Welche Rolle spielen Probiotika & Co. bei der Behandlung?

Probiotische Reiniger – eine geeignete Alternative für den Haushalt?

Probiotika werden meist im Kontext von Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten genannt. Derzeit geraten aber auch probiotische Reiniger immer mehr in Mode, um hartnäckigen Schmutz einfach und umweltschonend zu entfernen.

Der Forscher Professor Johannes Gescher vom Institut für Angewandte Biowissenschaften des KIT, hat einige Reiniger im Labor untersucht: In manchen davon fanden sich ein bis zwei Milliarden Zellen pro Milliliter. Darüber hinaus enthielten die probiotischen Allzweckreiniger eine Mischung aus Säuren, die der Verbraucher zum Teil gut kennt: Essigsäure ist ein Bestandteil von vielen Reinigungsmitteln und kam in verdünnter Form vor. Darüber hinaus enthielten die getesteten Reiniger Alkohol, Buttersäure und Propionsäure, was den charakteristischen Geruch der Reiniger erklärt. „Damit liegt der Verdacht nahe, dass die Reinigungsleistung die Zusatzstoffe erbringen und nicht die Mikroorganismen“, sagt Gescher und rät: „Wer umweltschonend putzen möchte, sollte zu schnell abbaubaren Reinigungsmitteln greifen.“

KIT-Experte zu aktuellem Thema: Putzen mit Bakterien; PM KIT

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