Darmflora, Mikrobiom

Mikrobiom - Was ist das

Der Begriff Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller den Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen. Im engeren Sinn wird damit die Gesamtheit aller mikrobiellen Gene im menschlichen Organismus bezeichnet.

Allergie-Wiki: Mikrobiom

Mikrobiom - Mikrobiota – was ist der Unterschied?

„Mikrobiom“ und „Mikrobiota“ klingen zwar relativ ähnlich, dennoch sollten die beiden Bezeichnungen klar unterschieden werden. Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim führt aus:

„Mit Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller genomisch möglichen Mikroorganismen - eine Art “Kosmos” der Mikroorganismen. Dazu gehören unter anderem Bakterien, Viren oder auch Pilze. Von der “Mikrobiota” spricht man, wenn es um die Mikroorganismen der äußeren und inneren Oberflächen des Körpers geht.
Man könnte auch sagen: Wenn das Mikrobiom der “Kosmos” ist, sind die Mikrobiota die Besiedler der “Erde”. Dabei ist die Mikrobiota speziesspezifisch, das heißt, es gibt eine Mikrobiota des Menschen, des Hundes, des Vogels etc.. “Speziesspezifisch” bedeutet jedoch nicht, dass die Mikrobiota aller Individuen innerhalb einer Spezies identisch ist. Zwar hat beispielsweise die für den Menschen typische Mikrobiota eine bestimmte ungefähre Zusammensetzung, die individuelle Mikrobiota unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch.“

Mikrobiom/Mikrobiota: Was Allergien mit Antibiotika zu tun haben

Was weiß man über die Mikrobiota des Darmes?

Die Mikrobiota des Darmes, auch „intestinale Mikrobiota“ oder „Darmflora“ genannt, ist die Summe aller Mikroorganismen, die im Darm angesiedelt sind. Über die Funktionen der Darmflora sagt Prof. Dr. med. Stephan Bischoff:

„Die Mikrobiota des Darms hat zum einen eine wichtige Funktion bei der Entwicklung des Immunsystems. Zum anderen hat die intestinale Mikrobiota eine wichtige Funktion bei der Abwehr von pathogenen Keimen. Eine dritte Funktion der Mikrobiota im Darm ist die Unterstützung bei der Verdauung.“

Damit die Darmflora ihre Funktionen richtig ausführen kann, kommt es auf die richtige Zusammensetzung der Mikrobiota des Darms an. Dabei scheint vor allem eine gesunde Lebensweise von großer Bedeutung zu sein, wie Prof. Dr. med. Stephan Bischoff ergänzt:

„Wir wissen zurzeit nur annäherungsweise, welche Kriterien für eine gesunde Darmmikrobiota ausschlaggebend sind. Wir konnten jedoch feststellen, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballastoffen und ein gesunder Lebensstil zu einer intakten Mikrobiota des Darms beitragen. Das bedeutet, dass es auch möglich ist, negative Einflüsse auf die Mikrobiota des Darmes wieder „umzukehren“.“

Intestinale Mikrobiota – wie beeinflusst die Darmflora die Gesundheit?

Wechselwirkung zwischen Mikrobiomen – bestehen Zusammenhänge?

Das Mikrobiom kann unterteilt werden in das Mikrobiom der Haut, das Mikrobiom der Schleimhäute, des Magen-Darm-Traktes und des Uro-Genitaltraktes. Wie die verschiedenen Mikrobiome zusammenhängen, erklärt Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann:

„Auch die Frage nach den Abhängigkeiten der unterschiedlichen Mikrobiome untereinander ist ausgesprochen spannend und Gegenstand unserer Forschungen. Am Mausmodell hat man z.B. gesehen, dass unterschiedliche mikrobielle Zusammensetzungen sogar die Psyche der Maus beeinflussen – eine spannende Erkenntnis!“

Allergie und Umwelt: Einflussfaktoren und die Rolle des Mikrobioms

Allergie und Darmbarriere – welche Rolle spielt das Darmimmunsystem?

