Allergie auf Insektengift

 

 

Allergie auf Insektengift – was ist das?

Gerade in der wärmeren Jahreszeit kommt es häufiger zu Insektenstichen, meist durch Bienen oder Wespen. Die meisten Menschen reagieren auf Bienengift oder Wespengift an der Einstichstelle mit einer Rötung und Schwellung der Haut. Eine Hautreaktion nach dem Stich einer Biene oder Wespe muss deshalb noch nicht bedeuten, dass eine Allergie vorliegt.

Wenn jedoch die gesamte Haut oder andere Organsysteme, z.B. die Atemwege oder das Herz-Kreislaufsystem eine Reaktion zeigen, muss man von einer allergischen Reaktion ausgehen. Man spricht hier von einer systemischen Reaktion, also von einer Reaktion mit Symptomen, die nicht mehr mit der eigentlichen Einstichstelle in Zusammenhang stehen.

Allergie-Wiki: Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Wie häufig kommt es zu Insektengiftallergien?

Etwa 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland reagiert allergisch auf Insektengift. Eine allergische Reaktion kann durch jede Insektenart ausgelöst werden, jedoch sind in Deutschland besonders Wespen und Bienen diejenigen Insekten, die schwerwiegende allergische Reaktionen herbeiführen, wie Prof. Ludger Klimek erklärt:

Allergien auf Bienengift oder Wespengift: Wie häufig sind sie und wer ist gefährdet?

Wespen – warum sind sie wichtig?

Dass Bienen als Honiglieferanten gerne gesehen sind und als nützlich gelten, wird niemand in Frage stellen. Bei den Wespen sieht das anders aus. Viele Menschen gehen davon aus, dass Wespen dagegen unnütz sind. Der Wespenexperte Peter Tauchert erklärt das so:

„Wespen sind ein wichtiges Regulativ im Naturhaushalt. Sie bewerkstelligen drei Aufgaben, die dem Menschen sehr von Nutzen sind:

  1. Blütenbestäuber: Als Nektarverwerter helfen Wespen auch bei der Bestäubung von Blüten und Obstgehölzen.
  2. Insektenvertilger: Wespen erbeuten Unmengen an Fliegen, Stechmücken und viele andere Insekten sowie Garten- und Forstschädlinge.
  3. „Gesundheitspolizei“: Wespen helfen bei der Beseitigung von Aas.“

Wenn es weniger Wespen gibt, hat das also direkte Auswirkungen auf Flora und Fauna. So ist dann insbesondere mit einer erhöhten Population der Beutetiere der Wespen, also Fliegen, Stechmücken etc. zu rechnen. Bemerkbar machen würde sich dies etwa beim Grillen im Garten, wenn auf einmal zahlreiche Fliegen den Esstisch belagern.

Wespen: Was passiert, wenn sie wegbleiben?

Sind einige Wespenarten gefährlicher als andere?

Da alle Wespen stechen können, sollten Menschen, die allergisch auf Wespenstiche reagieren, einen Wespenstich vermeiden. Doch nicht alle Wespen sind in gleicher Weise gefährlich. Die Mehrheit der Wespen ist eher friedfertig und sogar scheu. Peter Tauchert informiert:

„Es gibt insgesamt 12 staatenbildende Wespenarten, die bei uns heimisch sind. Lediglich zwei dieser 12 Wespenarten können im Spätsommer lästig werden. Dies sind die Deutsche- und die Gemeine Wespe – „gemein“ im Sinne von „gewöhnlich“. Diese beiden Wespenarten kommen angeflogen, sobald sie etwas Essbares entdecken. Sie leben versteckt in Erdhöhlen, auf dunklen Dachböden oder in anderen, dunklen Höhlen und Nischen und hier werden sie selten entdeckt.

Dann gibt es die Hornisse, die, wie gesagt, nicht zu den aggressiven Wespenarten gehört und zudem noch ein guter Wespenfänger ist.

