Anaphylaxie

 

 

Anaphylaxie – was bedeutet das?

Eine Anaphylaxie ist eine systemische allergische Reaktion, die plötzlich an mindestens zwei Organsystemen, wie den Atemwegen, dem Magen-Darm-Trakt, der Haut oder dem Herz-Kreislauf-System, auftritt.

Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische allergische Reaktion. Es handelt sich in der Regel um eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1 (Soforttyp).

Allergischer Notfall: Kennen Sie das Anaphylaxierisiko Ihrer Patienten?

Die genaue Zahl der von Anaphylaxien betroffenen ist unbekannt. Schätzungen zufolge muss in Deutschland mit 1 bis 3 Ereignissen/100.000 Einwohner pro Jahr gerechnet werden. Dabei ist von 1 bis 3 Todesfällen/1 Millionen Einwohner auszugehen.

Der Praxis-Check für Ärzte: Fit für den Anaphylaxie-Notfall?

Anaphylaxie – ist sie gefährlich?

Die Anaphylaxie ist die lebensbedrohlichste Form einer allergischen Reaktion. Warum das so ist, erklärt Prof. Ludger Klimek in dem Video „Anaphylaxie: Was macht den allergischen Schock so gefährlich?“

Anaphylaxie: Was macht den allergischen Schock so gefährlich?; Prof. Ludger Klimek

Anaphylaxie – wann besteht ein erhöhtes Risiko?

Eine Anaphylaxie, also eine schwere, systemische allergische Reaktion, tritt bei einigen Risikopatienten häufiger auf, als in der Gesamtbevölkerung. Dazu gehören Menschen mit Nahrungsmittelallergien, Asthmapatienten, und Menschen mit Schmerzmittelunverträglichkeiten. Menschen mit Allergien auf Insektengifte, zählen ebenfalls zur Risikogruppe für Anaphylaxien, wie Prof. Dr. Margitta Worm informiert:

„Aus dem Anaphylaxieregister wissen wir, dass auch bei Insektengiftallergikern ein höheres Risiko für schwere allergische Reaktionen besteht. Das liegt vielleicht auch daran, dass bei Insektengiftallergikern der Insektenstich ein plötzliches Ereignis ist, bei dem das Insektengift über das Blutsystem in den Körper gelangt und die allergische Reaktion unvermutet auftritt.

Im Gegensatz dazu haben Nahrungsmittelallergiker häufiger wiederholte Reaktionen. Dadurch wissen sie, dass sie „ihr Allergen“ meiden müssen und auch ihre Notfallmedikamente immer bei sich tragen sollten. Das bedeutet, Nahrungsmittelallergiker können das Risiko besser eingrenzen.

Zudem ist es eher selten, dass es bei einer Nahrungsmittelallergie direkt beim ersten Mal bereits zu einer sehr schweren Reaktion kommt. Meist zeigen Nahrungsmittelallergiker zu Anfang leichtere allergische Reaktionen (Hautrötungen), die dann im Verlauf zunehmen.“

Anaphylaxie: Wer gehört zu den Risikopatienten?

Kann eine Ernährungsumstellung zu allergischen Reaktionen führen?

Nicht nur die bekannten Allergene, die zu einer Anaphylaxie führen können, sollten beachtet werden. Auch neuartige Nahrungsmittel, die oft als „Powerfood“ gelten, können zu allergischen Reaktionen führen, wie Kirsten Jung in Ihrem Video „Anaphylaxie: Neue Allergene!“ informiert.

Anaphylaxie: Neue Allergene!; Kirsten Jung

Gibt es Jahreszeiten, in denen es besonders häufig zu einem anaphylaktischen Schock kommt?

Die häufigste Ursache einer anaphylaktischen Reaktion bei Allergikern sind Bienen -und Wespenstiche. Daher sind Menschen die allergisch auf Insektenstiche reagieren besonders im Spätsommer gefährdet, wenn viele Insekten unterwegs sind.

Was ist die Ursache der Anaphylaxie?

Was sich bei einer Anaphylaxie im Körper abspielt erklärt Prof. Klimek so:

“Ein Anaphylaktischer Schock ist die Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems. Meist liegt eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1 vor, d.h. eine Soforttyp–Allergie. Dabei reagiert das Immunsystem unmittelbar auf den Kontakt mit dem Allergen. Im Körper werden verschiedene Mediatoren, also Botenstoffe, freigesetzt, u.a. auch Histamin. Über den Stellenwert der einzelnen Mediatoren der anaphylaktischen Reaktion herrscht allerdings noch Unklarheit.

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Wie sehen die Symptome bei einer anaphylaktischen Reaktion aus?

Die Symptome eines Anaphylaktischen Schocks können sehr vielfältig sein. Das reicht von einer Urtikaria, d.h. Nesselsucht über Atemwegsbeschwerden, Herz-Kreislauf Beschwerden oder Magen-Darm-Beschwerden, bis hin zu schwerer Atemwegsobstruktion, Schock und mit Herz-Kreislaufversagen. Die häufigsten Todesursachen bei Anaphylaxie sind vor allem Erstickungsanfälle oder Herzversagen.”

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Auch müssen die Symptome nicht nur dort auftreten, wo es zum Kontakt mit dem Allergen gekommen ist, so Dr. med. Timo Buhl:

„Eine systemische Reaktion kann sich auf viele Arten zeigen, z.B. durch:

  • Nesselfieber, d.h. eine Urtikaria am ganzen Körper
  • Schwellungen an anderen Körperarealen
  • Luftnot
  • Juckreiz
  • unfreiwilligen Harnabgang oder Kotabgang
  • Herzklopfen
  • Kreislaufabfall
  • Bewusstlosigkeit
  • bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand

Ein Merkmal von anaphylaktischen Reaktionen ist ihre Objektivierbarkeit, d.h. man kann sie deutlich sehen. Ein Beispiel hierfür wäre z.B. ein Ausschlag, oder Veränderungen, die andere Anwesende am Patienten bemerken.

Ein sehr charakteristisches Zeichen für eine Anaphylaxie ist ein typischer Juckreiz an den Handinnenflächen, den Fußsohlen und im Genitalbereich. Die Ursache dafür kennt man nicht, aber häufig ist dies der Vorbote einer schweren Anaphylaxie.“

Bienengiftallergie? Wespengiftallergie? Wann droht ein allergischer Schock?

Wie sehen die Symptome bei einer Anaphylaxie bei Nahrungsmittelallergie aus?