Studien zufolge, besteht ein Zusammenhang zwischen Funktionsstörungen der Darmbarriere und gewissen Erkrankungen. Jedoch ist noch nicht klar, ob die gestörte Darmbarriere Ursache oder Folge der Erkrankungen ist. Eine gestörte Darmbarriere wird sowohl mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Reizdarmsyndrom oder auch allergischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, wie Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig erklärt:

„Eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms und das in Folge des erhöhten Eindringens von Antigenen aus der Nahrung gilt als Voraussetzung für die Entstehung von Lebensmittelallergien bei Kindern.
Von der Allergieprävention wissen wir, dass eine frühe Auseinandersetzung von Verdauungstrakt und Immunsystem mit der Umwelt wichtig ist, weil beide erst dadurch reifen können. Als Folge dieser Reifung entsteht die orale Toleranz, d.h. das Immunsystem lernt, fremde aber harmlose Stoffe zu tolerieren. Man weiß, dass wenn sich bei Kindern die Entwicklung von bestimmten Immunzellen oder die volle Ausbildung der Darmbarriere verzögert, das Risiko für eine Nahrungsmittelallergie steigt. Umgekehrt besagt die Hygiene-Hypothese, dass eine zu hygienische Lebensweise ein Ausreifen des Darmimmunsystems verhindern kann.“

Welche Rolle spielt die Darmbarriere bei allergischen Erkrankungen?

Mikrobiom und Allergien: Was ist bekannt?

Mittlerweile steht fest, dass ein Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom und allergischen Erkrankungen besteht, auch wenn vieles noch erforscht werden muss.

Welche Bedeutung hat die Darmflora auf die Allergieneigung bei Kindern?

Die Darmflora, also die Gesamtheit der im Darm angesiedelten Bakterien, ist ein wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems. Daher ist eine intakte Darmflora entscheidend, wenn es um beispielsweise um chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder ein Reizdarmsyndrom geht. Doch auch allergische Erkrankungen, können vermutlich durch eine gestörte Darmflora begünstigt werden. Prof. Dr. med. Carl-Peter Bauer:

„Die Darmflora entsteht direkt nach der Geburt, in dem sich Mikroorganismen in dem bis dahin sterilen Darm ansiedeln. Diese Besiedelung wird wesentlich durch den Geburtsvorgang geprägt und die bakterielle Zusammensetzung hängt deshalb stark davon ab, ob die Entbindung vaginal oder per Sectio (Kaiserschnitt) erfolgt. So wissen wir heute, dass vaginal entbundene und anschließend gestillte Kinder eine sogenannte „Bifidumflora“ haben, während Sectiokinder z.T. auch das Bakteriumspektrum des Krankenhauses wiederspiegeln. Da das Immunsystem entscheidend von der Darmflora mitgeprägt wird, gehen wir heute davon aus, dass es auch einen Zusammenhang zwischen der Art der Darmflora und einer späteren Atopieausprägung (Neigung zu allergischen Erkrankungen) gibt.“

Welche Rolle spielt die Darmflora für die Ausprägung einer Allergieneigung bei Kindern?

Können Magenschutz-Medikamente Allergien begünstigen?

Die Zusammensetzung der Mikrobiota ist ein wichtiger Faktor für das Immunsystem und folglich für die Gesundheit von großer Bedeutung. Dass auch Magenschutz-Medikamente, wie Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI, die Zusammensetzung der Mikrobiota negativ beeinflussen können, untersuchte Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim:

„Während einer Therapie mit PPI kommt es vermehrt zu intestinalen Infektionen. Außerdem kommt es zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung und in der Konsequenz wird die Mikrobiota des Darmes in ihrer natürlichen Zusammensetzung gestört. Wir arbeiten bereits seit fünfzehn Jahren an diesem Thema und konnten auch nachweisen, dass Anti-Ulcus-Therapien mit der Entstehung von Nahrungsmittelallergien assoziiert sind. Dies zeigte sich in Mausstudien 1), aber auch in unseren klinischen Untersuchungen.“

Und weiter erklärt Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim:

„Wir haben festgestellt, dass die allergischen Mäuse eine signifikant veränderte Darmmikrobiota-Zusammensetzung aufwiesen, die gesunden Mäuse jedoch nicht. Das heißt, die Anti-Ulcus-Therapeutika beeinträchtigen das Darmmikrobiom und daraufhin entstehen die Nahrungsmittelallergien.“

Mikrobiom – Mikrobiota: Durch Magenschutz-Medikamente zum Allergiker?