Die Langkopfwespen sind die harmlosen Arten unter den Wespen. Zu den Langkopfwespen gehören vier Unterarten: die sächsische Wespe, die Waldwespe, die mittlere Wespe und die norwegische Wespe.“

Wespen und ihr Verhalten: Bei welchen Arten droht ein Wespenstich?

Hornissen – was sollte man wissen?

Die Hornisse ist die größte einheimische Wespenart in Deutschland und steht seit 1989 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Welche wichtigen Funktionen Hornissen in unserem Ökosystem haben, erklärt Wespenberater Peter Tauchert:

„Hornissen sind gigantische Insektenjäger. Man bezeichnet die Hornisse auch als den “Falken“ unter den Insekten. In den Sommermonaten kann ein Hornissenvolk bis zu 500 Gramm Insekten am Tag vertilgen. Das entspricht einer Tagesration von fünf Meisenfamilien während der Brutzeit! Umgerechnet auf das Gewicht einer Fliege, werden etwa 8.333 Fliegen am Tag erbeutet.

Zur Beute der Hornissen gehören hauptsächlich Fliegen. Aber auch andere Insekten, wie Raupen, Heupferdchen, Stechmücken, Wespen und alle möglichen Forstschädlinge werden als Nahrung für die Larven in das Nest geflogen. Und: Die Bestäubung und Befruchtung von Pflanzen und Obstgehölzen sollte man nicht vergessen. So ist die Hornisse ein absolut nützlicher Garten- und Landschaftsbewohner, der leider nur wenig Beachtung geschenkt wird.“

Hornissen – was sollte man über die große Wespenart wissen?

Wann kann es zu allergischen Reaktionen auf Insektengift kommen?

Eine allergische Reaktion kann erst dann auftreten, wenn es zumindest einmal zuvor zu einem Kontakt mit dem Allergen kam. Erst dann hat eine Sensibilisierung gegen das auslösende Allergen stattgefunden und es lassen sich IgE-Antikörper im Blut nachweisen. Im schlimmsten Fall kann die allergische Reaktion zu einem Anaphylaktischen Schock führen. Laut der Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie“ werden Insektenstiche, insbesondere Wespenstiche, im deutschsprachigen Raum als die häufigsten Auslöser schwerer Anaphylaktischer Schockreaktionen bei Erwachsenen gemeldet.

Allergie-Wiki: Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Kann man allergisch auf Stechmücken reagieren?

Stechmücken können sehr lästig sein und führen häufig zu lokalen Reaktionen auf der Haut. Auch sogenannte „gesteigerte Lokalreaktionen“ sind möglich. Das bedeutet, dass nicht nur leichte Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Schmerzen an der betreffenden Stelle auftreten, sondern ganz massive Symptome. Eine Allergie, so Privatdozent Dr. med. Timo Buhl, steckt meist aber nicht dahinter:

„Es gibt sehr wenige Beschreibungen, die auf echte Allergien gegen Steckmücken hinweisen, bis hin zur Anaphylaxie. Allerdings ist eine Allergie gegen Stechmücken sehr, sehr selten. Ich persönlich hatte einen solchen Fall in meiner Praxis bisher nicht, obwohl die Fallzahlen der gestochenen Menschen sehr hoch sein dürften -jeder wird ja sicher öfter im Jahr von Mücken gestochen. Eher kann es bei Mückenstichen zu gesteigerten Lokalreaktionen kommen.Allerdings: Zurzeit gibt es kein Allergenextrakt, mit dem man eine Allergie gegen Stechmücken nachweisen könnte.“

Stechmücken-Allergie? Kann man auf Mückenstiche allergisch reagieren?

Können Hummel- und Hornissengift Anaphylaxien auslösen?

In Deutschland führen meist Wespen- und Bienengift zu allergischen Reaktionen bei Menschen mit Insektengift-Allergien. Weniger oft werden Allergien durch Hummelgift ausgelöst, wie Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl erläutert:

„Ja, auch durch das Gift einer Hummel kann ein anaphylaktischer Schock ausgelöst werden, allerdings ist das ein ausgesprochen seltenes Problem. Allerdings: Bei einer Allergie gegen Hummelgift gibt es keine Allergenextrakte, speziell zur Diagnose und Behandlung mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT).