Symptome bei einer Allergie auf Nahrungsmittel, treten meist als allergische Frühreaktion auf. Das bedeutet, dass es innerhalb von zwei Stunden nach Allergenkontakt zu Symptomen kommt. Die Symptome können sich an Haut, Magen-Darm-Trakt und den Atemwegen zeigen. Sind auch noch das Herz-Kreislaufsystem sowie das Nervensystem betroffen, spricht man von einer anaphylaktischen Reaktion, wie Dr. Katja Nemat erklärt:

„Eine Anaphylaxie ist ein sogenanntes Multiorgangeschehen, das bedeutet es kann zu Symptomen an der Haut, wie Urtikaria, oder auch nur zu Rötungen und Juckreiz kommen. 70 bis 80 Prozent der Kinder haben im Rahmen einer IgE-vermittelten allergischen Frühreaktion Symptome an der Haut.

Häufig kann es bei Kindern bei allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel zu Reaktionen an den Atemwegen, das heißt zu einer Asthmasymptomatik kommen. Das ist auch bei Kindern möglich, die kein Asthma haben. Aber auch Symptome wie ein Larynxödem, eine Schwellung am Kehlkopf, Husten und Heiserkeit können im Rahmen eines anaphylaktischen Schocks auftreten.

Oft kommt es zu Symptomen am Magen-Darm-Trakt, wie Übelkeit oder Bauchschmerzen, bei einer schweren Reaktion können die Schmerzen kolikartig auftreten. Als Erstsymptom ist bei Kindern Erbrechen sehr häufig. Mit einer gewissen Verzögerung kann das Kind auch Durchfall bekommen.“

NMA: Typische und weniger bekannte Anaphylaxiesymptome

Wie schnell kommt es nach Kontakt zum Allergen zu einer anaphylaktischen Reaktion?

Kontakt zu allergieauslösenden Stoffen, wie Insektenstiche, Medikamente oder Nahrungsmittel, kann bei Allergikern innerhalb kurzer Zeit zu schweren anaphylaktischen Reaktionen führen, wie Prof. Dr. Margitta Worm aus dem Anaphylaxie-Register berichtet:

„Bei 48 Prozent der Registerfälle entwickeln sich die Symptome innerhalb von 10 Minuten nach Allergenkontakt. Dies macht deutlich wie klein das zur Verfügung stehende Zeitfenster ist, um eine Reaktion zu behandeln. Insbesondere bei Insektengift- und Nahrungsmittelallergikern sind die Zeiten bis zum Auftreten der Reaktion sehr kurz.

Schwere allergische Reaktionen, die zwei Stunden nach Allergenkontakt auftreten, sind seltener – dies tritt häufiger bei Allergien auf Medikamente auf. Dennoch können bei jeder Allergie schwere Reaktionen auch verzögert auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass z. B. Provokationstestungen mit Medikamenten stationär erfolgen, wo Patienten nach einer Exposition bis zu 24 Stunden beobachtet werden.“

Anaphylaxie Register: Wie werden Anaphylaxie Patienten versorgt?

Wann kann es zu schweren allergischen Reaktionen kommen?

Zum Schweregrad von Anaphylaxien sagt Dr. med. Thomas Buck:

„Wie schwer eine allergische Reaktion ist und wie schnell sie auftritt bzw. fortschreitet, hängt davon ab, wie stark ein Allergiker auf ein bestimmtes Allergen reagiert. Schon kleinste Mengen Erdnussmehl in Kuchen und Keksen können für Erdnussallergiker schwerwiegende Folgen haben. ‚Bei einer Milch-, Hühnereiweiß- oder Weizen-Allergie im Kleinkindalter ist immer besondere Vorsicht geboten. Eine grundsätzliche Anaphylaxiegefahr besteht auch für Insektengift-Allergiker, die nicht hyposensibilisiert sind‘, betont Dr. med. Thomas Buck, Allergologe und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Hannover. ‚Das größte Risiko für eine lebensbedrohliche Reaktion haben Jugendliche und junge erwachsene Nahrungsmittelallergiker, die zudem unter Asthma leiden, erblich vorbelastet sind oder schon einmal eine allergische Reaktion erlebt haben.“

Allergischer Schock – Gefahr besteht auch im Herbst und Winter

Symptome bei Anaphylaxie: Werden sie oft unterschätzt?

Da die Symptome einer Anaphylaxie sehr variabel sind, kann ihre Gefährlichkeit leicht unterschätzt werden, so Prof. Ludger Klimek:

„Ein Grund, warum die Anaphylaxie unterschätzt wird, ist, dass die Symptome sehr vielfältig und zum Teil auch unspezifisch sein können. Ähnliche Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten und werden deshalb nicht immer mit einer Anaphylaxie in Verbindung gebracht. Selbst für Ärzte ist es nicht immer so leicht, Anaphylaxie-Symptome entsprechend zuzuordnen.

Oft unterschätzen aber auch die Patienten selbst die Anaphylaxie, obwohl die Diagnose gestellt ist, weil sie z.B. stets nur leichte Symptome hatten und davon ausgehen, dass dies so bleibt. Oft sind die betroffenen Patienten lange Zeit symptomfrei.“

Anaphylaxie: Was macht den anaphylaktischen Schock so gefährlich?

Wie erfolgt die Diagnose bei einer Anaphylaxie?

Eine mittelschwere bis schwere anaphylaktische Reaktion ist ein Notfall, der unmittelbares ärztliches Handeln erfordert. Das Beschwerdebild kann sich ansonsten rasant verschlimmern mit der möglichen Folge eines Kreislaufstillstandes und gar mit Todesfolge. Die Diagnose ergibt sich, sofern die Person ansprechbar ist, aus der Befragung (Anamnese) und aus der Symptomatik (siehe unter „Symptome“).

Mittelbar gilt es, auslösende Allergene einwandfrei zu identifizieren, um in Zukunft einen Allergenkontakt nach Möglichkeit zu vermeiden und damit eine weitere anaphylaktische Reaktion zu verhindern. Die Diagnostik umfasst Blutuntersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen die im Verdacht stehenden Allergene (spezifisches IgE), verschiedene Hauttestungen (z.B. Pricktest, Intrakutantest) und Provokationstestungen (nasal, bronchial oder oral). Provokationstests (z.B. der orale Provokationstest zum sicheren Nachweis einer Allergie gegen ein verdächtigtes Medikament) müssen von entsprechend geschultem Fachpersonal unter Aufsicht und mit der Möglichkeit einer sofortigen notärztlichen Behandlung erfolgen, ggf. auch unter stationären Bedingungen.

Allergie-Wiki: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

Warum ist die Diagnose des auslösenden Allergens bei Anaphylaxie so wichtig?