Antibiotika und Mikrobiota - besteht ein Zusammenhang mit Allergien?

Eine gesunde, vielfältige Mikrobiota ist entscheidend für das Immunsystem und die Gesundheit. Diese Vielfalt kann durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst werden, sowohl in positiver, als auch negativer Weise. So wird eine mikrobiotische Vielfalt, durch die natürliche Geburt, das Stillen des Säuglings, einer gesunden Ernährung und weiteren Faktoren positiv beeinflusst. Im Umkehrschluss wirken sich eine ungesunde Ernährung und eine Kaiserschnittgeburt negativ auf die Mikrobiota aus. Zusätzlich können sich auch Medikamente, wie beispielsweise Antibiotika, negativ auf die Mikrobiota auswirken. Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim:

„In einer kanadischen Studie3) aus dem Jahr 2018 wurde eine große Geburtenkohorte analysiert. Es zeigte sich, dass 10,1 Prozent dieser Kinder Asthma entwickelt hatten, wobei sich bei den Antibiotika-exponierten Kindern ein signifikant erhöhtes Risiko zeigte. Dieses Risiko war dosisabhängig, das heißt mit jedem Antibiotika-Zyklus stieg das Asthmarisiko, so dass es nach drei Zyklen im Vergleich zu den nicht mit Antibiotika behandelten Kindern bereits um 50 Prozent erhöht war.
In dieser Studie wurde auch der maternale Antibiotikakonsum während der Schwangerschaft untersucht. Auch hier zeigte sich, dass der Antibiotikaverbrauch der Mütter für bis zu neun Monate postnatal ein erhöhtes Allergierisiko für die Kinder mit sich brachte. Warum dieses Risiko auch nach der Geburt noch besteht, konnte nicht geklärt werden. Möglicherweise kommt das Kind durch das Stillen mit den Antibiotika in Kontakt. 

In einer Literatur-Recherche haben wir selbst zudem zahlreiche Evidenz dafür gefunden, dass bei Allergikern eine reduzierte Diversität der Mikrobiota vorliegt. Logisch, dass Antibiotika in dieselbe Kerbe schlagen.“

Mikrobiom/Mikrobiota: Was Allergien mit Antibiotika zu tun haben

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen – welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?

Chronisch entzündliche Darmentzündungen sind sehr komplexe Erkrankungen, bei deren Entstehung sowohl genetische Prädisposition, als auch diverse Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Umweltfaktoren, wie westliche Lebensverhältnisse und Essgewohnheiten, beeinflussen besonders das Mikrobiom, welches durch zahlreiche Wechselwirkungen mit unserem Immunsystem verbunden ist.

In der richtigen Zusammensetzung leben die mehr als 1000 Bakterienarten des Darmmikrobioms in friedlicher Koexistenz mit ihrem menschlichen Wirt, helfen bei der Verdauung und unterstützen sogar das Immunsystem. Anders bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa: Studien belegen, dass dabei die Artenvielfalt der Darmmikrobiota reduziert ist. Die Folgen sind eine Überreaktion des Immunsystems gegen die Bakterien im Darm und eine entzündliche Darmerkrankung.

CED: Darmflora als Ursache chronischer Entzündungen; PM Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Mikrobiom und Neurodermitis – besteht ein Zusammenhang?

Zum Mikrobiom der Haut und seinem Einfluss auf Erkrankungen ist noch nicht so viel bekannt. Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann erklärt im Video, wie sich die Neurodermitis auf das Mikrobiom der Haut auswirkt und welche Therapieoptionen eine entsprechende Lösung bieten können.

Reizdarmsyndrom und Darmflora – gibt es einen Zusammenhang?