Lediglich für Bienengift und Wespengift stehen Allergenextrakte zur Verfügung.“

Zusätzlich kann auch der Stich einer Hornisse allergische Symptome herbeiführen, ergänzt Priv.Doz. Dr. med. Timo Buhl:

„Durch den Stich einer Hornisse kann es ebenfalls zu einem allergischen Schock kommen, wenn man Hornissengiftallergiker ist, allerdings ist dies ebenfalls sehr selten.
Auch für die Diagnose und Therapie einer Hornissengiftallergie steht kein Allergenextrakt zur Verfügung. Da das Hornissengift aber wiederum teilweise kreuzreaktiv mit Wespengift ist, greift man zur Diagnostik bzw. im Bedarfsfalle für die Therapie, auf das Wespengift-Allergenextrakt zurück.“

Allergie auf Hummelgift oder Hornissengift? Ist eine Anaphylaxie möglich?

Schwere Insektengift-Allergie – kann auch eine Mastozytose dahinter stecken?

Menschen mit Insektengift-Anaphylaxie reagieren nicht nur mit leichten allergischen Symptomen auf Insektenstiche, sondern auch mit Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Wenn Patienten so starke Symptome nach Insektenstichen zeigen, sollte auch immer an eine Mastozytose gedacht werden, da bei etwa 5 Prozent der Patienten mit Insektengift-Anaphylaxie auch eine Mastozytose vorliegt, so Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla:

„Die Zusammenhänge zwischen der Insektengift-Anaphylaxie und der Mastozytose sind noch nicht klar.
Mastozytose ist allerdings eine sehr seltene Erkrankung und es erscheint wenig wahrscheinlich, dass gerade Mastozytose-Patienten besonders häufig von Bienen oder Wespen gestochen werden. Umgekehrt könnte die Induktion einer Mastozytose durch Insektenstiche diskutiert werden, aber dafür gibt es keine Belege.

Unabhängig von der Frage, welche Erkrankung zuerst auftritt, ist es bei einer Insektengift-Anaphylaxie jedoch immer angeraten, zu untersuchen, ob auch eine Mastozytose vorliegt.“

Insektengift-Anaphylaxie? Es kann auch eine Mastozytose vorliegen!

Gibt es Risikofaktoren für schwere Reaktionen nach Insektenstichen?

Schwere allergische Reaktionen nach einem Insektenstich können durch einige Risikofaktoren, wie zum Beispiel andere Erkrankungen, begünstigt werden. Dann kommt es eher zu einer Anaphylaxie. Besonders Asthma bronchiale stellt einen erheblichen Risikofaktor für Patienten mit einer Insektengift-Allergie dar, wie Prof. Dr. med. Wolfgang Pfützner erklärt:

„Asthma bronchiale ist ein Risikofaktor für Insektengiftallergiker, weil bei Asthmatikern generell eine erhöhte Empfindlichkeit an der Lunge besteht. Das bedeutet, sie sind in Bezug auf eine mögliche Atemnot vorbelastet.

Das ist deshalb relevant, weil die Lunge zu den Organen gehört, die bei einer Anaphylaxie betroffen sein könnten. Kommt es dann im Rahmen der Anaphylaxie tatsächlich zu Problemen an der Lunge, können sich diese durch das vorbestehende Asthma für die Patienten gravierender auswirken und schwere Folgen haben.

Dazu muss man wissen, dass ein ausgeprägter Asthmaanfall, beispielsweise ein Status asthmaticus, in manchen Fällen wesentlich schwerer zu behandeln ist, als ein Herz-Kreislauf-Stillstand.“

Insektengiftallergie und Asthma: Besteht ein höheres Anaphylaxierisiko?