Warum die Gewissheit über das allergieauslösende Allergen sehr wichtig ist, erklärt Alisa Arens:

„Eine wichtige Maßnahme bei der Anaphylaxie besteht in der korrekten Identifizierung des auslösenden Allergens, denn nur so ist eine konsequente Kontaktvermeidung möglich. So berichtet Alisa Arens, Tagesklinik im Kinder und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT, Hannover von der an Detektivarbeit grenzenden Spurensuche, auf die man sich begeben muss, wenn ein Kind mit schweren anaphylaktischen Schocksymptomen eingeliefert wird. Ein sehr hilfreicher Parameter, z.B. bei Verdacht auf Erdnussallergie, kann die erst seit wenigen Jahren verfügbare Komponentendiagnostik sein. Die standardisierte orale Nahrungsmittelprovokation ist jedoch nach wie vor der goldene Standard in der Diagnostik der Nahrungsmittelallergie. Allerdings stellt eine sichere anaphylaktische Reaktion auf ein definiertes Nahrungsmittel, erst kürzlich stattgefunden hat, eine Kontraindikation für die orale Nahrungsmittelprovokation dar. Aber: Der Nachweis einer Sensibilisierung bedeutet noch nicht, dass sich auch Allergiesymptome zeigen und ein niedriger positiver Wert ist keine Garantie dafür, dass ein Anaphylaktischer Schock ausgeschlossen ist.“

Anaphylaxie – die unterschätzte Gefahr

Welche Rolle spielt der Tryptasewert bei der Diagnose von Allergien?

Die bei allergischen Reaktionen beteiligten Mastzellen, stoßen bei allergischen Reaktionen den Stoff Tryptase aus. So kann ein erhöhter Tryptasewert auf eine allergische Reaktion deuten. Doch ganz so einfach ist es nicht, da es sechs verschiedene Formen der Tryptase gibt, wobei die ß-Tryptase nur bei akuten Mastzellenfreisetzungen steigt, wie Prof. Dr. Franziska Ruëff erklärt:

„Man hat sechs verschiedene Formen der Tryptase ermittelt. Die α-Tryptase, eine der sechs Tryptaseformen, wird z.B. kontinuierlich sezerniert, d.h. freigesetzt. Das bedeutet, dass eine erhöhte Anzahl von Mastzellen, oder eine erhöhte Aktivität der Mastzellen, mit einem individuell dauerhaft erhöhten Tryptasewert korrelieren kann. Die ß-Tryptase steigt nur durch eine akute Mastzellenfreisetzung an, z.B. im Rahmen eines Allergieschocks.
Alle Tryptaseunterformen werden mit dem gleichen Test gemessen, der nicht zwischen den verschiedenen Tryptase-Unterformen unterscheidet – gemessen wird immer die Gesamttryptase. Zur korrekten Interpretation eines erhöhten Tryptasewertes ist es deshalb wichtig, zu berücksichtigen, in welcher Situation der Wert gemessen wurde und zu welchem Zeitpunkt die Messungen erfolgten.“

Wie wirkt sich das Tryptsaewert im Blut auf das Anaphylaxierisiko aus?

Wie werden Anaphylaxien behandelt?

Bei einer anaphylaktischen Reaktion besteht die Therapie in der Behandlung der aufgetretenen Symptome entsprechend ihres Schweregrades.

Reaktionen niedrigen Schweregrades (Stadium I, z.B. lokale Hautreaktion, Juckreiz) können meist mit einem oralen oder lokal auf die Haut aufgetragenen Antihistaminikum erfolgreich behandelt werden. Bei leichtgradigen asthmatischen Beschwerden können zusätzlich Inhalationssprays (Beta-Sympathomimetika, Glukokortikoide) verabreicht werden. Stärkere allergische Reaktionen erfordern in der Regel die systemische (intravenöse) Gabe von antiallergisch wirksamen Medikamenten, wie z.B. Antihistaminika und Glukokortikoide („Kortison“). Zur Erweiterung der Atemwege können Theophyllin und Beta-Sympathomimetika verabreicht, zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung kann Sauerstoff inhaliert werden. Zur Kreislaufstabilisierung steht Adrenalin zur intravenösen oder intramuskulären Gabe zur Verfügung.

Schwerpunkt der Behandlung ist die Offenhaltung der Atemwege und die Stabilisierung des Kreislaufs. Im schwersten Fall eines anaphylaktischen Schocks mit Herzstillstand muss ggf. eine Reanimation erfolgen.

Allergie-Wiki: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

Wie sollte man sich verhalten, wenn eine Anaphylaxie akut auftritt?

Wenn man Symptome einer anaphylaktischen Reaktion erkennt, sollte man schnell handeln und Hilfe rufen, so Prof. Dr. Knut Brockow:

„Die allererste Maßnahme bei einer Anaphylaxie ist es, den Notarzt zu rufen, unter 112! Dabei sollte man die notwendigen Informationen entweder direkt angeben:

  1. Wer ruft an?
  2. Codewort „Anaphylaxie“ nennen
  3. Adresse nennen
  4. Was ist passiert?
  5. Wer ist betroffen?
  6. Eventuelle Fragen der Leitstelle beantworten

Oder sich direkt von der Leitstelle abfragen lassen: z.B. „Hier ist … , eine erwachsenen Frau hier hat eine Anaphylaxie und braucht einen Notarzt, bitte fragen Sie mich ab.“

Anaphylaxie: Wie erkennt man sie? Was ist zu tun?

Adrenalin-Autoinjektor: Hilfe beim anaphylaktischen Schock?

Der Adrenalin-Autoinjektor ist ein Medikament zur Soforthilfe für Menschen, die eine anaphylaktische Reaktion erleiden. Es handelt sich um eine Art „Fertigspritze“. Diese kann sowohl vom Patienten selbst, als auch von beistehenden Personen verabreicht werden, so Prof. Dr. Ludger Klimek:

„Der Vorgang an sich ist sehr einfach zu handhaben und wird in den Gebrauchsanweisungen der verschiedenen Produkte detailliert beschrieben. Man entfernt die Schutzkappe des Adrenalin Autoinjektors, so dass die Injektionsnadel frei wird, stößt die Nadel in den Oberschenkelmuskel, betätigt den Auslösemechanismus und zählt bis 10, damit der Wirkstoff definitiv im Muskel ankommt. Notfalls ist dies auch durch die Hose hindurch möglich, damit man keine Zeit verliert. Danach zieht man den Adrenalin Autoinjektor wieder aus dem Muskel heraus.

Damit Patienten auch in der Aufregung eines akuten Anaphylaxie-Anfalls richtig mit der Situation umgehen lernen, gibt es Anaphylaxie Schulungen. Dabei lernt und übt der Patient, wie er mit dem Adrenalin Autoinjektor umzugehen hat, nicht weil das so schwierig ist, sondern damit der Prozess im Notfall routiniert durchgeführt werden kann."

