Zöliakie: Kontaminationsrisiken

Anett Ebock, Deutsche Zöliakie Gesellschaft

Zöliakie: Kontaminationsrisiken im eigenen Haushalt verringern!

In Deutschland sind 300.000 bis 500.000 Menschen von Zöliakie betroffen, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Die Betroffenen reagieren auf Gluten, ein Klebereiweiß, das in diversen Getreidesorten vorkommt. Die Konsequenz ist eine lebenslange Meidung von Gluten. Da bereits kleinste Spuren starke Beschwerden und Entzündungen hervorrufen können, gehört die Vermeidung von Kontaminationen im eigenen Haushalt zum Alltag zöliakiekranker Menschen. MeinAllergiePortal sprach mit Anett Ebock, Deutsche Zöliakie Gesellschaft über Tipps und Tricks für den Alltag.

Frau Ebock, wie viele Mitglieder hat die Deutsche Zöliakie Gesellschaft?

Zurzeit haben wir 40.000 Mitglieder und seit 10 Jahren kommen jährlich etwa 1.000 neue Mitglieder netto hinzu. Dies zeigt die steigende Prävalenz der Zöliakie. Die steigenden Zahlen sind zum einen darauf zurückzuführen, dass es tatsächlich mehr Zöliakie-Fälle gibt, zum anderen werden aber auch immer mehr Fälle richtig diagnostiziert und der Diagnoseweg ist dadurch nicht mehr so lang und beschwerlich wie dies früher der Fall war. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch neu gerade herausgegebene Leitlinie der WGO1 und einheitlichere Diagnosekriterien.2 Mittlerweile ist das Krankheitsbild Zöliakie bekannter und wird von Ärzten bei entsprechender Symptomatik eher in Betracht gezogen als früher.


DZG Tipp1

Menschen mit Zöliakie wissen, dass sie im eigenen Zuhause eine Kontamination ihrer Nahrung mit Gluten strikt meiden müssen. Wie stellt man das z.B. bei der Reinigung von Kochgeschirren sicher?

Eine 100prozentige Sicherheit gibt es nie. Es ist jedoch schon ein wichtiger Faktor, wie oft die Küchenutensilien wie  Lappen, Spülbürsten etc. gewechselt werden, welche Materialien verwendet werden oder ob Einmaltücher genutzt werden. Viele Patienten lösen das Problem indem sie ihre eigenen „glutenfreien“ Küchenutensilien vorhalten und diese z.B. durch Farben oder Aufkleber kennzeichnen. Diese Utensilien werden dann ausschließlich zum Reinigen „glutenfreier“ Kochutensilien genutzt. Man benötigt aber keine separate Spülmaschine.

Tipp2neuWie geht man bei Zöliakie beim Kochen vor?

Auch hier entwickelt jeder seine eigene Systematik. Es gibt Patienten, die zuerst die glutenfreien Speisen zubereiten und dann die Speisen für die restliche Familie. Andere nutzen separate Kochgeschirre und Utensilien. Ein „glutenfreier“ Backofen ist bei konsequenter Hygiene nicht nötig, aber ein separater Toaster ist empfehlenswert. Sollte dies nicht möglich sein gibt es im „glutenfrei“-Online-Fachhandel sogenannte Toastabags, Sie bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoffgewebe das beidseitig Teflon beschichtet ist. In den Toastabags kann man dann sein glutenfreies Brot in einem „normalen“ Toaster toasten, ohne dass eine Kontaminationsgefahr besteht. Das ist auch für den Urlaub im Hotel sehr praktisch und man kann die Taschen bis zu  300 Mal wiederverwenden.  

Tipp3neuIst es für Menschen mit Zöliakie empfehlenswert, das häusliche Umfeld zur „glutenfreien“ Zone zuerklären?

Das ist sehr individuell und dabei spielt es auch eine Rolle, wer in der Familie von der Zöliakie betroffen ist. Ist dies die Mutter, kocht sie meist für sich selbst glutenfrei und „normal“ für die Familie. Sind männliche Familienmitglieder betroffen kommt es vor, dass sich die gesamte Familie glutenfrei ernährt. Diese Frage hat jedoch auch einen sozialen Aspekt. Die glutenfreie Ernährung ist aufwändig und kostenintensiv. Man muss daher abwägen, welchen Aufwand man zeitlich betreiben will, und  finanziell stemmen kann.
Tipp4neu

Apropos Kosten - ist denn der deutlich höhere Preis für glutenfreie Produkte gerechtfertigt?

Prinzipiell schon, denn gerade bei den „Ersatzlebensmitteln“ aus glutenfreiem Getreide muss der Hersteller schon bei Anbau und Ernte der Rohzutaten, aber auch bei der Verarbeitung sicherstellen, dass alle Prozesse kontaminationsfrei verlaufen. Der Hersteller muss die Kontaminationsfreiheit in allen Produktionsstufen nachweisen und dies auch immer wieder durch Laboranalysen belegen. Das wirkt sich dann natürlich auch auf die Preise aus.

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