Leaky Gut löchriger Darm Tight Junctions

PD Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Leaky Gut-Syndrom – Tight Junctions – was ist dran an diesem Krankheitsbild?

Welche Faktoren, außer den „Tight Junctions“ an sich, bestimmen die Permeabilität des Darms welche Stoffe gelangen hindurch?

Ein weiterer Faktor, der die Permeabilität des Darms bestimmt, sind die „Schwellen“, die Größe der „Tight Junctions“. Zum einen gibt es die Permeabilität für Ionen, die kleinsten Stoffe, dann gibt es eine Permeabilität für Antigene, d.h. etwas größere Moleküle und schließlich gibt es eine Permeabilität für Makromoleküle, größere Stoffe, die normalerweise nicht durch die Darmwand gelangen. Alle drei Formen der Durchlässigkeit können parallel auftreten, es kann aber auch sein, dass die Störung sich nur auf eine Ebene beschränkt.

Kommt es bei den drei genannten Formen der Permeabilität des Darms auch zu unterschiedlichen Symptomen?

Welche Symptome auftreten, ist sicher individuell verschieden, je nachdem, um welchen Stoff es sich handelt. Wenn z.B. Natriumionen den Darm passieren, verändert sich die Osmolarität, d.h. es kommt zu einem Elektrolytgefälle, das einen Wassernachstrom auslöst. Dann kann Wasser in Richtung Darm transportiert werden und Durchfall auslösen. Dringen Antigene, z.B. Allergene durch die Darmwand in die Zellen ein, kann es zu einer Antikörperbildung kommen und dadurch zu einer Immunreaktion.

Sie sagten „Leaky Gut“ sei ein Zustand des Darms, der mit bestimmten Erkrankungen einhergeht, welche Erkrankungen sind das?

Zum Beispiel können Darminfektionen vorübergehend zu einer erhöhten Permeabilität des Darms führen. Es gibt Studien zum Norovirus, die dies belegen konnten. Weiter wissen wir, dass es auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms kommt. Ein klassisches Erkrankungsbild mit „Leaky Gut“ stellt auch die Zöliakie, die glutensensitive Enteropathie, dar. Auch beim Diarrhoe-prädominanten Reizdarm-Syndrom ist die Permeabilität des Darms erhöht.

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