Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie

Dipl.oec.troph Ute Körner, Diplom-Oecotrophologin (Univ.) und Ernährungsfachkraft Allergologie, Köln

Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie? Die Diagnostik entscheidet über den Therapieerfolg

Kann es auch harmlose Ursachen für ähnliche Beschwerden geben?

Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl können durch eine Vielzahl anderer Erkrankungen ausgelöst werden, die genau wie bei der Zöliakie vor der Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung abgeklärt werden sollten. Dazu zählen z.B. Laktoseintoleranz, eine gestörte Fettverdauung oder einfach nur eine zu einseitige Ernährung (zu viel Brot bei zu wenig Gemüse). In der Ernährungsberatung kann man solche Unverträglichkeiten durch eine gezielte Anamnese und Auswertung eines Ernährungs- und Symptomtagebuches erkennen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Zur Diagnose der Zöliakie empfehlen die European Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN)* sowie die deutsche Zöliakiegesellschaft (DZG) die Bestimmung der Zöliakie-Antikörper (AK), den positiven Gennachweis und die Dünndarmbiopsie (Magen-Darmspiegelung mit Gewebeentnahme) als Goldstandard. Transglutaminase (TG)-IgA-Antikörper sind der zuverlässigste Indikator und werden auch zur Verlaufskontrolle verwendet. Ebenso hilfreich zum Nachweis einer Zöliakie sind Endomysium-Anitkörper und IgG-Antikörper gegen deamidierte Gliadinpeptide – dabei handelt es sich um neuartige Marker in der Zöliakie-Diagnostik. Die Konzentration der Anitkörper-im Blutgibt Hinweise auf die Schwere der entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut. Ein sicherer Beweis einer Zöliakie durch Antikörpernachweis und positiver Gewebeprobe gelingt jedoch nur unter glutenhaltiger Kost!

Bei Verdacht auf eine Weizenallergie erfolgt ein Hauttest mit Weizenmehl und die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper gegen bestimmte Weizenallergene. Der Auslöser der WDEIA (wheat-dependent exercise induced anaphylaxis, d.h. durch Weizen ausgelöste Anaphylaxie, die mit körperlicher Aktivität einhergeht), das hitzestabile Omega-5-Gliadin, lässt sich mittels Molekularer Allergiediagnostik identifizieren. Da Hauttest und Bestimmung von IgE-Antikörpern jedoch nur eine Sensibilisierung, aber keinen Beweis für eine Nahrungsmittelallergie anzeigen, basiert eine zuverlässige Diagnose einer Weizenallergie deshalb nur auf dem Ergebnis einer diagnostischen weizenfreien Diät – erstellt durch eine auf Allergien spezialisierte Ernährungsfachkraft - mit anschließender oraler Weizenprovokation in der Klinik.

Zur Diagnose Glutensensitivität gelangt man zur Zeit nur mittels Ausschlussverfahren, d. h. zunächst durch den sicheren Ausschluss einer Zöliakie und einer Weizenallergie und dem erst anschließenden Versuch einer glutenfreien Diät. Bei der Darmbiopsie im Rahmen der Zöliakiediagnostik haben GlutensensitivitätPatienten bei intakter Darmschleimhaut manchmal eine leicht erhöhte Anzahl intraepithelialer Lymphozyten (IEL) – dabei handelt es sich um Lymphozyten im Gastrointestinaltrakt. Beobachten die Betroffenen eine Symptombesserung unter der glutenfreien Diät und eine deutliche Beschwerdezunahme unter kontrollierter Glutenbelastung ist von einer Glutensensitivität (GS) auszugehen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.