Adrenalin-Autoinjektor? Wer darf ihn verabreichen, wer nicht?

Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Unterschiedliche Hersteller = unterschiedliche Handhabung

Auf den ersten Blick erscheinen unterschiedliche Adrenalin-Autoinjektoren unterschiedlicher Hersteller mehr oder weniger „gleich“ zu sein. Dies betrifft sowohl den Wirkstoff, als auch die Dosierung und Packungsgrößen. Erhebliche Unterschiede gibt es jedoch bein der Handhabung, Es ist deshalb nicht ratsam, zwischen den Modellen hin und her zu wechseln, wie CGC Cramer-Gesundheits-Consulting feststellt:

„AAI ist nicht gleich AAI Die meisten in Deutschland erhältlichen AAI unterscheiden sich weder in ihrem Wirkstoff (Epinephrin (Adrenalin)), in ihrer Dosierung (0,3 mg für Erwachsene und Jugendliche ab 30 kg Körpergewicht; 0,15 mg für Kinder ab 15 kg Körpergewicht) noch in ihrer Darreichungsform als Injektor und in der Packungsgröße. Zudem sind alle AAI zur Notfallbehandlung einer akuten allergischen Reaktion zugelassen. Damit sind auf den ersten Blick die Voraussetzungen zum Austausch auf der gesetzlichen Grundlage gegeben. „Die Crux ist jedoch, dass sich die AAI hinsichtlich ihrer Funktionsweise und der Nadellänge unterscheiden“, erläutert Anaphylaxie-Experte Dr. Lars Lange, Bonn. Dadurch ist eine produktspezifische Schulung bei der Verordnung erforderlich. „Man stelle sich nun vor, der Patient erhält anstelle seines vertrauten Injektors ein anderes Modell und aufgrund falscher Anwendung gelingt es ihm nicht, seine lebensgefährliche Situation in den Griff zu bekommen“, so Lange. „Gerade in der Notfallsituation ist die exakte Handhabung der AAI besonders entscheidend. AAI sind daher für die Aut idem-Regelung grundsätzlich nicht geeignet“, sind sich alle Mitglieder des Expertenforums einig.“

Anaphylaxie: Bringt AUT idem-Regelung Patienten in Lebensgefahr?

Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Was ist eine Aut idem-Regelung und was bedeutet das für Patienten mit anaphylaktischem Schock?

2015 hatte MeinAllergiePortal eine Initiative des Allergie-Zentrums Wiesbaden und des Ärzteverbands Deutscher Allergologen e.V. (AeDA) unterstützt. Gefordert wurde, Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) auf die Substitutionsausschlussliste zu setzen, damit die Patienten für ihre Verordnung immer genau den AAI bekommen, der von ihrem jeweiligen Arzt auch verordnet wurde:

„Die bestehende Aut idem-Regelung für Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) verpflichten den Apotheker, gesetzlich versicherten Anaphylaxie-Patienten den im Rabattvertrag ihrer jeweiligen Kasse festgelegten Injektor anstelle den vom Arzt verordneten auszuhändigen. Viele Mediziner sehen bei der bestehen Aut idem-Regelung für Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) die Gefahr, dass sich ein Anaphylaxie Patient bei jeder neuen Verordnung erneut auf die spezielle Handhabung des lebensrettenden Gerätes einstellen muss.“

MeinAllergiePortal legt Unterstützerliste G-BA vor!

Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Warum ist die Aut idem-Regelung für Allergiker so gefährlich?

Durch die Aut idem-Regelung, sind Apotheker verpflichtet, einen vom Arzt verschriebenen Adrenalin-Autoinjektoren durch einen anderen austauschen, wenn dies die Rabattverträge der jeweiligen GKV vorsehen. Dies führte zu großer Ablehnung unter Ärzten und Allergologen, und auch das Nuss/Anaphylaxie-Netzwerk (NAN) veröffentlichte eine Stellungnahme:

„Aus Patientensicht ist es unverantwortlich und unter Umständen lebensgefährlich, AAI in der Aut idem-Regelung zu belassen. Obwohl der Inhaltsstoff in allen Modellen der gleiche ist, unterscheiden sich die in Deutschland erhältlichen AAI-Modelle in der Handhabung, daher werden Anaphylaxie-Patienten vom Arzt und in Anaphylaxieschulungen aufwändig und intensiv auf das einmal verordnete Modell geschult.

Ein besonderes Problem entsteht für den hohen Anteil an anaphylaxiegefährdeten Kindern, die den AAI noch nicht selbst anwenden können. Nicht nur die Eltern und andere Angehörige müssen den AAI im Notfall sicher anwenden können, sondern auch ErzieherInnen in der Kita, Lehrkräfte in der Schule sowie weitere Betreuungspersonen, die im Alltag für das Kind die Verantwortung übernehmen. NAN-Vorsitzende Kristina Schmidt erklärt: „Je nach Alter und individueller Betreuungssituation des Kindes werden ca. 15 bis 45 Personen in der Familie, in Kitas und Schulen, in Sportvereinen, bei Freunden etc. meist durch die Eltern als Multiplikatoren mit Hilfe von Trainer-AAI ohne Nadel und Medikament in der AAI-Anwendung geschult.“

Stellungnahme des Nuss/Anaphylaxie-Netzwerk (NAN) e.V. zu bestehenden Rabattverträgen für Adrenalin-Autoinjektoren

Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Was passiert wenn ein AAI bei einem anaphylaktischen Schock falsch angewendet wird?

Adrenalin-Autoinjektoren können Anaphylaxie-Patienten bei einer anaphylaktischen Reaktion lebensrettend sein. Dafür muss der AAI jedoch korrekt und schnell angewendet werden, was die Patienten in speziellen Trainingsprogrammen erlernen. Nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Familien, Freunde, Lehrer oder Erzieher werden geschult, um im Notfall schnell eingreifen zu können. Warum eine falsche Anwendung lebensgefährlich sein kann, erklärt Prof. Dr. med. Ludger Klimek:

„Die falsche Anwendung eines Adrenalin Autoinjektors könnte dazu führen, dass das lebensrettende Epinephrin nicht im Muskel des Patienten landet, sondern z.B. im Finger desjenigen, der den AAI falsch verwendet. Dann stünde kein Medikament mehr zur Verfügung und für den Patienten bestünde akute Lebensgefahr! Ebenso könnte es sein, dass durch falsche Anwendung zu wenig Epinephrin verabreicht wird. Auch dies könnte für den Patienten lebensbedrohlich sein.“

Aut idem bei Adrenalin Autoinjektoren – Patienten sind in Gefahr!