Wie sehen die Symptome bei einer Insektengift-Allergie aus?

Bei einer Allergie auf Insektengift, kommt es nach einem Insektenstich zu Symptomen, die über „normale“, lokale Reaktion auf einen Insektenstich hinausgehen, so Dr. Michael Gerstlauer:

„Normal ist eine Reaktion auf einen Insektenstich dann, wenn es im Umkreis von etwa 10 cm um die Einstichstelle zu einer Rötung kommt, wenn eine Schwellung entsteht und wenn die Einstichstelle warm wird und wehtut.

Allergische Reaktionen auf einen Insektenstich sind zum Beispiel:

  • Quaddeln
  • Husten
  • Atemnot
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blutdruckabfall
  • Bewusstlosigkeit“

Allergie auf Insektengift beim Kind: Häufigkeit und Symptome

Wie unterscheiden sich die Symptome einer Insektengift-Allergie von einer normalen Stichreaktion?

Wie die Symptome einer normale Stichreaktion und einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift aussehen, wie man diese unterscheiden kann und wann man einen Allergologen aufsuchen sollte, berichtete Prof. Ludger Klimek.

Allergien auf Bienengift oder Wespengift: Das sollte man wissen!; Prof. Ludger Klimek

Eichenprozessionsspinner – Welche Symptome können auftreten?

Eichenprozessionsspinner sind kleine, haarige Raupen, die Allergie-ähnliche Symptome auslösen können. Wahrscheinlich handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Allergie im klassischen Sinne, sondern vielmehr um eine toxische Reaktion, die den Beschwerden zugrunde liegen. Dr. Maud-Bettina Hilka erklärt:

„Die Symptome bei Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern können zum einen denen eines Heuschnupfens ähneln. Ausgelöst werden die Symptome durch die Haare der Eichenprozessionsspinner, mit denen man nicht nur durch Berühren der Raupen in Kontakt kommen kann, sondern die auch fast unsichtbar in der Luft umherfliegen können. Kommen die feinen Härchen mit der Schleimhaut an Nase und Augen in Berührung und gelangen sie in die Atemwege, kann es dort durch eine Histaminfreisetzung zu allergieähnlichen Symptomen kommen. An der Haut kann es durch die Härchen der Eichenprozessionsspinner zu Rötungen, Schwellungen oder Pusteln kommen.

Zu den Risikogruppen gehören Spaziergänger im Wald, spielende Kinder, aber auch Waldarbeiter und Arbeitskräfte in der Landschaftspflege.“

Eichenprozessionsspinner: Allergisch oder toxisch?

Verdacht auf Insektengift-Allergie – wann ist eine genaue Diagnostik sinnvoll?

Die Indikation für eine Testung, ob Antikörper auf Insektengift vorliegen, ist nur dann gegeben, wenn bereits eine schwere allergische Sofortreaktion, zum Beispiel mit Nesselsucht, Kreislaufproblemen oder Atemnot direkt nach einem Stich aufgetreten ist. Ein hoher Anteil der Bevölkerung - bis zu 40 Prozent der Erwachsenen und bis zu 50 Prozent der Kinder - hat Insektengift-Antikörper ausgebildet, ist also sensibilisiert. Aber nur wenige der Sensibilisierten - ca. 3,5 Prozent - reagieren schwer allergisch. Auch eine besonders starke Sensibilisierung bedeutet nicht, dass ein Allergierisiko besteht. In der Konsequenz heißt das, dass eine unnötige Testung bei rund 47 von 100 Personen unberechtigte Sorgen vor einer Insektenstichallergie auslösen würde. Die dadurch hervorgerufenen Ängste beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten und können teilweise sogar das Stichrisiko erhöhen, wenn ängstliche Patienten die Tiere durch schnelle Abwehrbewegungen reizen. Insofern sollte der Test auf Insektengift nur dann erfolgen, wenn er als Vorbereitung für eine Behandlung notwendig ist.

