Zöliakie Forschung DZG Deutsche Zöliakie-Gesellschaft

Sofia Beisel, Leiterin Team Wissenschaft, Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. zum Thema Zöliakie-Forschung

Zöliakie? Glutensensitivität? Was tut sich in der Forschung?

Immer wieder hört man von Entwicklungen von „Glutenmessgeräten“. Kann man sagen, wie weit diese Entwicklungen gediehen sind? Und: Wie zuverlässig sind die Messergebnisse?

Messgeräte zur Bestimmung von Gluten in Lebensmittel werden immer wieder angepriesen und thematisiert, allerdings ist uns kein marktreifes Gerät bekannt. Der Glutennachweis mittels ELISA-R5 ist aktuell Methode Nr. 1.

Das vor einiger Zeit in der Werbung angekündigte Messgerät NIMA ist noch nicht verfügbar. In der Praxis wird dieses Gerät beweisen müssen, dass es ausreichend empfindlich ist und auch bei inhomogenen Proben oder Lebensmitteln mit ‚Störfaktoren‘ (z.B. Tanninen) fehlerfrei arbeitet.

Gibt es weitere Forschungsansätze, z.B. im Hinblick auf die Non-celiac gluten sensitivity (NCGS)? Wie weit sind diese gediehen?

So lange es noch keine Diagnosemarker für die NCGS gibt und die ATI’s als Auslöser der Erkrankung nicht in klinischen Studien überprüft sind, werden sich weltweit Forschergruppen diesem Thema annehmen.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Schuppan führt zurzeit Provokationsstudien mit Lebensmitteln mit definiertem ATI-Gehalt im Tierexperiment und am Patienten durch.

Spätestens ab Herbst 2016 werden zusätzlich ATI-Provokationsstudien an Patienten mit MS durchgeführt. In ähnlicher Weise sollten auch Patienten mit Neurodermitis und Morbus Crohn getestet werden.

Was halten Sie von „glutenspaltenden Nahrungsergänzungsmitteln“?

Glutenspaltende Nahrungsergänzungsmittel, wie z.B. Glutenase, Gluten-ex, etc., wie sie besonders in den USA angeboten werden, sind keine Therapieoption bei Zöliakie und können eine glutenfreie Ernährung nicht ersetzen. Es handelt sich bei den Präparaten nicht um geprüfte Arzneimittel!

Die Kapseln bzw. Pulver enthalten glutenabbauende Endopeptidasen, die aber keinen vollständigen Abbau des Glutens bewirken und je nach den gleichzeitig aufgenommenen Lebensmitteln in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt werden.

Frau Beisel, herzlichen Dank für dieses Interview!

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