Die Darmflora, also die Gesamtheit der Bakterien die sich im Darm befinden, scheinen einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen zu haben. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass bei chronisch entzündlichen Erkrankungen, wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, oftmals eine reduzierte Bakterienvielfalt vorliegt. Daher wird auch ein Zusammenhang zwischen einem Reizdarmsyndrom (RDS) und dem Mikrobiom des Darms angenommen. Dr. Friedhelm Mühleib sagt hierzu:

„Was den Zusammenhang zwischen Reizdarmsyndrom und Mikrobiom betrifft, gibt es viele Hypothesen und Vermutungen, aber noch wenig gesichertes Wissen. Es gilt als sicher, dass es Zusammenhänge gibt. Wie die im Einzelnen aussehen, ist allerdings noch weitgehend unklar. Hier erhofft sich die Wissenschaft in den kommenden Jahren noch viele Erkenntnisse - verbunden mit der Hoffnung auf einen Durchbruch in der Therapie des RDS.“

Ähnlich wie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, konnte auch bei Patienten mit Reizdarmsyndrom ein von gesunden Menschen differenziertes Mikrobiom nachgewiesen werden. Dr. Friedhelm Mühleib erklärt:

„Tatsächlich weist die Zusammensetzung des Mikrobioms von Reizdarmpatienten z. T. erhebliche Unterschiede zu dem gesunder Menschen auf. Noch ungeklärt ist allerdings die Frage: Ist es das veränderte Mikrobiom, was ein RDS ausgelöst oder führt ein manifestes RDS zu Veränderungen im Mikrobiom?"

„Studien zur Zusammensetzung der Darmflora von Reizdarmpatienten im Vergleich mit der gesunder Menschen konnten signifikante Unterschiede finden. So ist das Vorkommen von Proteobakterien und Bakterien des Stammes Firmicutes beim Reizdarm erhöht. Acinobacter, Bacteroides und Bifidobakterien sind verringert. Der Stuhl von Reizdarm-Patienten zeigt eine geringere Diversität von Bakterien als der Stuhl eines Gesunden, während gleichzeitig ganz bestimmte Bakterienstämme wie Veillonella und Lactobacillus stark vermehrt sind. Einige Bakteriengruppen scheinen sich beim RDS also besonders stark zu vermehren. Was das genau für die Krankheitsentstehung und –behandlung bedeutet, ist bisher noch nicht bekannt.“

Reizdarmsyndrom, Mikrobiom, Mikrobiota? Welche Rolle spielt die Darmflora?

Reizdarm, Reizmagen & Leaky Gut – was muss man wissen?

Was bedeuten die verschiedenen Begriffe, welche Ursachen liegen den Krankheitsbildern zugrunde, und wie sehen die Symptome bei Reizdarm, Reizmagen und Leaky gut aus? Das und mehr, erklärt Dr. Yvonne Braun ausführlich im Video.

Reizdarm – Reizmagen – Leaky Gut

Ernährung und Übergewicht – wirkt es sich auf die Darmflora aus?

Übergewicht und Ernährung hängen häufig miteinander zusammen. Besonders wenn Kinder vorwiegend mit hochverarbeiteten Lebensmitteln ernährt werden, die meist wenig Ballaststoffe enthalten, steigt das Risiko für Übergewicht. Dies hat meist negative Auswirkungen auf die Lebensqualität und kann zu Folgeerkrankungen führen. Die Ernährungsweise, gerade im Kindesalter, kann entscheidend für die Darmflora sein, wie Prof. Dr. med. Michael Melter berichtet:

„Wir bilden eine Art Gemeinschaft mit unseren Darmbakterien, und diese spielen wahrscheinlich schon sehr früh im Leben eine große Rolle. Unsere Symbiose mit den Darmkeimen, 1014 haben wir in unserem Darm, ist aber sehr individuell, und Umwelteinflüsse der ersten Lebenstage , –wochen und -monate sind äußerst relevant. Dabei spielt es eine Rolle, was die Mutter in der Schwangerschaft gegessen hat, was sie in der Stillzeit isst und was das Kind als erstes zu Essen bekommt. Im Idealfall bekommt es das, was es von der Mutter gewohnt ist, und im Idealfall hat sich die Mutter gesund ernährt.“

Übergewicht: Auslöser von Erkrankungen oder Schutzmechanismus?

Fettsäuren – wie beeinflussen sie die Darmflora?