Aus Patientensicht kommentiert dies Svenja Steinfort berichtet:

„Die Autoinjektoren funktionieren eben nicht gleich, jeder hat eine andere Handhabung. Mein Sohn ist fast 4 Jahre alt und geht in den Kindergarten, dort müsste ich alle Notfallpläne inklusive der in beiden Sets ändern.
Außerdem müsste ich zu dem neuen Pen neue Trainerpens und Videos beschaffen. Wenn ich das Kindergartenpersonal und alle von mir geschulten Personen zusammen rechne, müsste ich bestimmt 40 Personen neu schulen, um die Sicherheit meines Sohnes im Notfall zu gewähren.
Das Kindergartenpersonal ist sogar von unserem Kinderarzt geschult, somit hätte auch der Arzt mit zusätzlichen Terminen durch einen Wechsel des Autoinjektors zu rechnen.“

Aut idem beim Adrenalin Autoinjektor – was sagen die Patienten?

Was kann man tun, damit es gar nicht erst zu einer Anaphylaxie kommt?

Je nachdem um welches Allergen es sich handelt, können die Patienten selbst Maßnahmen ergreifen, die das Risiko eines Allergenkontaktes minimieren.

Maßnahmen bei einer Insektengiftallergie

Für Insektengiftallergiker empfiehlt Prof. Klimek die folgende Vorgehensweise:

„Menschen, die auf Insektengifte allergisch reagieren, sollten auf bunte und insbesondere gelbe Kleidung verzichten, denn diese Farben gleichen den Blumenfarben und ziehen Insekten möglicherweise an. Ähnlich ist es bei Gerüchen, denn bestimmte Parfüms, After Shaves oder Deodorants üben auf Bienen und Wespen einen starken olfaktorischen Reiz aus.

Auch zu Abfallbehältern, dort halten sich Wespen häufig auf, sollten Insektengift-Allergiker Abstand halten. Sie sollten auch auf das Barfußgehen auf Wiesen – bei Bienen insbesondere Kleewiesen - verzichten.

Ein weiteres Risiko geht von offen zugänglichen Gläsern, Flaschen und Getränkedosen aus. Diese sollten stets abgedeckt sein, damit Insekten nicht hineinfallen und dann zustechen können. Generell sollte man bei Anaphylaxie-Gefahr während der warmen Jahreszeit im Freien keine süßen Getränke und Speisen verzehren.

Insekten im Haus lassen sich durch Insektengitter an Türen und Fenstern vermeiden. Aus dem gleichen Grund sollte man die Schlafzimmertür im Sommer geschlossen halten.“

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Bei einer Allergie auf Insektengift kommt außerdem eine Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie in Frage. Prof. Jörg Kleine-Tebbe sagt hierzu:

„Ausschlaggebend für den Beginn der Spezifischen Immuntherapie (SIT) ist die Schwere der allergischen Reaktion. Z.B. würde man im Sommer sofort mit einer SIT beginnen, wenn ein Patient eine sehr schwere allergische Reaktion auf einen Bienen- oder Wespenstich gezeigt hat. Im Sommer ist die Gefahr, gestochen zu werden, besonders groß und da sollte man keine Zeit verlieren.

Die Behandlung erfolgt meist zunächst stationär. Innerhalb von drei bis fünf Tagen wird dem Patienten das auslösende Allergen in zunehmender Dosis subkutan, also unter der Haut, zugeführt. Ausgehend von sehr kleinen Mengen steigert sich die Dosierung auf eine Menge, die mindestens zwei Stichen entspricht. Danach ist der Schutz bereits 100prozentig gegeben, d.h. die Gefahr, durch einen Insektenstich einen anaphylaktischen Schock zu erleiden, besteht nicht mehr.

Danach wird die Höchstdosis weiter ambulant in wöchentlichen Abständen, später in monatlichen Abständen für mindestens drei bis fünf Jahre verabreicht.“

Diagnose und SIT bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Maßnahmen bei einer Allergie auf Arzneimittel

Für Patienten mit einer Arzneimittelunverträglichkeit empfiehlt Prof, Klimek das folgende:

„Besteht eine „Arzneimittelunverträglichkeit“, kann es bei dem Betroffenen sowohl zu allergischen als auch zu nicht allergischen Reaktionen auf diverse Medikamente kommen. Unterscheiden muss man hier die vorhersehbaren von den unvorhersehbaren Reaktionen. Erstere können abhängig von der Dosierung bei ansonsten gesunden Menschen auftreten. Letztere können bei sensibilisierten Menschen auftreten. Bei einer Medikamentenallergie handelt es sich um eine unvorhersehbare Reaktion. Diese wird durch die überschießende Abwehrreaktion des sensibilisierten Immunsystems auf das Medikament selbst bzw. auf Metaboliten des Medikamentes, d.h. auf evtl. entstehende Abbauprodukte des Medikamentes im menschlichen Stoffwechsel, ausgelöst.

Eine „Arzneimittelunverträglichkeit“ sollte sorgfältig abgeklärt werden, um den spezifischen Auslöser zu identifizieren. Ansonsten besteht bei einer erneuten Exposition, also einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, die Gefahr, dass es zu schweren allergischen Reaktionen kommt. Auf jeden Fall sollten Arzneimittel-Allergiker alle Handelsnamen der Präparate kennen, die den allergenen Wirkstoff enthalten. Auch sollte man mögliche Kreuzreaktionen mit anderen Medikamenten notieren. Hier leistet ein Allergie- bzw. Anaphylaxiepass sehr gute Dienste. Potenzielle Ausweichpräparate sollten ebenfalls bekannt sein und notiert werden.“

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Was sollte man nach einer anaphylaktischen Reaktion bei einer OP tun?

Was zu tun ist, wenn man während einer Operation eine anaphylaktische Reaktion erlitten hat, berichtete Prof. Dr. med. Wolfgang Pfützner in seinem Video „Anaphylaktischer Schock bei OP: Was sollten Patienten tun?“

Anaphylaktischer Schock bei OP: Was sollten Patienten tun?; Prof. Dr. med. Wolfgang Pfützner

Therapie bei Nahrungsmittelallergien

Bei bekannter Nahrungsmittelallergie, sollte der erste Schritt der Therapie sein, das allergieauslösende Nahrungsmittel strikt zu meiden. Dabei ist eine genaue Betrachtung der Zutatenliste von Fertigproduktenwichtig, so Prof. Dr. Ludger Klimek:

„Nahrungsmittel können bei sensibilisierten Patienten schon in kleinsten Mengen schwere anaphylaktische und potentiell lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Es gilt daher Maßnahmen zu ergreifen, die eine solche Situation gar nicht erst entstehen lassen. Die wichtigste und wirksamste Therapiemaßnahme für die betroffenen Patienten ist die Karenz. Nach entsprechender Diagnose, muss der Patient eine Eliminationsdiät einhalten und so das entsprechenden Allergen strikt vermeiden. Durch die EU-Richtlinie zur Kennzeichnung von Nahrungsmittelallergenen, die letztmalig 2007 überarbeitet wurde (2003/13/EG, 2006/142/EG und 2007/68/EG) hat sich der Schutz der Verbraucher vor Nahrungsmittelallergenen in den letzten Jahren deutlich verbessert.“

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Lebensmittelkennzeichung – wird sie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen richtig umgesetzt?

