Nasenpolypen

 

Nasenpolypen – was bedeutet das?

Nasenpolypen sind Wucherungen der Schleimhaut in der Nase und auch in den Nasennebenhöhlen, der medizinische Fachbegriff lautet Polyposis nasi. Die veränderte Schleimhaut kann sich breitflächig oder auch schmal und gestielt in die Nase vorwölben. Wichtige ist: Nasenpolypen sind nicht zu verwechseln mit den „Polypen“, die bei Kindern die Atemwege verengen und häufig operiert werden. Bei diesen Polypen handelt es sich um Gewebswucherungen im Bereich des Gaumens.

Allergie-Wiki: Nasenpolypen – Polyposis nasi

Wie häufig kommen Nasenpolypen vor?

Nasenpolypen, auch bekannt als Polyposis nasi, sind Wucherungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen. Da sie nur mithilfe eines Endoskops zu sehen sind, gibt es bislang noch relativ wenig Daten darüber, wie häufig Nasenpolypen tatsächlich vorkommen, wie Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert erklärt:

„Nasenpolypen sind leider nur mit einem Endoskop zu sehen, so dass man Patienten nicht in einer epidemiologischen Studie untersuchen kann. Zur Häufigkeit von Polyposis nasi gibt es daher nur relativ wenig genaue Zahlen, aber aufgrund der Erfahrungswerte geht man im Moment für Deutschland von einer Erkrankungsrate zwischen 2 bis 4 Prozent aus. Auch scheint die Problematik der Nasenpolypen zuzunehmen, je älter die Menschen werden.

Setzt man das in Relation zu Europäischen Zahlen, und hier geht man davon aus, dass 12 Prozent der europäischen Bevölkerung an chronischer Rhinosinusitis leiden, wäre das ca. ein Drittel dieser Patienten. Allerdings sind die Kliniken überzufällig häufig mit Nasenpolypen befasst, weil sie die Patienten sehen, die oft über lange Zeit darunter leiden und häufig auch mehrfach operiert wurden.“

Nasenpolypen: Ursachen und unterschiedliche Formen!; Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert

Was sind die Ursachen von Nasenpolypen?

Nasenpolypen werden, so Prof. Ludger Klimek, durch chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut sowie der Nasennebenhöhlen, einer Rhinosinusitis, ausgelöst:

„Nasenpolypen sind eine Erkrankung, die durch eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ausgelöst wird. Solche chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen sind relativ weit verbreitet. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland 15 bis 17 Prozent, also ungefähr jeder Sechste, von chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen betroffen sind.

Circa ein Drittel der Betroffenen entwickelt im Laufe der Erkrankung, eine, wie wir sagen, hyperplastische Form, d. h. Nasenpolypen. Das ist also tatsächlich kein seltenes Krankheitsbild. Allerdings werden Nasenpolypen häufig übersehen, denn die Patienten haben oft Symptome oder Beschwerden, die man auch von anderen Erkrankungen kennt. Dazu gehören der Verlust des Riechvermögens und anhaltende Kopfschmerzen. Die Patienten bekommen durch die Nase schlecht Luft, die Nase ist vielleicht verschleimt.“

Nasenpolypen: Vorkommen, Begleiterkrankungen, Diagnose, Therapie; Prof. Ludger Klimek

ASS-Intoleranz: Kann eine ASS-Unverträglichkeit zu Nasenpolypen führen?

Von einem ASS-Intoleranz-Syndrom spricht man, bei vorliegender Unverträglichkeit auf Salicylate, gepaart mit Asthma und Nasenpolypen. Während nur etwa 0,6 Prozent bis 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung an einer ASS-Intoleranz leiden, liegt die Zahl bei Patienten mit Nasenpolypen bei circa 50 Prozent. Der Grund hierfür ist, dass eine ASS-Unverträglichkeit die Entwicklung von Nasenpolypen begünstigt, so Dr. med. Carolina Morales Minovi:

„Genauer gesagt, handelt es sich um eine Störung des Abbaus der Arachidonsäure – das ist ein Teil der Zellmembran. Bei normalen Patienten wird die Arachidonsäure zum Teil durch das Enzym "Cyclooxigenase" abgebaut. Die ASS-Intoleranz ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Cyclooxigenase nach der Einnahme von ASS oder Salicylaten entweder nur unzureichend oder gar nicht funktioniert. Es bilden sich dadurch Stoffe wie z.B. Leukotrienen im Körper, die Entzündungen und Schwellungen, sowie eine Verengung der Bronchien verursachen. Auch immer wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Asthma-Anfälle, manchmal Hautausschläge, Schwellungen der Schleimhäute und der Haut sowie Darmkrämpfe und Durchfall sind mögliche Symptome. Weiter kommt es dadurch auch zur Entwicklung von Nasenpolypen oder auch Polyposis nasi und Asthma, bzw. dem Samter-Trias.“

Samter-Trias, Nasenpolypen, Asthma, ASS-Intoleranz – hilft ASS-Desaktivierung?; Dr. med. Carolina Morales Minovi

Was sind die Symptome bei Nasenpolypen?