Insektengiftallergie – nicht jeder braucht Diagnostik!

Insektengift-Allergie - welche Diagnosemittel stehen zur Verfügung?

Gibt die Anamnese Hinweise auf das Vorliegen einer Insektengiftallergie wird mit Hilfe von Prick-Test und IgE-Test versucht, das relevante Allergen zu ermitteln. In speziellen Fällen, in denen herkömmliche Diagnosemethoden keine eindeutigen Aussagen liefern, kann die molekulare Allergiediagnostik zum Einsatz kommen. Diese Diagnosemethode erlaubt die Identifizierung des Allergens auf Proteinebene und erzielt dadurch wesentlich genauere Ergebnisse. Je heftiger die allergische Reaktion auf einen Insektenstich ausgefallen ist, umso wichtiger ist es, die genauen Ursachen abzuklären. Das zeigen auch die Zugriffszahlen bei MeinAllergiePortal, „Das Interesse am Thema Allergie gegen Bienengift oder Wespengift ist groß“ bestätigt Sabine Jossé von MeinAllergiePortal, „während der Saison verzeichnen wir auf unserem Portal jeden Monat durchschnittlich 4.500 Besuche zu diesem Thema.“

Insektengiftallergie: Tödliche Gefahr für Allergiker? 

Allergie auf Insektengift – wie wichtig ist die Anamnese bei der Diagnose?

Es stehen verschiedene Haut- und Bluttests bei der Diagnostik einer Allergie auf Insektengifte zur Verfügung. Allerdings kann keiner dieser Tests eine Allergie zu 100 Prozent ausschließen oder bestätigen. Vielmehr wird die Diagnose anhand der Gesamtheit der Testergebnisse, der Anamnese und der Beschreibung des Stichereignisses gestellt. Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl erklärt:

„Patienten, die mit dem Verdacht auf einen allergischen Schock nach einem Bienenstich oder Wespenstich zu uns kommen, werden zunächst gebeten, einen vierseitigen Fragebogen auszufüllen. Der Patient sollte in aller Ruhe nachvollziehen, wann, in welcher Umgebung und unter welchen Umständen das Stichereignis stattfand, ob körperliche Anstrengung oder Stress eine Rolle spielten und wann es zu welchen Reaktionen kam.

Auch welche Medikamente eingenommen werden, wird in diesem Fragebogen abgefragt, denn auch Medikamente können ein Risikofaktor sein.

Den ausgefüllten Fragebogen gehen wir dann gemeinsam mit dem Patienten detailliert durch und investieren viel Zeit, um die richtige Diagnose zu stellen.“

Insektengiftanaphylaxie: Diagnose bei Allergie gegen Bienen- oder Wespengift

Allergie auf Insektengift – wie erfolgt die Diagnose anhand des IgE-Tests?

Insektenstiche führen normalerweise lediglich zu lokalen Symptomen, wie Schwellungen, Rötungen und Schmerzen an der betroffenen Stelle. Kommt es darüber hinaus zu weiteren Symptomen, sollte eine Allergie auf Insektengift abgeklärt werden. Dr. Michael Gerstlauer erklärt:

„Zur Diagnose einer Allergie auf Insektengift wird das spezifische IgE im Blutserum bestimmt. Dabei ist es sinnvoll den Allergietest erst vier bis sechs Wochen nach der allergischen Reaktion auf den Insektenstich vorzunehmen. Erfolgt die erste Blutabnahme unmittelbar nach der allergischen Reaktion, kann es zu falsch negativen Werten kommen. Erst mit dem genannten zeitlichen Abstand ist die Aussagekraft des Allergietests eindeutig positiv oder negativ.“

Allergie auf Insektengift beim Kind: Diagnose, Maßnahmen, Therapie

Allergie gegen Bienengift oder Wespengift – was ist die molekulare Allergiediagnostik?