Die Darmflora kann durch viele Faktoren, wie Medikamente oder Nahrungszusatzstoffe sowie die Ernährung beeinflusst werden. Zusätzlich scheint auch ein Zusammenhang zwischen der Darmflora bzw. dem Mikrobiom des Darms und Fettsäuren zu bestehen. Hierbei scheinen besonders die kurzkettigen Fettsäuren eine positive Wirkung auf die Darmflora. Prof. Dr. Harald Renz:

„Produziert werden die kurzkettigen Fettsäuren von den Bakterien im menschlichen Darm, aber nur von ganz bestimmten Darmbakterien. Dafür brauchen diese Darmbakterien ein bestimmtes „Futter“ in Form von sogenannten „Ballaststoffen“, die vom Menschen über die Ernährung aufgenommen werden, aber eigentlich nicht weiter verwertbar sind. Neuste Untersuchungen konnten nun zeigen, dass sich die Konzentration an ungesättigten Fettsäuren im Darm deutlich erhöht, wenn große Mengen bestimmter ballaststoffreicher Nahrungsmittel verzehrt werden. Zu den ballaststoffreichen Nahrungsmitteln zählen zum Beispiel bestimmte Obst- und Gemüsesorten.“

Weiter erklärt Prof. Dr. Harald Renz:

„Kurzkettige Fettsäuren haben eine wesentliche stabilisierende Funktion auf die Darmschleimhaut und auf das mit der Darmschleimhaut in Verbindung stehende Immunsystem. Hier stimulieren die kurzkettigen Fettsäuren die Entwicklung sogenannter regulatorischer T-Zellen. Die regulatorischen T-Zellen agieren wie eine Art „Bremse“ im spezifischen Immunsystem und verhindern die Ausbildung von „entzündlichen“ T-Zellen, wie wir sie zum Beispiel bei einer Allergie, einschließlich der Nahrungsmittelallergie, finden. All diese Erkenntnisse zeigen eindrücklich, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Diät, dem Mikrobiom bzw. den Darmbakterien und der Immunantwort gibt.“

Fettsäuren: Wie beeinflussen sie Darmbakterien und Allergien?

Künstliche Emulgatoren – haben sie Einfluss auf die Darmflora?

Emulgatoren werden in vielen produzierten Lebensmitteln eingesetzt. Für längere Haltbarkeit, ansprechendere Optik oder um eine gewünschte Konsistenz zu erreichen. Dr. Matthias Riedl erklärt, was man über Emulgatoren und deren Wirken auf die Darmflora und die Darmbarriere weiß:

„Künstliche Emulgatoren stehen im Verdacht, die Darmgesundheit auf verschiedene Weise negativ zu beeinträchtigen. Man vermutet, dass künstliche Emulgatoren die Darmbarriere und auch die Darmflora bzw. das Mikrobiom verändern. Man geht davon aus, dass künstliche Emulgatoren die Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) – schwere Erkrankungen, die sogar zum Tod führen können - oder des metabolischen Syndroms fördern können.

Auch ist nicht ausgeschlossen, dass nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder das Reizdarm-Syndrom eine Folge der durch künstliche Emulgatoren veränderten Darmflora sein könnten. Wir wissen z.B., dass entzündliche Darmerkrankungen bei Naturvölkern eine Rarität darstellen. Man weiß außerdem, dass Carrageen, das auch zu den Emulgatoren gehört und das als Bindemittel z.B. in Sahne oder glutenfreien Lebensmitteln eingesetzt wird, chronisch entzündliche Darmerkrankungen begünstigt. Auch bei kalorienfreien Süßungsmitteln besteht übrigens der Verdacht, dass sie die Darmflora verändern könnten.“

Künstliche Emulgatoren in Lebensmitteln: Wo werden die eingesetzt? Wie wirken sie?

Mikrobiom des Darms – Welche Maßnahmen helfen, um vor Allergien zu schützen?

Bei Erkrankungen und der Entstehung von Allergien, scheint das Mikrobiom eine entscheidende Rolle zu spielen. Da das Mikrobiom des Darms nach dem ersten Lebensjahr weitgehend unverändert bleibt, ist besonders die Zeit während der Schwangerschaft sowie die ersten Lebensmonate für ein Kind entscheidend. Neben einer ausgewogenen und gesunden Ernährung, scheint auch der Kontakt zu Tieren, einen positiven Einfluss auf die Darmflora eines Menschen zu haben. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim sagt:

„Zum “Bauernhof-Schutzfaktor” kommt es, wenn sich Schwangere, Stillende oder Säuglinge und Kleinkinder mehrere Stunden täglich im Kuhstall aufhalten. Diese sind dann in stärkerem Maße vor Allergien und Asthma geschützt, als dies bei Personen der Fall ist, die nicht mit einem Stall in Berührung kommen. Aus zahlreichen Studien1)2)3)4)5)6) ist bekannt, dass es bei den “Bauernhof-Kindern” zu Mikrobiom-Veränderungen kommt. Einige der Schutzfaktoren, die hierbei eine Rolle spielen, konnten bereits identifiziert werden. Dazu gehören Keime, wie zum Beispiel der Acinetobacter lwoffii oder der Lactococcus lactis, deren Komponenten aus dem Stallstaub isoliert werden konnten.“

Immunstärkung vom Bauernhof: Mit der „Kuhstallpille“ dem Mikrobiom helfen?

Mikrobiom des Darms – lässt sich eine Fehlbesiedlung des Darms verhindern?

Eine Fehlbesiedlung des Darms, also eine gestörte Darmflora, kann verschiedenen Erkrankungen begünstigen. Einem Ungleichgewicht der Darmflora kann man jedoch vorbeugen. So lässt sich das Mikrobiom des Darms durch eine gesunde Ernährung sowie durch Stressreduktion positiv beeinflussen. Dr. med. Claus-Hermann Bückendorf erläutert:

„Ein wesentlicher Faktor zur Prävention der Fehlbesiedlung des Darmes ist eine vernünftige gesunde Ernährung. Über die Ernährung kann man also das Mikrobiom des Darmes positiv beeinflussen.Man weiß jedoch auch, dass Stress einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms hat. Der Biofilm des Darmes hat über Nerven- und Immunzellen Kontakt zum schleimhautassoziierten Immunsystem und dem Nervensystem des Darmes. Diese Regulationssysteme kommunizieren also miteinander und sind sehr eng verzahnt. Veränderungen im Biofilm des Darmes können sich auch an anderen Stellen des Systems bemerkbar machen. Bis zu einem gewissen Grad kann dieses System Schäden kompensieren. Kommen jedoch mehrere Faktoren zusammen, z.B. Fehlernährung, Stress und zusätzlich noch bestimmte Medikamente, kann das System aus den Fugen geraten und es kommt zu einer Störung.

Wenn man Darmprobleme hat, und das ist mittlerweile bei ca. 20 bis 25 Prozent der Bundesbürger der Fall, sollte man deshalb möglichst zeitnah den Ursachen auf den Grund gehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Z.B. kann eine in diesem Bereich kompetente Ernährungsberatung mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung sehr sinnvoll sein.“

Fehlbesiedlung des Darms: Die Rolle des Mikrobioms bei Darmbeschwerden

Lässt sich das Mikrobiom des Darms durch eine gesunde Ernährung beeinflussen?

Bei Erkrankungen wie Allergien, Unverträglichkeiten und Übergewicht, scheint das Mikrobiom des Darms eine relevante Rolle zu spielen. Besonders die Zeit während der Schwangerschaft sowie die ersten 12 Lebensmonate sind prägend für die Zusammensetzung des Mikrobioms. Allerdings kann man auch im späteren Leben, noch positiv auf das Mikrobiom einwirken. Ein maßgeblicher Faktor hierbei ist die Ernährung, wie Prof. W. Florian Fricke berichtet:

„Positiv für das Mikrobiom ist eine ballaststoffreiche Kost mit viel Obst und Gemüse. Klassischerweise sind dies Nahrungsbestandteile, die wir selbst nicht abbauen können. Sie dienen den Mikroorganismen als Nahrungssubstrat und erhöhen deren Vielfalt. Diese Vielfalt wiederum ist anscheinend mit positiven Effekten verbunden ist.“

Weiter ergänzt Prof. W. Florian Fricke:

„Man weiß, dass man schon nach wenigen Tagen einer drastischen Ernährungsumstellung eine Veränderung am Mikrobiom feststellen kann. Die Beurteilung der Relevanz dieser Veränderung ist jedoch noch nicht eindeutig möglich. Interessant ist, dass sich diese Veränderungen sofort wieder umzukehren scheinen, sobald die Diät abgebrochen wird. Offenbar erfolgt die Konditionierung der Mikrobiota eher langfristig. Eine kurzzeitige Nahrungsumstellung ist nicht nachhaltig. Dies gilt sowohl für den Wechsel von einer eingeschränkten Bakterien- und Mikroorganismenvielfalt zu mehr Diversität als auch umgekehrt.“

Darmbakterien: Was weiß man über eine Mikrobiom-gerechte Ernährung?