Mahlzeiten, die allergieauslösende Stoffe enthalten, können bei Allergikern, schwere anaphylaktische Reaktionen hervorrufen. Daher ist eine genaue Lebensmittelkennzeichung, die Aufschluss über jegliche Inhaltsstoffe gibt, für die Betroffenen sehr wichtig. Die meisten Gemeinschaftseinrichtungen haben das Problem erkannt und informieren über allergene Zutaten in den Nahrungsmitteln, erklärt Kristina Schmidt:

„Es tut sich was, aber es gibt noch sehr viel Verbesserungsbedarf! Ich habe zwar keine objektiven statistischen Zahlen dazu, bekomme aber durch meine Fortbildungen und Beratungen in Kitas, Schulen, Ganztagsbetreuungen, Jugendherbergen und Familien mit nahrungsmittelallergischen Kindern vielfältige Einblicke in die Catering-Landschaft in Deutschland und kenne daher zahlreiche Beispiele, positive wie negative.

Inzwischen ist den meisten Einrichtungen wohl klar, dass sie über allergene Zutaten informieren müssen, aber wann, wie und vor allem warum ist leider nicht immer klar. Dementsprechend werden Fehler gemacht, die eigentlich leicht vermeidbar wären. Vieles hängt vom konkreten Bedarf ab, d.h. erst in dem Moment, in dem tatsächlich ein Kind mit Nahrungsmittelallergien in einer Kita betreut werden soll, fängt man an, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen. Und selbst dann können die Kinder häufig nicht mitessen, weil man zwar auf Zutaten, nicht aber (freiwillig) auf die Vermeidung von Kreuzkontamination achtet. Wenn dann auch noch die Kita aus hygienischen Gründen untersagt, eigenes Mittagessen mitzubringen oder zu erwärmen, wird eine Ganztagsbetreuung nahezu unmöglich. Da kann man schon von Diskriminierung sprechen.“

LMIV: Lebensmittelkennzeichnung in Gemeinschaftseinrichtungen

Anaphylaxie – an welchen Therapien wird geforscht?

Neben der Meidung des Allergens ist die Forschung auf der Suche nach Therapieoptionen für die Anaphylaxie bei Nahrungsmittelallergien. Dr. Katja Nemat erklärt:

„Ähnlich wie bei den Atemwegsallergien wäre es natürlich wünschenswert, auch für Nahrungsmittelallergien die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung für die betroffenen Kinder zu haben. Insbesondere für Kinder mit einer Erdnussallergie, die bereits auf sehr kleine Allergenmengen teilweise sehr schwer reagieren können, bemüht man sich seit langem um eine solche kausale Therapie. Inzwischen stehen mit der oralen Immuntherapie (OIT) und der epikutanen Immuntherapie (EPIT) zwei Therapien für Erdnussallergiker kurz vor der Zulassung.“

NMA: Typische und weniger bekannte Anaphylaxiesymptome

AGATE – was bringt das Anaphylaxie-Training?

Die „Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie – Training und Edukation e.V.“, kurz AGATE, bietet Anaphylaxie-Schulungen für betroffene Kinder und deren Eltern an, mit dem Ziel anaphylaktische Reaktionen zu vermeiden und im Ernstfall richtig handeln zu können, so Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring:

„Grundsätzlich gehen wir bei unseren Schulungen und Informationsveranstaltungen immer auf die Bedürfnisse der Zuhörer ein und fragen zunächst einmal, was sie wissen wollen. Diese Fragen werden dann auf dem Flip Chart festgehalten und nacheinander abgearbeitet. Im Zentrum des Interesses stehen meist Fragen nach der Vermeidung eines anaphylaktischen Schocks, der Früherkennung und des Verhaltens im Ernstfall. Auch das Absetzen eines Notrufes will gelernt sein und muss eingeübt werden. Tatsächlich ist es bei einem Notruf oft so wie im Krimi, d.h. die Leute sagen am Telefon alles Mögliche nur nicht die wichtigste Information, nämlich die Adresse zu der der Notarzt kommen soll. Eigentlich ist das trivial, aber im Notfall entscheidet es über Leben und Tod.“

AGATE – was lernt man bei einer Anaphylaxieschulung?

Anaphylaxieberatung – an wen richtet sie sich und wo findet sie statt?

Bei allergischen Kindern, besteht unter bestimmten Umständen die Gefahr einer potentiell lebensgefährlichen anaphylaktischen Reaktion. Es ist daher sehr wichtig, die Symptome zu erkennen und zu wissen, was in so einer Situation zu tun ist. Dies gilt für die Betroffenen selbst, deren Familie, sowie für das nähere Umfeld. Die Anaphylaxieberatung von Kristina Schmidt richtet sich daher auch an Lehrer und Erzieher.

„Neben der klassischen Fortbildung und Beratung vor Ort und telefonisch finden meine Angebote vor allem auch online statt. Die Mehrheit der Anaphylaxie-Betroffenen wohnt nicht in Ballungsgebieten und sucht händeringend nach professionellen Schulungsmöglichkeiten. Ich würde am liebsten in jede einzelne Schule und Kita fahren und führe in einem begrenzten Radius auch Fortbildungen vor Ort durch, aber ich habe ja selbst ein anaphylaxiegefährdetes Kind mit entsprechendem Betreuungsaufwand zu Hause. Zum Glück sind interaktive Live-Schulungen mittlerweile fast überall möglich: Ich stehe bzw. sitze genauso live vor dem Kollegium und kommuniziere mit den Teilnehmern, nur eben nicht im selben Raum. Das notwendige Equipment ist inzwischen in fast allen Schulen und Kitas vorhanden: PC, Beamer/Projektionsfläche, Lautsprecher. Zusätzlich benötigt man eine Internetverbindung und ein einfaches PC-Mikrofon, lässt sich notfalls auch mit einem Telefon improvisieren. Ich bin überzeugt, dass diese Form der Fortbildung sich mehr und mehr etablieren wird, denn sie bietet dieselben Lösungen, ist aber deutlich kosten- und zeitsparender.“

Kristina Schmidt allergologisch Anaphylaxieberatung

Anaphylaxieberatung – was bietet sie?