Bei Verdacht auf eine Insektengift-Allergie, stehen neben einer gründlichen Anamnese, diverse Haut- und Bluttests für eine genaue Diagnostik zur Verfügung. Ist die Diagnose dann noch immer nicht eindeutig, kann die molekulare Allergiediagnostik helfen, so Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe:

„Die molekulare Allergiediagnostik ist genauer, insbesondere bei speziellen Fällen. Spezielle Fälle sind Reaktionen, bei denen die herkömmlichen Diagnosemethoden, also Hauttests oder Antikörperbestimmungen, der Allergologe sagt auch IgE-Bestimmung gegen das Insektengift, keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Es kann vorkommen, dass die Testergebnisse der herkömmlichen Tests nicht eindeutig positiv sind, obwohl eine schwere allergische Reaktion gegen Bienen- und Wespengift vorgelegen hat. In diesem Fall benötigt man ein empfindlicheres Verfahren und hier wird u.a. die molekulare Allergiediagnostik eingesetzt. Damit wird nicht das gesamte Bienen- oder Wespengift getestet, sondern nur eine Allergen-Komponente, d.h. ein einzelnes Protein. Man erzielt dadurch wesentlich genauere Ergebnisse.

Ein weiterer spezieller Fall liegt vor, wenn sowohl Bienengift als auch Wespengift positiv getestet werden. Dies kann an Kreuzreaktionen, d.h. einer Allergiebereitschaft gegenüber kreuzreaktiven Komponenten liegen, die in beiden Insektengiften vorkommen und erschwert die Diagnostik. In diesen Fällen wird mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik auf Insektengiftbestandteile getestet, die entweder ausschließlich im Bienengift oder ausschließlich im Wespengift vorkommen. Nur so lässt sich ermitteln, ob eine Sensibilisierung gegen das eine oder andere, oder sogar gegen beide Gifte besteht.“

Diagnose und SIT bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Wie sieht die Therapie bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift aus?

Wie bei allen Allergien wird auch bei der Allergie gegen Bienengift oder Wespengift die erste Maßnahme sein, einen Insektenstich zu vermeiden. Dazu gibt es eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen wie zum Beispiel diese:

  • Im Sommer auf Kleiderfarben verzichten, die von den Insekten mit Blütenfarben verwechselt werden könnten.
  • Aus dem gleichen Grund auf Parfüms etc. verzichten.
  • Nicht im freien essen und trinken.
  • Die Nähe von öffentlichen Mülleimern meiden.
  • Insektengitter an Fenstern und Türen anbringen.
  • Fenster und Türen möglichst geschlossen halten.
  • Nicht barfuß laufen, insbesondere nicht auf Blumenwiesen.
  • Insbesondere reifes Obst nicht offen, sondern besser im Kühlschrank aufbewahren.

Allergie-Wiki: Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Allerdings ist es gerade im Sommer nicht immer einfach, diese Maßnahmen durchzuhalten und einen Stich von Biene oder Wespe völlig auszuschließen.

Liegt eine akute Stichverletzung vor und zeigen sich starke Hautschwellungen und -rötungen, helfen kalte Umschläge, sowie eine Creme oder ein Gel auf Glukokortikoid-Basis bzw. ein Antihistaminikum.

Besteht die Gefahr eines Anaphylaktischen Schocks ist es lebenswichtig, immer ein Notfallset mit sich zu führen. Dieses enthält unter anderem einen Adrenalinautoinjektor, der vom Patienten selbst angewendet werden kann. Im Zweifelsfall sollte immer ein Notarzt gerufen werden.

Allergie-Wiki: Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Durch welche Nahrungsmittel werden Wespen angelockt?