Nasenpolypen werden meist durch eine chronische Rhinosinusitis ausgelöst. Von einer chronischen Rhinosinusitis spricht man, wenn folgende Symptome länger als 3 Monate und ohne Unterbrechung auftreten:

  • eine „verstopfte“ Nase mit erschwerter Atmung und eingeschränktem Geruchssinn,
  • Sekretion aus der Nase,
  • Gesichtsschmerz und eventuell auch
  • Kopfschmerzen und
  • Fieber.

Oft verschlimmern sich die Schmerzen, wenn man sich vornüberbeugt. Dieser „Schnupfen“ oder die weiter ausgedehnte Nasennebenhöhleninfektion heilen bei fast allen nach einigen Wochen aus.

Allergie-Wiki: Nasenpolypen – Polyposis nasi

Prof. Martin Wagenmann erklärt den Unterschied zwischen einer akuten und einer chronischen Rhinosinusitis so:

Rhinosinusitis: Wann ist sie akut, wann chronisch?

Wie sehen die typischen Symptome bei Nasenpolypen aus?

Die Symptome bei Menschen mit Nasenpolypen können auch relativ unspezifisch sein, wie Prof. Ludger Klimek erklärt:

Typische Symptome für Nasenpolypen sind Druck auf den Nasennebenhöhlen, Dauerschnupfen, eine verstopfte Nase, und als wohl wichtigstes klassisches Symptom der Verlust der Riechfähigkeit. Daneben gibt es eine ganze Reihe unspezifischer Beschwerden, wie häufige Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Verschleimung u.a.m., die auf Nasenpolypen hindeuten, aber eben auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können. Deswegen kann man sagen, dass die Beschwerden insgesamt relativ unspezifisch sind. Wenn man solche Beschwerden hat oder wenn beispielsweise der Schnupfen über mehrere Wochen nach einer Erkältung nicht weggeht, dann sollte man sich auf jeden Fall auf Nasenpolypen hin untersuchen lassen.

Nasenpolypen: Vorkommen, Begleiterkrankungen, Diagnose, Therapie; Prof. Ludger Klimek

Welche Begleiterkrankungen sind bei Patienten mit Nasenpolypen zu beobachten?

Welche Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen bei Patienten mit Nasenpolypen oft beobachtet werden können, berichtet Prof. Ludger Klimek in seinem Video „Nasenpolypen: Häufigkeit, Risiken, Begleiterkrankungen, Symptome“.

Nasenpolypen Häufigkeit, Risiken, Begleiterkrankungen, Symptome; Prof. Ludger Klimek

In einer Studie fand man sogar weitere potenzielle Begleiterkrankungen, wie Prof. Martin Wagenmann berichtet:

„Es gibt zwei Phänotypen, d.h. Ausprägungen, der chronischen Rhinosinusitis – mit und ohne Nasenpolypen und beide CRS-Typen gehen mit unangenehmen Symptomen einher.

Aber nicht allein die klassischen CRS-Symptome machen den Patienten das Leben schwer. Eine taiwanesische Studie konnte belegen, dass das Auftreten von Depression bei CRS im Vergleich zu gesunden Menschen um 77 Prozent erhöht ist.3)

Die Studie zeigte außerdem, dass bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis bestimmte Erkrankungen häufiger auftreten. Dazu gehören:

  • Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Hyperlipidämie
  • Ischämische Herzerkrankung
  • Zerebrovaskuläre Krankheiten
  • Chron. Nierenerkrankung
  • Allergische Rhinitis
  • Asthma
  • COPD
  • Chronische Lebererkrankungen“

Chronische Rhinosinusitis: Welche Therapien helfen, welche nicht?

Wie werden Nasenpolypen diagnostiziert?

