Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie

Dipl.oec.troph Ute Körner, Diplom-Oecotrophologin (Univ.) und Ernährungsfachkraft Allergologie, Köln

Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie? Die Diagnostik entscheidet über den Therapieerfolg

Manche Menschen, die unter Beschwerden im Magen-Darm-Bereich leiden, stellen fest, dass sich die Beschwerden bessern, wenn sie auf Gluten verzichten? Warum sollte man das nicht einfach ausprobieren?

Angesichts der vermutlich hohen Dunkelziffer nicht diagnostizierter Zöliakiefälle in Deutschland muss vor Umstellung auf eine glutenfreie Diät (GFD) eine Zöliakie mit den diagnostischen Kriterien der ESPGHAN (s.o.) ausgeschlossen werden. Sowohl der Nachweis typischer Zöliakie-Antikörper als auch die Biopsie führen nur unter glutenhaltiger Ernährung bzw. Glutenbelastung zu aussagekräftigen Ergebnissen. Bei Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel über einen längeren Zeitraum, ist eine Zöliakie-Diagnostik nicht mehr möglich. Möglicherweise ernähren sich diese Patienten dann völlig unnötig glutenfrei, was mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität verbunden ist. Andererseits erfolgt – bei unerkannter Zöliakie - die Ernährungsumstellung ohne ernährungstherapeutische Begleitung oft nicht konsequent genug. Bei Zöliakiepatienten können bereits Spuren von Gluten im Milligramm-Bereich zu Schäden der Darmschleimhaut führen und Diätfehler können langfristig das Darmkrebsrisiko erhöhen.  Hierzu zählen z.B. die Benutzung des Familientoasters für das ansonsten glutenfreie eigene Brot oder das  gelegentliche Essen glutenhaltiger Nahrungsmittel wie Pizza oder Brötchen – beides führt zu Kontamination.

Bei Patienten, die unter einer Weizenallergie leiden, kann es unter GFD sogar zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen, wenn sie aus Versehen kleine Mengen an Weizen (z.B. beim Außer-Haus-Essen) aufnehmen. Außerdem ist eine glutenfreie Ernährung nicht automatisch weizenfrei.

Fazit: Voraussetzung für eine individuelle Ernährungstherapie bei glutenbedingten Beschwerden ist eine gründliche Anamnese, einschließlich Ernährungs- und Symptomtagebuch, durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft,  eine Differentialdiagnostik, die andere Erkrankungen des Magen-Darmtrakts ausschließt, und, bei entsprechendem Verdacht, eine anschließende ausführliche Diagnostik zur Abklärung einer Zöliakie oder Weizenallergie.

Frau Körner, herzlichen Dank für das Gespräch!

Quellen:

* ESPGHAN-Leitlinie: Husby S, Koletzko S, Korponay-Szabó IR et al: European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition Guidelines for the diagnosis of coelic disease. JPGN. 2012; 54: 136–160.

  • International Expert Meeting on Gluten Sensitivity, München 01./02.12.2012
  • Körner U, Schareina A: Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in Diagnostik, Therapie und Beratung. Haug Verlag in MVS Medizinverlage, Stuttgart, 1. Aufl. Okt. 2010.
  • Sapone A, Bai J, Ciacci C: Spectrum of gluten-related disorders: consensus on new nomenclature and classification. BMC Medicine. 2012, 10:13 (7 February 2012).

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