Zöliakie: Kontaminationsrisiken

Anett Ebock, Deutsche Zöliakie Gesellschaft

Zöliakie: Kontaminationsrisiken im eigenen Haushalt verringern!

Tipp5neuWelche Materialen empfehlen Sie für Küchenutensilien wie Schneidebretter?

Auf keinen Fall sollte man Holzbretter verwenden, besser sind Bretter aus Marmor oder Kunststoff. Kunststoffbretter sind auch deshalb von Vorteil, weil man sie in der Spülmaschine reinigen kann. Grundsätzlich sind die Temperaturen und auch die Reinigungszeiten in der Spülmaschine ausreichend, um mögliche Glutenspuren zu beseitigen. Deshalb ist in „gemischten“ Haushalten eine Spülmaschine zur Kontaminationsvermeidung sicherer als das Spülen mit der Hand, zumal das nach „glutenfrei“ und „glutenhaltig“ getrennte Spülen wirklich sehr aufwändig wäre.

Kann Gluten auch über die Haut aufgenommen werden und welche Risiken bestehen bei glutenhaltigen Medikamenten?

Gluten kann zwar über die Haut aufgenommen werden, spielt aber mit Sicherheit keine Rolle in Bezug auf Zöliakie oder glutenassoziierte Erkrankungen. Zu einer zöliakietoxischen Wirkung kommt es nur bei einer Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt.

Die Aufstellung glutenfreier Arzneimittel, Zahn- & Dentalprodukte sowie Kosmetika ergänzt die Aufstellung glutenfreier Lebensmittel als Mitgliederleistung der DZG. Sie ist eine Positiv Liste und enthält nur erlaubte glutenfreie Produkte. Präparate zur rein äußerlichen Anwendung sind mehrheitlich nicht enthalten, da keine schädigende Wirkung bei Zöliakie bekannt ist.

Ein weiterer Grund für diese Liste mit „glutenfreien Kosmetika“ liegt aber darin, dass u.a. für zöliakiekranke Kinder eine gewisses Risiko besteht. Gerade Kleinkinder, trinken gerne mal ihr Badewasser oder schlucken die Zahncreme und dann ist man mit glutenfreien Produkten auf der sicheren Seite.  

Glutenfrei bedeutet ja in der Regel, dass der Glutenghalt unter 20 ppm liegt, stimmt das? Kann sich Gluten hier nicht über den Tag aufkumulieren?

Einen Kumulationseffekt gibt es nicht. Der Richtwert 20 ppm kommt aus den 80er Jahren und steht für „parts per million“, d.h., „Teile von einer Million“. Damals war ein analytischer Nachweis von Gluten unterhalb dieser Grenze nicht möglich. Heutzutage kann man mit Hilfe von verbesserten Analysemethoden wie PCR auch das völlige Fehlen von Gluten nachweisen. Aber es wurde auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass unterhalb der 20 ppm Grenze keine Darmschädigungen bei Zöliakie-Patienten nachweisbar sind, auch nicht kumulativ. Da müsste man jedes dieser Lebensmittel schon kiloweise essen.

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Frau Ebock, herzlichen Dank für das Gespräch!

Quellen:

1World Gastroenterology Organisation Global Guidelines on Celiac Disease, 2013, http://journals.lww.com/jcge/Fulltext/2013/02000/World_Gastroenterology_Organisation_Global.9.aspx

2 Umberto Volta, Coeliac Disease: Time for a New Diagnostic Approach in Symptomatic Children, JPGN, Vol. 56, No. 3, March 2013

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