Zunächst wird sich der Arzt im Zuge der Anamnese genau über die Symptome informieren und den Patienten klinisch untersuchen, also zum Beispiel prüfen, ob ein Klopfschmerz im Gesicht, speziell im Bereich der Stirn besteht. Dabei wird er insbesondere Rachen, Nase und Ohren sorgfältig beurteilen.

Allergie-Wiki: Nasenpolypen – Polyposis nasi

Welche bildgebenden Verfahren, stehen für die Diagnose von Nasenpolypen zur Verfügung?

Bei hinreichendem Verdacht aus Nasenpolypen, stehen einige bildgebende Verfahren zur Sicherung der Diagnose zur Verfügung, wie Prof. Ludger Klimek in seinem Video „Nasenpolypen: Diagnose und Therapie“ informiert.

Nasenpolypen: Diagnose und Therapie; Prof. Ludger Klimek

Wie werden Nasenpolypen behandelt?

Bei der Therapie von Nasenpolypen stehen einige Behandlungsoptionen zur Verfügung. Momentan werden besonders Glukokortikosteroide - sowohl nasal als Nasensprays, als auch oral als Tabletten- in der Behandlung eingesetzt, wie Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert erklärt:

„Zugelassen für die Behandlung von Polyposis nasi sind topische Glukokortikosteroide, d.h. Nasensprays, die, zum Beispiel im Vergleich zur Therapie der allergischen Rhinitis, in doppelter Dosierung eingesetzt werden.

Studien hierzu zeigen, dass diese Therapie den Nasenpolypenscore, das heißt die in der Nase gemessene Masse der Nasenpolypen, verändern kann. Der Effekt der topischen Glukokortikosteroide ist allerdings bestenfalls gering, denn die Nasenpolypen werden dadurch eher auf dem gleichen Niveau gehalten als verringert oder gar eliminiert. Das liegt zum Teil daran, dass man mit dem Nasenspray die Nasenpolypen kaum erreicht und die antientzündliche Wirkung eines Sprays auch nicht stark genug ist um die Nasenpolypen zu eliminieren.

Eine zweite Therapiemöglichkeit, die bei Nasenpolypen leider häufig eingesetzt wird, sind orale oder Depot-Glukokortikosteroide. Durch die Asthmatherapie und die Therapie rheumatischer Erkrankungen weiß man jedoch, dass diese Therapie mit sehr vielen Nebenwirkungen verbunden sein kann - davor sollte man wirklich warnen!“

Nasenpolypen: Klassische vs. Neue Therapien – was hilft?; Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert

Kann eine Operation bei der Behandlung von Nasenpolypen helfen?

Neben der Anwendung von Glukokortikosteroiden, welche sowohl nasal als auch oral gegeben werden können, kann auch eine operative Entfernung der Nasenpolypen sinnvoll sein, wie Prof. Ludger Klimek in dem Video „Nasenpolypen: Diagnose und Therapie“ berichtet.

Nasenpolypen: Diagnose und Therapie; Prof. Ludger Klimek

Können Biologika bei der Behandlung von Nasenpolypen helfen?

Neben Glukokortikosteroiden, Nasenduschen und operativen Entfernungen der Nasenpolypen, könnten zukünftig Biologika eine weitere Behandlungsoption bei der Therapie von Nasenpolypen sein, wie Prof. Margitta Worm informiert:

„Profitieren könnten von den neuen Biologika auch Patienten mit Polyposis nasi, d.h. Nasenpolypen. Nasenpolypen gehören ebenfalls zu den entzündlichen Erkrankungen, die Pathomechanismen sind ähnlich wie beim Asthma. Nasenpolypen können starke Beschwerden verursachen, bei den Patienten besteht also ein hoher Leidensdruck. Die klassischen Therapien, wie z.B. intranasale Steroide, systemische Steroide und Nasenduschen helfen vielen Patienten, jedoch nicht allen. Antibiotika gehören zum therapeutischen Arsenal, sind jedoch, wie Prof. Dr. med. Martin Wagenmann, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe an der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf betonte, nur in wenigen Ausnahmen sinnvoll einsetzbar. Die letztmögliche therapeutische Maßnahme bei Polyposis nasi wäre die operative Entfernung der Polypen. Häufig kehren diese jedoch auch nach der Operation wieder. Es stellt sich also die Frage, ob die neuen Biologika, die ja an der Entzündungsreaktion ansetzen, auch zur Behandlung von Polyposis nasi einsetzbar wären, zurzeit werden auch hierzu Studien durchgeführt.“

Precision Medicine: Individuellere Therapien mit den neuen Biologika; Prof. Margitta Worm