Um sich vor lästiger Wespengesellschaft zu schützen, und somit einem Wespenstich und eine drohende allergische Reaktion zu verhindern, sollte man im Freien auf Nahrungsmittel verzichten, die anziehend auf Wespen wirken. Wespen suchen vor allem Nahrungsmittel, die eiweißreich oder kohlenhydrathaltig sind. Gemüse und Salate locken Wespen nur in bestimmten Fällen an, beispielsweise, wenn das Dressing beziehungsweise die Soße mit Zucker zubereitet wurde, so Peter Tauchert:

„Wespen halten ausschließlich nach eiweißhaltiger oder kohlenhydratreicher Nahrung Ausschau. Eine Wespe ist eine Jägerin und jede Wespe geht für sich allein auf die Jagd. Sie orientiert sich dabei überwiegend am Geruch bzw. sie "scannt" ihre Umgebung auf Beute.

Wenn eine Wespe über den Geruch eine Nahrungsquelle gefunden hat, schneidet sie davon ein Stück ab, fliegt damit in das Nest und verteilt die Nahrung. Die Insekten und das Fleisch, d.h. die Eiweißspender, sind für die Larven im Nest bestimmt, das Obstsäfte oder der Pflanzennektar, d.h. die Kohlenhydrate, sind für die Arbeiterinnen selbst bestimmt.

Uninteressant für Wespen sind Gemüse oder Salat, es sei denn das Salatdressing oder die Gemüsesauce wurde mit Zucker zubereitet. Trotzdem scannen die Wespen auch bei Salat und Gemüse grundsätzlich mit ihrem typischen Zickzackflug, ob etwas Essbares für sie dabei ist.

Dieses Verhalten der Wespen unterscheidet sich übrigens deutlich von dem der Honigbienen. Die Bienen sind Sammlerinnen und informieren sich gegenseitig durch bestimmte Bienentänze über den Standort von Futterquellen.“

Wespen: Was tun bei Wespennestern? Wespen erfolgreich abwehren!

Wespennest im Garten – was kann man tun?

In Deutschland gibt es insgesamt 12 verschiedene Wespenarten, die sich auch in dem bevorzugten Standort ihrer Nester unterscheiden. Es gibt die „Dunkelhöhlenbewohner“, die ihre Nester bevorzugt an dunklen, versteckten Standorten gründen. Es gibt die hängenden Wespennester, die oft unter Dachvorsprüngen oder in Gartenhütten zu finden sind, oder auch graue Nestkugeln, die in Hecken und Sträuchern gebaut wurden.

Wenn ein Wespennest bereits besteht, kann man es nicht so einfach vernichten, da Wespennester unter dem Bundesnaturschutzgesetz stehen. Es gibt aber einige simple Tricks, mit denen man den Wespennestbau vorbeugen kann, wie Wespenexperte Peter Tauchert informiert:

„Ja, man kann z. B. Öffnungen an Außenwandverkleidungen, Hinterlüftungsschlitze oder Astlöcher verschließen. Für Lüftungsschlitze gibt es z.B. spezielle Klammern zum Verschließen. Astlöcher kann man mit Zement verschließen und Hohlräume an Gebäuden kann man verfüllen.

Zu- und Abluftöffnungen, sowie Schächte an Gebäuden, kann man mit Fliegengitter verschließen; Nischen von Fenstern lassen sich abdichten; Hohlräume im Steingarten und Mäuse- oder Maulwurfslöcher im Rasen, sollte man mit Erdreich zuschütten. Die Einfahröffnung an Rollladenkästen lassen sich durch das Anbringen einer Profilgummi-, Bürsten- oder Aluminiumleiste abdichten.“

Wespennest? Wann kann es bleiben, wann sollte man Nester umsiedeln?

Was sollte man nach einem Insektenstich tun?

Wenn man von einem Insekt, beispielsweise einer Biene oder Wespe gestochen wurde, kommt es zu normalen, lokalen Stichreaktionen im Bereich des Insektenstichs. Meist kann man den Symptomen mit feuchten Umschlägen gut entgegenwirken, in einigen Fällen, insbesondere wenn man eine allergische Reaktion vermutet, sollte aber ein Arzt zurate gezogen werden, so Privatdozentin Dr. med. Kristine Breuer:

„Falls Reaktionen auftreten, die über eine Schwellung an der Einstichstelle hinausgehen (Quaddeln, Atemnot, Übelkeit, Kreislaufstörungen), sollte sofort der Notarzt verständigt werden, wie gesagt unter der Nummer 112.