Die „allergologische Anaphylaxieberatung“ gibt Familien, Kitas und Schulen wichtige Tipps, Hilfestellung und Informationen, rund ums Thema Anaphylaxie, wie Gründerin und Beraterin Kristina Schmidt in Ihrem Video „allergologisch Anaphylaxieberatung: Was bietet sie?“ berichtet.

allergologisch Anaphylaxieberatung: Was bietet sie?; Kristina Schmidt

Kann ein Allergie-Hund anaphylaktischen Reaktionen vermeiden?

Eine weitere Möglichkeit, allergieauslösende Stoffe zu meiden, kann ein sogenannter „Allergiewarnhund“ sein, der die zu verzehrenden Speisen zuvor auf das Allergen „prüft“. Ein solcher Schritt sollte aber gut überlegt werden, wie Johanna berichtet:

„Ich empfehle, vorher zu überlegen, ob man diese Aufgaben zeitlich und finanziell stemmen kann. Man sollte da auch ehrlich zu sich selbst sein, sonst bringt es nichts. Außerdem sollte die Familie dahinterstehen und einem Unterstützung geben, denn natürlich gibt es auch mal schlechte Tage an denen nichts funktioniert, wie man es möchte.

Noch ein wichtiger Punkt ist, dass der Allergikerwarnhund einen überallhin begleitet und Urlaube etc. dementsprechend geplant werden müssen. Und natürlich ist es immer noch ein Tier und keine Maschine!

Wenn aber nichts dagegen spricht, kann ich es jedem Allergiker nur empfehlen. Mein Hund gibt mir die Sicherheit zurück, die ich bei all meinen Reaktionen Stück für Stück verloren habe und bereichert meinen Alltag enorm! “

Erdnussallergie: Wie kam es zu Lotta the allergy warning dog?

Anaphylaxie: Gibt es Informationen auf Facebook?

Allergiker sollten gut über ihre Krankheit gut informiert sein, um im Falle einer anaphylaktischen Reaktion richtig handeln, und im besten Fall vermeiden zu können. Neben Schulungen und Beratungen zum Thema Anaphylaxie, gibt es aber auch Informationen in den Social Media wie Facebook. Pascale Ulbricht, hat die Facebook-Seite „Anna Füller Xi“ gegründet, auf der sie über relevante Themen zur Anaphylaxie berichtet:

„Anna Füller Xi soll dieser unberechenbaren Krankheit ein Gesicht geben. Ich finde es einfacher, eine konkrete Figur mit eigenem Charakter vor mir zu haben, über die man auch mal lachen kann, als einen abstrakten schwierigen Begriff, der so viel Angst auslöst.“

Madame Anna Füller Xi – die Anaphylaxie hat ein Gesicht!

Anaphylaxie – Gibt es Informationen auf Instagram?

In den Social Media gibt es einige Facebook-Seiten und Instagram Accounts, auf denen über das Thema Anaphylaxie berichtet und informiert wird. Einige Beispiele für Instagram Accounts sind folgende:

  • Instagram @dr.yvonne.braun
  • Instagram @lotta_the_allergy_warning_dog
  • Instagram @jetzt_erst_recht_1416
  • Instagram @elfendeern

Anaphylaxie: Hilfreiche Infos auf Instagram

Anaphylaxie beim Kind: Was sollten Eltern wissen?

Wenn Kinder von Anaphylaxie betroffen sind, ist dies für die Eltern mit großen Ängsten verbunden. Es gibt jedoch zahlreiche Maßnahmen und Empfehlungen, die beim Umgang mit der Erkrankung helfen können.

Anaphylaxie beim Kind: Wie geht man mit der Diagnose um?

Bei vielen Familien nach der Diagnose „Anaphylaxie“ erst einmal große Verunsicherung, wie Dr. Yvonne Smidt berichtet:

„Im Allgemeinen erleben die meisten Familien nach der Diagnosestellung erst einmal eine große Verunsicherung, sie fühlen sich überfordert und haben große Angst. Angst vor dem Ungewissen und Angst, etwas falsch zu machen. Das Kind ist ja eigentlich gesund, es darf nur nicht etwas „Falsches“ essen, denn dann kann das Kind plötzlich und binnen weniger Minuten um sein Leben ringen. Dieses Szenario schwebt wie ein Damoklesschwert über einem. Die Verunsicherung ist groß, 1000 Fragen kommen auf: Was darf mein Kind noch essen? Werde ich im Notfall den Pen setzen können? Hilft er dann auch sicher? Darf/Kann ich mein Kind anderen anvertrauen? Wie wird es im Kindergarten bzw. in der Schule werden? Wie werden Erziehende, Lehrende, Mitschüler, Freunde reagieren? Wird mein Kind gemobbt werden? Wie wird es in der Pubertät werden? Gibt es Einschränkungen in der Berufswahl? Können wir je wieder in ein Restaurant gehen? Werden wir je wieder ein unbeschwertes Leben führen können? Wie sollen wir das alles nur schaffen?

Erst wenn die Familie mehr über die Erkrankung erfahren hat und weiß, was sie alles bei der Ernährung beachten muss und wie sie im Notfall handeln soll, und das trainiert und geübt hat, gewinnt die Familie wieder zunehmend Sicherheit, Angst kann weichen und Normalität kehrt zurück.

Wir vom NAN betonen immer: Wissen ist Macht!“

Anaphylaxie beim Kind: Was macht das mit der Familie?

Anaphylaxie beim Kind: Was bringt die Ernährungsberatung?

Bekommt das Kind die Diagnose Anaphylaxie, hat das Auswirkungen auf die ganze Familie, da bei Nahrungsmittelallergien die allergieauslösenden Stoffe, aus dem Ernährungsplan gestrichen werden müssen. Dabei kann eine Ernährungsberatung sehr sinnvoll sein, wie Dipl. oec. troph. Dagmar Bolgen erklärt:

„Die Ernährungsexperten können den Eltern nicht nur sagen, was ihre Kinder nicht essen dürfen, sondern vor allem, was die Kinder wirklich essen dürfen und wie sie Rezepte so verändern können, dass es ihren Kindern gut geht. Das ist natürlich je nach Allergen sehr unterschiedlich und bedeutet eine Menge an Fachwissen, das die Eltern verständlich vermittelt bekommen sollten.

