DZG Informationsveranstaltung Frankfurt

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG)

DZG-Infoveranstaltung in Frankfurt stieß auf großes Interesse!

Charakteristika der Zöliakie: Wann ist die Diagnose sicher?

Eine positive Diagnose liegt vor, wenn eine genetische Veranlagung vorhanden ist (DQ2 /DQ8), wenn der Transglutaminase-Antikörper-Test positiv ist und wenn die Biopsie des Dünndarms eine Schädigung der Darmschleimhaut zeigt, die sogenannte „Marsh 3-Veränderung“, bei der die Darmzotten deutlich verkürzt sind.

Wichtig für die Diagnose ist, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden. So ist die Voraussetzung für die Durchführung einer Dünndarmbiopsie, dass der Patient zu diesem Zeitpunkt eine glutenreiche Kost zu sich genommen hat. Auch die korrekte Probenentnahme und –aufbereitung bei der feingeweblichen Untersuchung ist für die Verlässlichkeit der Zöliakie-Diagnose ausschlaggebend.

Zöliakie-Symptome und Komorbiditäten: Wie zeigt sich Zöliakie und welche Begleiterkrankungen sind möglich?

Durchfälle und Gedeihstörungen sind typische Symptome für Zöliakie bei kleinen Kindern. Nicht immer haben die Patienten jedoch Symptome und diese bleiben im Verlauf des Lebens auch nicht unbedingt immer gleich.

Eine weniger deutlich zu Tage tretende Folge der Zöliakie ist eine Malabsorption, d.h. eine verminderte Aufnahmefähigkeit des Dünndarms. Durch die geschädigte Darmschleimhaut können Stoffe wie Eisen, Kalzium, Vitamine etc. nicht mehr oder nur noch teilweise aufgenommen werden. Viele Patienten, die erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden, leiden deshalb unter einer Anämie, eine Osteopenie oder einer Osteoporose. Bei Frauen kann es zu Infertilität oder vermehrten Fehlgeburten kommen. Auch eine Erhöhung der Leberenzyme gehört zu den Begleiterscheinungen einer unbehandelten Zöliakie. Die Leber ist über die Pfortader mit dem Darm verbunden, so dass sich Darmentzündungen auf die Leber auswirken können.

prof schuppan leiter der ambulanz fuer zoeliakie und duenndarmerkrankungen am universittsklinikum mainzProf. Schuppan, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen am Universitätsklinikum MainzWie Prof. Schuppan, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen am Universitätsklinikum Mainz erklärte, gehören auch die Autoimmunerkrankungen zu den Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Zöliakie gehäuft auftreten. Hierzu gehören Typ-1-Diabetes, Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis (beides Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse), bestimmte Formen des Haarausfalls als Autoimmunerkrankung, rheumatische Erkrankungen, Dermatitis herpetiformis Duhring, sowie bestimmte Kleinhirnerkrankungen (Gluten-Ataxie). Insbesondere bei Kindern treten Autoimmunhepatitis und rheumatische Erkrankungen in erhöhtem Maße auf.

Die Zöliakie ist in diesen Fällen jedoch nicht der Auslöser der Erkrankungen. Vielmehr birgt die genetische Veranlagung für Zöliakie gleichzeitig auch das Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen, weshalb man auch ein gehäuftes Auftreten in Familien beobachtet hat. Die Zöliakie ist dabei häufig eine Indikatorerkrankung, d.h. ein Hinweis auf eventuell bestehende weitere Autoimmunerkrankungen, die auch parallel auftreten können. Behandelt man die Zöliakie, wirkt sich dies zum Teil günstig auf die Autoimmunerkrankungen aus.

Bei älteren, unbehandelten Patienten und auch ohne dass die Zöliakie selbst starke Symptome verursacht hatte, kann das Risiko für Darmtumoren, z.B. Lymphome, erhöht sein. Ein hin und wieder vorkommender Diätfehler bei der glutenfreien Kost stellt jedoch kein Risiko dar.
Weiter gibt es chronische Erkrankungen bei Kindern, z.B. das Down-Syndrom  (Trisomie 21), die mit einer genetisch bedingten erhöhten Häufigkeit von Zöliakie einhergehen.

Verlaufskontrolle bei Zöliakie – warum ist das so wichtig?

prof zimmer zentrum fuer kinderheilkunde und jugendmedizin am ukgm giessenProf. Zimmer vom Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM GießenIst die Diagnose „Zöliakie“ gestellt, bedeutet dies für die Patienten „glutenfrei leben“. Nur das strikte Meiden von Gluten kann zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen. War eine regelmäßige Verlaufskontrolle in der Vergangenheit der Standard, setzt sich heutzutage, unter anderem auch aus ökonomischen Gründen, eine gewisse Aufweichung dieser Praxis durch. Prof. Zimmer vom Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM Gießen appellierte deshalb in seinem Vortrag an die Eltern Zöliakie-betroffener Kinder, selbst „ein Auge“ auf eine ordnungsgemäße Verlaufskontrolle zu haben.

Welche Fragen sollten bei der Zöliakie-Verlaufskontrolle abgeklärt werden?

Spätestens sechs Monate nach dem Beginn der glutenfreien Diät sollte eine Verlaufskontrolle bei einem Kinder-Gastroenterologen stattfinden, der Erfahrungen mit dem Krankheitsbild Zöliakie hat.

Zur Verlaufskontrolle gehört eine Kontrolle der Transglutaminase-Antikörper. Weiterhin hohe Entzündungswerte könnten auf mangelnde Compliance oder unbeabsichtigte Diätfehler hinweisen. Auch eine Überprüfung der Diagnose könnte nötig werden, denn nicht immer wird die Diagnose „Zöliakie“ korrekt gestellt. Spätestens nach 12 Monaten glutenfreier Diät sollten sich der Antikörpertiter normalisiert haben.

Bei der Zöliakie-Verlaufskontrolle sollte in einem ausführlichen Gespräch mit dem behandelnden Arzt geklärt werden, inwieweit sich die klinischen Symptome zurückgebildet haben. Bei Kindern sollten auch Wachstum, Gewichtsverlauf und BMI überprüft werden. Befindet sich das Kind im entsprechenden Alter, ist auch darauf zu achten, dass ob sich die Anzeichen der Pubertät zeigen.

Zur Verlaufskontrolle gehört es auch, eventuelle Fragen zur glutenfreien Diät zu klären – oft kommt es unbeabsichtigt zu Diätfehlern. Bestand ein Eisenmangel ist auch dieser Wert zu überprüfen, um zu sehen, ob die glutenfreie Diät in der Lage war, den Eisenmangel auszugleichen. Auch psychosoziale Fragestellungen sollten besprochen werden, ein Aspekt der häufig zu kurz kommt. Da die Zöliakie zu den vererbbaren Erkrankungen gehört, sollte im Zuge der Verlaufskontrolle auch ein Familien-Screening besprochen werden.

Grundsätzlich sollten Zöliakie-Verlaufskontrollen jährlich durchgeführt werden, es sei denn, besondere Umstände machen eine engmaschigere Kontrolle nötig. Damit es nicht zu längeren Lücken zwischen den Kontrollterminen kommt, ist es sinnvoll, den nächsten Termin gleich vor Ort zu vereinbaren.

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