Anschließend sollte die Vorstellung bei einem Allergologen erfolgen. Dort werden Allergietestungen, d.h. ein Haut- und Bluttest, durchgeführt. Bei Vorliegen einer Insektengiftallergie werden Notfallmedikamente wie Antihistaminika, Kortison und Adrenalin verordnet. Darüber hinaus wird geprüft, ob eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, angezeigt ist.“

Bienenstich – Wespenstich – was tun? Wann ist die Reaktion allergisch?

Hilft die Spezifische Immuntherapie (SIT) bei Allergien auf Insektengift?

Reagiert ein Mensch mit schweren allergischen Reaktionen auf Insektenstiche, ist die Spezifische Immuntherapie, auch bekannt als Hyposensibilisierung, eine geeignete Behandlungsmethode. Die Hyposensibilisierung dauert zwar über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren an, wirkt danach aber sehr langfristig, wie Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe erklärt:

„Die Behandlung erfolgt meist zunächst stationär. Innerhalb von drei bis fünf Tagen wird dem Patienten das auslösende Allergen in zunehmender Dosis subkutan, also unter der Haut, zugeführt. Ausgehend von sehr kleinen Mengen steigert sich die Dosierung auf eine Menge, die mindestens zwei Stichen entspricht. Danach ist der Schutz bereits 100prozentig gegeben, d.h. die Gefahr, durch einen Insektenstich einen anaphylaktischen Schock zu erleiden, besteht nicht mehr.

Danach wird die Höchstdosis weiter ambulant in wöchentlichen Abständen, später in monatlichen Abständen für mindestens drei bis fünf Jahre verabreicht.“

Diagnose und SIT bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Spezifische Immuntherapie (SIT) bei Insektengift-Allergie – warum wirkt sie nicht immer?

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) ist eine gute Therapieoption, um Insektengift-Allergiker vor schweren allergischen Reaktionen zu schützen. Warum die Behandlung dennoch unwirksam sein kann, erläutert Prof. Tilo Jakob.

SIT bei Insektengiftallergie: Warum wirkt sie nicht?; Prof. Tilo Jakob

Spezifische Immuntherapie (SIT) bei Bienengift-Allergie – wie ist die Qualität der Allergenextrakte?

Die Hyposensibilisierung, auch als Spezifische Immuntherapie (SIT) bekannt, ist eine gute Behandlungsoption für Insektengift-Allergiker. Allerdings bestehen zwischen den verschiedenen Bienengift-Allergenextrakten qualitative Unterschiede, da nicht alle ausreichende Mengen der relevanten Majorallergene enthalten. PD Dr. Simon Blank dazu:

„Für die meisten Produkte waren unsere Ergebnisse für verschiedene Chargen sehr gut reproduzierbar. Dabei konnten wir in 2 Produkten alle 5 Allergene in verschiedenen Chargen gut nachweisen. Bei einem weiteren Produkt waren im Vergleich dazu 3 der 5 Allergene reproduzierbar unterrepräsentiert. Nur beim vierten Produkt konnten wir 2 der 5 Allergene in 2 Chargen sehr gut detektieren und in einer weiteren vorherigen Charge waren beide stark unterrepräsentiert, wobei sich bei den anderen Allergenen keine Unterschiede zeigten.

Man muss dazu auch sagen, dass wenn ein Produkt erst einmal zugelassen ist, die Hersteller keinen großen Spielraum mehr haben, den Herstellungsprozess zu modifizieren, da dies auf eine Neuzulassung hinauslaufen würde. Aber natürlich ist die Grundlage für jede verfügbare Immuntherapie das reine Bienengift, dass wie jeder Naturstoff eventuell auch eine natürliche Variabilität zeigen könnte.“

Bienengiftallergie: Qualität der Allergenextrakte variiert!