Ernährung Zöliakie Diabetes

Dipl.-Ernährungswissenschaftlerin Beatrix Sanow, essdialog Jena, zur richtigen Ernährung bei Zöliakie und Diabetes!

Zöliakie und Diabetes? Wie ernährt man sich richtig?

Typ 1-Diabetes und Zöliakie sind assoziierte Erkrankungen. Die Ursache für das gehäufte Auftreten beider Erkrankungen ist offensichtlich eine spezifische genetische Disposition. Unklar ist jedoch, ob eine bestimmte genetische Ausprägung für das gemeinsame Auftreten beider Erkrankungen verantwortlich ist oder eine der beiden Erkrankungen prädisponierend für die andere ist.* In der Regel erfolgt die Diagnose für Diabetes zuerst. Bei 5 bis 8 Prozent der Patienten mit Typ 1 Diabetes findet man auch eine Zöliakie! Sowohl Diabetes als auch Zöliakie sind Erkrankungen, bei denen die richtige Ernährung eine wichtige Rolle spielt. MeinAllergiePortal sprach mit Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Beatrix Sanow, essdialog Jena, darüber, wie man sich bei Zöliakie und Diabetes richtig ernährt.

Frau Sanow, was genau müssen Menschen, die an Zöliakie und Diabetes mellitus leiden bei der Ernährung beachten?

Bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1, die darüber hinaus an einer Glutenunverträglichkeit leiden ist das Risiko von Hypoglykämien (Unterzuckerungen) erhöht, da es durch die Zufuhr von Gluten zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut kommt. In der Folge können die mit der Nahrung zugeführten Kohlenhydrate mit zunehmender Schädigung des Dünndarms immer weniger aufgenommen werden. Damit verringert sich der Insulinbedarf bei gleichbleibender Zufuhr von Kohlenhydraten. Wird die Insulindosis nicht entsprechend angepasst, kommt es zur Hypoglykämie.

Unter einer glutenfreien Ernährung regeneriert sich die Dünndarmschleimhaut und die Aufnahme der Kohlenhydrate verbessert sich, wodurch der Insulinbedarf ansteigt. Das Risiko einer Hypoglykämie vermindert sich und es ist für den Betroffenen einfacher, seinen Insulinbedarf entsprechend der verzehrten Kohlenhydrate zu ermitteln, was letztendlich zu einer verbesserten Stoffwechseleinstellung führt.

Was kann passieren, wenn ein Patient mit Diabetes und Zöliakie Diätfehler macht?

Diätfehler, das heißt die Aufnahme von Gluten, führt langfristig zur Schädigung der Dünndarm- Schleimhaut mit den genannten Konsequenzen.

Woran merkt der Patient, dass etwas nicht stimmt?

Die Auswirkung einzelner Diätfehler ist individuell sehr verschieden. Es gibt Patienten, die nach dem Verzehr glutenhaltiger Speisen durch Symptome, wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall ihren Diätfehler relativ rasch bemerken. Es gibt aber auch Patienten, bei denen kleinere Mengen Gluten nicht zwangsläufig zu Symptomen führen.

Patienten, bei denen keine Symptome nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel auftreten, erkennen unter Umständen nicht, dass sie Diätfehler machen. Dauerhaft anhaltende Diätfehler würden dann längerfristig wiederum zur Schädigung der Dünndarmschleimhaut führen und damit zur Häufung von Hypoglykämien.

Beim Vorliegen gehäufter Hypoglykämien ohne erkennbaren Grund könnte ein Antikörpertest Auskunft geben, inwieweit die glutenfreie Diät eingehalten wird. Unter einer konsequenten glutenfreien Ernährung sollten sich die Antikörper (Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper oder die Endomysium-IgA-Antikörper) normalisieren. Sind die Antikörper erhöht, sind Diätfehler wahr- scheinlich. In diesem Fall sollten die verzehrten Lebensmittel geprüft werden, aber auch mögliche Kontaminationsquellen (Toaster, Mixer, Messer, Brettchen etc.) im Haushalt ausgeschlossen werden.

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