Bei Kindern ist es besonders wichtig, dass alle zum gesunden Wachstum notwendigen Stoffe im Alltag in der Ernährung der Kinder enthalten sind. Da sind Listen mit Lebensmitteln, die weggelassen werden sollten, wenig hilfreich.

Viele Eltern lernen in den Schulungen, wie sie bestimmte Lebensmittel ersetzen können und die Rezepte trotzdem ebenso gut schmecken. Sie durchschauen besser, wo sich die gefürchteten Allergene verbergen, sowohl in sichtbarer, aber vor allem auch in versteckter Form.“

Das anaphylaktische Kind: Praktische Tipps für Familien!

Anaphylaxie beim Kind: Wie verhält man sich richtig?

Beim richtigen Umgang mit der Erkrankung Anaphylaxie beim Kind ist es wichtig, dass die Eltern weder „übervorsichtig“ noch zu „lässig“ sind. Zum Alltag mit der Anaphylaxie sagt Kirsten Henning:

„Die 6 wichtigsten Tipps für Kinder bis 6 Jahre:

  1. Klarheit in der Erziehungshaltung. Das heißt, wenn es immer viele Ausnahmen gibt, werden Regeln oder Verbote nicht ernst genommen. Im Bezug auf die Allergene kann die Ausnahme tragisch sein.
  2. Eltern sollten offen mit der Anaphylaxie umgehen.
  3. Das Umfeld muss informiert werden.
  4. Für die Kita eine Schatzkiste mit Alternativen zu Allergenen bereithalten.
  5. Eine Collage basteln, die die Allergene darstellt und Nahrungsmittel in denen diese enthalten sind.
  6. Kindgerechte Erklärung der Anaphylaxie sowohl für das betroffene Kind, als auch für Geschwister und Freunde des Kindes. Diese Erklärungen immer wieder wiederholen.“

Anaphylaxie – wie gehen Eltern mit den Risiken altersgerecht um?

Anaphylaxie beim Kind: Was ist wichtig, wenn das Kind in die KiTa Kommt?

Wenn ein Kind mit Anaphylaxie in die KiTa kommt, sollte die KiTa unbedingt über die Erkrankung informiert werden. Was Eltern noch beachten sollten, wenn ihr Kind in die KiTa kommt, berichtet Dr. Yvonne Braun in ihrem Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Was ist wichtig?“

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Was ist wichtig?; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie beim Kind: Was sollte mit der KiTa besprochen werden?

Wenn ein Kind mit Anaphylaxie in die KiTa kommt, müssen einige Fragen geklärt werden. Kennen sich die Erzieherinnen und Erzieher mit dem Notfallset aus? Sind sie bereit an Schulungen teilzunehmen? Wie geht der Kindergarten mit Nahrungsmitteln um, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können? All diese Fragen und viele mehr, müssen, so Dr. Yvonne Braun, mit der KiTa besprochen werden, wie sie im Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Welche Fragen sollte man stellen?“ erklärt:

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Welche Fragen sollte man stellen?; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie beim Kind: Welche Informationen braucht die KiTa?

Wenn ein Kind mit Anaphylaxie in die KiTa kommt, sollte diese unbedingt über die Krankheit informiert werden. So sollte der KiTa in schriftlicher Form mitgeteilt werden, welche Stoffe die Anaphylaxie auslösen können, und unter welchen Begriffen der anaphylaxieauslösende Stoff Zutatenlisten erscheinen kann. Welche Informationen der KiTa noch mitgeteilt werden sollten, erzählt Dr. Yvonne Braun in ihrem Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Infos für den Kindergarten!“.

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Infos für den Kindergarten!; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie beim Kind: Wie kann ich den Kindergarten im Umgang mit der Krankheit unterstützen?

Wenn ein Kind mit Anaphylaxie in die KiTa kommt, sollten die Erzieherinnen und Erzieher unbedingt ausreichend über die Krankheit informiert werden. Im Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Den Kindergarten unterstützen! KiTa beim Umgang mit dem Kind“ vermittelt Dr. Yvonne Braun, was man dabei beachten sollte.

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Den Kindergarten unterstützen! KiTa beim Umgang mit dem Kind; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie beim Kind: Wie bereitet man das Kind optimal auf die KiTa vor?

Wenn ein Kind mit Anaphylaxie in den Kindergarten kommt, muss dieser ausreichend über die Krankheit informiert und geschult werden. Doch auch das Kind mit Anaphylaxie muss optimal auf den Alltag in der KiTa vorbereitet werden, wie Dr. Yvonne Braun in dem Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Das Kind optimal vorbereiten!“ informiert.

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Das Kind optimal vorbereiten!; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie beim Kind: Wie bereitet man das Kind auf Feste und Geburtstagsfeiern vor?

Ein Kind mit Anaphylaxie sollte optimal auf den Alltag in der KiTa vorbereitet werden, und auch die KiTa sollte ausreichend über die Krankheit informiert sein. Was allerdings bei Festen oder Geburtstagsfeiern in der KiTa zu beachten ist, und wie das Kind darauf vorbereitet werden sollte, erklärt Dr. Yvonne Braun in dem Video „Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Feste mitfeiern!“

Anaphylaxie beim Kind und KiTa: Feste mitfeiern!; Dr. Yvonne Braun

Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen: Welche Probleme zeigen sich in der Pubertät?

Der richtige Umgang von Eltern mit der Anaphylaxie ihrer Kindern ist sehr wichtig. Sowohl das Kind muss lernen mit der Krankheit umzugehen, aber auch Erzieherinnen, Lehrer und Betreuer müssen über die Krankheit informiert und aufgeklärt werden. Diese Aufklärung wird den meisten Betroffenen, wenn sie in die Pubertät kommen, zunehmend unangenehm und kann zu Konflikten innerhalb der Familie führen, so Dr. Yvonne Smidt:

„In der Pubertät thematisieren Jugendliche ihre Allergie nicht so gerne. Sie wollen nicht auffallen; sie wollen zu ihrer Gruppe dazugehören und manchmal möchten sie auch ihren Eltern Ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit demonstrieren. Daher lassen manche ihre Medikamente zu Hause, vernachlässigen Spurenangaben oder gehen mit ihren Freunden essen ohne Rücksprache mit der Küche. In dem Alter probieren sich Jugendliche aus: Alkohol, der erste Kuss, Partys…

Diese neuen Themen und ein risikobereites Verhalten der Jungendlichen lösen dann Ängste bei den Eltern aus. Sie kontrollieren ihre Kinder stärker und versuchen, sie in ihren Aktivitäten einzuschränken. Dies birgt natürlich Konfliktpotential.“

Anaphylaxie: Was ist wichtig, wenn Kinder erwachsen werden...