Welche Nahrungsmittel haben einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom des Darms?

Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise, kann man das Mikrobiom des Darms, also die Darmflora positiv beeinflussen. Doch welche Nahrungsmittel sind „gut“ für den Darm? Prof. Dr. med. Martin Storr nennt neun „Superfoods“ für den Darm:

  • „Kurkumin aus der Kurkuma-Wurzel wird eine antifungale und antibakterielle Wirkung zugesprochen.
  • Die Gerbstoffe in Heidelbeeren wirken entzündungshemmend und antibakteriell.
  • Kokosöl enthält leicht verdauliche Fettsäuren, die als Bausteine für die Zellen der Darmschleimhaut benötigt werden.
  • Quinoa bietet Candida-Pilzen eine schlechtere Lebensgrundlage – anders als etwa Weizenprodukte und sämtlichen Backwaren aus Getreide.
  • Apfelessig stärkt die Darmflora natürlich, denn die enthaltenen Enzyme und die guten Bakterien helfen, den Darm nachhaltig aufzubauen.
  • Koriander hat einen hohen Gehalt an Phytonährstoffen und ätherischen Ölen, die bei Verdauungsbeschwerden Linderung verschaffen.
  • Haferflocken sind ein ballaststoffreicher Nährstofflieferant und versorgen bereits in kleinen Mengen den Körper mit wichtigen Nähr- und Vitalstoffen.
  • Leinöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren, die die Vielfalt der Darmflora positiv beeinflussen.
  • Eine selbst gemachte Knochenbrühe hilft, die Darmschleimhaut zu regenerieren, den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen und das bakterielle Gleichgewicht wiederherzustellen.“

Neun Superfoods für den Darm

Helfen Milchprodukte bei Verdauungsproblemen und dem Immunsystem?

Welche Milchprodukte einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom des Darms haben, was das für die Verdauung und das Immunsystem bedeutet, und welche Milchprodukte besonders zu empfehlen sind, erklärt Diätassistentin Stefanie Metty im Podcast.

Milchprodukte: Helfen sie Verdauung und Immunsystem?

 

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Darmbeschwerden – Wo gibt es Informationen für eine darmgesunden Ernährung?

In dem Ratgeber „Darmgesund Kochen“ klären die Autoren, Prof. Dr. Martin Storr und die Food-Bloggerin Julia Weißbrod, darüber auf, wie die verschiedenen Nahrungsbestandteile verdaut werden und welche Beschwerden damit einhergehen können.

Zu jedem der 70 Rezepte im Buch geben die Autoren detailliert an, ob das Gericht besonders viel Omega-3-Fettsäuren, Zucker, Proteine und Ballaststoffe oder Fodmaps, Fruktose, Gluten, Histamin und Laktose enthält. So kann sich jeder seinen individuell darmverträglichen Ernährungsplan zusammenstellen. Für einen Low-Carb-Tag schlagen die Autoren beispielsweise Rührei mit Tomaten und Speck zum Frühstück, gedünsteten Brokkoli mit Parmesan und Pinienkernen zum Mittag und rotes Rindfleisch-Curry am Abend vor.

Darmgesund kochen, was bewirkt das im Darm?

Chronisch entzündliche Darmerkrankung – was kann man essen bei Colitis ulcerosa & Morbus Crohn?

Der Darm ist entzündet, der Magen schmerzt. Viele Betroffene mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden unter ihrer Erkrankung. Dennoch müssen Patienten nicht auf leckeres Essen verzichten. Im Buch „Kochbuch Ratgeber: Der entzündete Darm“, von Prof. Dr. Martin Storr und Marcus Beran, findet man 100 leckere und Darmgesunde Rezepte für jeden Tag.

Lecker essen trotz Colitis ulcerosa & Morbus Crohn

Darmreinigung – wann ist sie sinnvoll?

Eine gestörter Darmflora, eine sogenannte Dysbiose, hat große Auswirkungen auf gesamten Organismus. Wann man eine Darmsanierung durchführen sollte, und welche Ursachen hinter einem Ungleichgewicht der Darmflora stecken können, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Video.

