Zöliakie Screening

Prof. Dr. med. habil. Thomas Richter, Chefarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Fachkrankenhaus Hubertusburg

Zöliakie: Mit Zöliakie-Screening unerkannte Erkrankungen erkennen

Sie sprechen sich für ein Zöliakie Screening aus – warum?

Wer viele zufällig diagnostizierte Patienten erlebt, deren Eltern später sagen "unter glutenfreier Kost - ein ganz anderes Kind, leistungsfähig, macht jetzt Sport mit, konzentriert..... „ kommt ganz automatisch darauf, ein Screening zu wünschen. Schon vor vielen Jahren lernte ich "Zöliakie - das ist der Affe unter den Krankheiten".

Wie sollte ein Zöliakie-Screening konkret aussehen? Würden Sie das Screening auf bestimmte Risikogruppen beschränken?

Viele Zöliakie-Patienten haben eben nicht nur die typischen Probleme des Magen-Darm-Kanals. Wenn aber die Symptome so verschieden sind, ist die Reduktion auf Risiko-Gruppen letztlich problematisch. Ich würde prinzipiell bei allen Kindern die Zöliakie-Antikörper untersuchen - bei scheinbar symptomlosen Patienten z.B. frühestens ab 3. Lebensjahr und spätestens vor der Einschulung. Diese Untersuchung - möglichst im Rahmen einer ohnehin notwendigen Blutentnahme beim Hausarzt - müsste mit ins "gelbe Heft" eingetragen werden. Bei symptomatischen Patienten (Untergewicht, Kleinwuchs, Magen-Darm-Probleme) würde diese Untersuchung vermutlich von den Hausärzten ohnehin häufiger durchgeführt als gegenwärtig.

Sehen Sie ein Zöliakie-Screening nur für Kinder als sinnvoll an, oder auch für Erwachsene, bei denen die Dunkelziffer auch hoch ist?

Erwachsene: schwierige Frage. Da ist die Dunkelziffer mit Sicherheit sehr hoch. Hier sollte Aufklärung unter den Hausärzten erfolgen, auch an die Untersuchung der Antikörper zu denken. Das funktioniert natürlich sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nur dann, wenn auch die Kassen dieses Thema akzeptieren.

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