Zöliakie Leitlinie

Frau Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Die neue Zöliakie-Leitlinie: Was ist wichtig für die Betroffenen?

In der Zöliakie-Leitlinie wird konkret empfohlen, Verwandte ersten Grades eines Zöliakie-Betroffenen auf Zöliakie zu testen. Wie häufig findet man bisher bei solchen
Untersuchungen Zöliakie-Erkrankungen?

Häufig findet man bei Verwandten von Zöliakie-Patienten stumme oder wenig symptomatische Verläufe. Oft stellt der Hausarzt immer wieder einen Eisenmangel fest und verschreibt die entsprechenden Medikamente, ohne zu untersuchen, was dahinterstecken könnte. Manchmal haben die Patienten auch leichte Magen-Darm-Beschwerden wie ein Magengrummeln oder leichte Durchfälle, nehmen die Symptome aber nicht ernst. Auch extraintestinale Beschwerden, die häufig nicht mit Zöliakie in Verbindung gebracht werden, findet man in dieser Patientengruppe.  

Bei 10 bis 15 Prozent der getesteten verwandten Personen findet man ebenfalls eine Zöliakie – eine relativ hohe Zahl! Deshalb sollte man nahe Verwandte, d.h. Eltern, Geschwister und Kinder ebenfalls auf Zöliakie testen, wenn ein Zöliakie-Fall auftritt.

Es gibt aber auch Forderungen nach einem systematischen Zöliakie Screening. Wäre dies aus Ihrer Sicht sinnvoll?   

Zur Frage des Zöliakie-Screening gibt es verschiedene Überlegungen. Einerseits würde die Zöliakie sich gut für ein Screening eignen, weil sie relativ häufig vorkommt und wir über eine gute Therapie verfügen. Mit einem Screening könnte man in vielen Fällen eine Zöliakie früher entdecken und dadurch Komplikationen und Folgeerkrankungen vermeiden.

Dem entgegen steht die schwierige Frage: Zu welchem Zeitpunkt soll wer untersucht und wie häufig soll diese Untersuchung wiederholt werden? Wahrscheinlich wäre es nicht sinnvoll, die gesamte Bevölkerung zu screenen, schließlich ist dies auch ein Kostenfaktor. Außerdem findet man immer wieder auch Patienten mit Antikörpern, aber ohne Schleimhautveränderungen. In vielen Fällen lassen sich diese Antikörper auch nicht dauerhaft nachweisen – es handelt sich dann um ein vorübergehendes Autoimmunphänomen. In diesen Fällen würde man Patienten unnötig beunruhigen, einschränken und vielleicht sogar übertherapieren. Hinzu kommt, dass eine Zöliakie jederzeit entstehen kann, auch wenn die Tests in der Vergangenheit negativ waren. Man müsste also lebenslang immer wieder Untersuchungen durchführen.  

Für den Moment erscheint es deshalb am sinnvollsten, die Risikogruppen, also z.B. die nahen Verwandten, aber auch weitere, wie Personen mit Autoimmunerkrankungen, engmaschig zu untersuchen und bei vielen ungeklärten Symptomen die Zöliakie grundsätzlich in die Überlegungen mit einzubeziehen. Die neue Zöliakie-Leitlinie bietet eine gute Grundlage für eine sichere Diagnose.

Frau Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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