Darmreinigung: Wann ist sie sinnvoll?

Darmreinigung – wie kann man sie durchführen?

Ist das Mikrobiom des Darms gestört, kann es zu Verdauungsproblemen und einem reduzierten Immunsystem kommen. Eine Darmreinigung kann dabei helfen, die Darmflora wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Wie eine Darmreinigung durchgeführt werden kann, und welche Mittel dafür zur Verfügung stehen, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Video.

Darmreinigung: Wie wird sie durchgeführt und womit?

Darmreinigung – wie lange kann man sie durchführen?

Wie lange die Darmsanierung durchgeführt werden sollte, und was man dabei beachten sollte, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Video.

Darmreinigung: Wie lange kann man sie durchführen?

Darmreinigung – was sollte man bei der Ernährung beachten?

Bei einer Darmreinigung, spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Welche Nahrungsmittel vermieden werden sollten, welche Produkte verstärkt verzehrt werden sollten und warum auch die Getränkeauswahl wichtig ist, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Video.

Darmreinigung: Ernährungstipps und unterstützende Maßnahmen!

Darmreinigung – wie baut man die Darmflora wieder richtig auf?

Nach einer Darmreinigung, muss die Darmflora wieder aufgebaut werden. Man spricht dann von einer Darmsanierung. Welche Probleme dabei auftreten können, warum Probiotika dabei eine große Rolle spielen, und welche Nahrungsmittel besonders für die Darmsanierung geeignet sind, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Video.

Darmsanierung: Die Darmflora richtig aufbauen!

Darmreinigung – Darmsanierung: was muss man wissen?

Eine gestörte Darmflora, kann große Auswirkungen auf die Lebensqualität und Gesundheit eines Menschen haben. Eine Darmreinigung kann dabei helfen, das Mikrobiom des Darms wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wann eine Darmreinigung sinnvoll ist, was bei der Auswahl geeigneter Nahrungsmittel zu beachten ist, und wie man die Darmflora danach wieder richtig aufbauen kann, erklärt Dr. Maud-Bettina Hilka im Podcast.

Darmreinigung – Darmsanierung: Wie macht man das richtig?

 

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Stuhltransplantation – wann ist es eine geeignete Therapieoption?

Im Zusammenhang mit Erkrankungen des Darms, hört man immer mal wieder den Begriff „Stuhltransplantation“. Dabei wird einem Patienten fremder Stuhl in den Dickdarm übertragen, um dort den Darm des Patienten zu kolonisieren und eine intakte Darmflora zu regenerieren. Zurzeit ist die einzige Indikation für eine Stuhltransplantation, die rezidivierende Clostridieninfektion nach Antibiotikatherapie. Zur Frage, ob die Stuhltransplantation auch bei anderen Erkrankungen eine geeignete Behandlungsoption darstellt, erklärt Prof. Dr. Max Reinshagen:

„Man hat Studien zur Stuhltransplantation mit Patienten durchgeführt, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen litten. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind z.B. Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bisher sind die Ergebnisse dieser Studien aber alle enttäuschend und weitestgehend negativ. Deshalb macht es keinen Sinn, ungezielte Therapien durchzuführen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen wurde. Zwar gibt es eine Studie zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aus den USA, die an Kindern durchgeführt wurde und die für die Stuhltransplantation eine gewisse Wirkung zeigen konnte, aber bei mehreren Studien an Erwachsenen waren die Ergebnisse negativ.

Hinzu kommt beim Reizdarm-Syndrom, dass es sich hierbei um einen Sammelbegriff handelt. Patienten mit Reizdarm-Symptomen haben oft eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Probleme, z.B. auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass man mit dieser einen Therapie, der Stuhltransplantation, all diesen Patienten helfen kann.“

Stuhltransplantationen: Wann ist diese Therapie sinnvoll, wann nicht?

Neurodermitis – welche Therapieoptionen gibt es?

Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen. Bei der Neurodermitis, besteht ein Ungleichgewicht der Hautflora, also des Mikrobioms der Haut. Wie das Mikrobiom der Haut bei Menschen mit Neurodermitis verändert ist, und was das für die Therapie bedeutet, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann im Video.