Zöliakie Verlaufskontrolle

Univ.-Prof. Dr. K.-P. Zimmer, Abt. Allgemeine Pädiatrie & Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM Gießen und Kongresspräsident DGKJ 2015 München

Zöliakie-Verlaufskontrolle: Wie gut ist die kinderärztliche Betreuung?

Der Kostendruck im Gesundheitswesen ist allgegenwärtig und wirkt sich auch auf die Betreuung von Kindern mit Zöliakie aus. Da Zöliakie zu den chronischen Erkrankungen gehört, ist eine kontinuierliche Betreuung der Kinder sehr wichtig, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der glutenfreien Diät. Als besonders wirksam hat sich in der Vergangenheit eine regelmäßige ausführliche Zöliakie-Verlaufskontrolle durch einen Kinderarzt erwiesen, der die Kinder durch die gesamte Kindheit hindurch begleitet. Die aktuelle gesundheitspolitische Weichenstellung geht jedoch in eine andere Richtung. MeinAllergiePortal sprach mit Univ.-Prof. Dr. K.-P. Zimmer, Abt. Allgemeine Pädiatrie & Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM Gießen und Kongresspräsident DGKJ 2015 München.

Herr Prof. Zimmer, Sie plädieren für eine kontinuierliche Betreuung von zöliakiekranken Kindern durch möglichst nur einen Kinderarzt. Warum ist es so wichtig, dass der behandelnde Arzt nicht wechselt?

Wenn ein Kind kontinuierlich bis zum 18. Lebensjahr vom selben Kinderarzt betreut wird, wird der Arzt zum Teil der Familie. Der Arzt kann dann deutlich besser auf das Kind und die Familie einwirken, insbesondere im Hinblick auf die Compliance zur glutenfreien Diät. Früher war eine kontinuierliche Betreuung in der Pädiatrie selbstverständlich, und der Kinderarzt war oft auch dann noch Ansprechpartner, wenn die Kinder erwachsen geworden waren. Z.B. hat mich vor einiger Zeit eine ehemalige Patientin kontaktiert, die ich als Kind über sehr viele Jahre betreut habe, und die damals der Therapie sehr ablehnend gegenüberstand. Im Rückblick hat sie dies bedauert und bat mich um eine Empfehlung. So etwas wäre heute nicht mehr möglich!

Bei den heutigen Ambulanzstrukturen wird es jedoch immer schwieriger, eine solche qualitativ hochwertige  Betreuung zu gewährleisten. Wenn der Kinderarzt permanent wechselt, entsteht keine Bindung und das verstärkende Element zur Compliance fällt weg.

Die gesundheitspolitische Weichenstellung geht also im Hinblick auf die Zöliakie-Verlaufskontrolle in die falsche Richtung?

Im Zentrum der gesundheitspolitischen Weichenstellung steht die Abrechenbarkeit der Leistungen und dies ist auch die zentrale Anforderung der Klinikverwaltung. Die sprechende Medizin wird schlecht vergütet und sie wird dementsprechend immer weniger praktiziert. Die sprechende Medizin ist aber bei einer Zöliakie-Verlaufskontrolle das zentrale Element.

Hinzu kommt, dass die Mediziner mittlerweile auch in den pädiatrischen Ambulanzen, ähnlich wie in der Erwachsenenmedizin, spätestens alle sechs Monate rotieren. So kommt in eine Zöliakie-Betreuung keine Kontinuität.

Der Leidtragende sind das Kind und die Eltern, die bei den Krankenkassen eigentlich eine Änderung des Systems einfordern müssten, damit das Wohl des Kindes wieder im Mittelpunkt gerückt wird.      

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.