Kitchenpunk Bea Schulz

Kitchenpunk Bea Schulz kocht "frei von"

Kitchenpunk Bea Schulz zur „Frei von“-Restaurant-Szene in Deutschland

Seit Mitte Dezember 2014 gilt die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) auch für lose Ware. Das heißt: Auch Restaurants müssen die von der EU definierten 14 wichtigsten Allergene für den Gast deutlich sichtbar ausweisen. Wer von Zöliakie, Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen betroffen ist, freut sich über die neue Regelung. Aber: Wie wird sie eigentlich umgesetzt und wie sieht das im Ausland aus? Den Überblick hat Kitchenpunk Bea Schulz „frei-von“ Köchin, Food Coach und Globetrotter in Sachen Food und Fine Dining. MeinAllergiePortal sprach mit ihr über die „frei vonRestaurant-Szene in Deutschland und im Ausland.

Bea, hast Du den Eindruck, dass die Lebensmittelinformations-Verordnung bereits umgesetzt wird?

Ich bin während der Allergy & Free From Messe hier in Berlin täglich Essen gegangen und in diesen Restaurants wurde die Lebensmittelinformations-Verordnung umgesetzt. Allerdings waren das gute Restaurants, nicht unbedingt Sterne-Restaurants, aber gehobene Gastronomie.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass kleinere „Alltagsrestaurants“ der unteren Preisklasse größere Schwierigkeiten mit der Umsetzung der Lebensmittelinformations-Verordnung haben. Zum einen müssen Sie zugeben, dass sie Fertigprodukte verwenden. Zum anderen ist der Konkurrenzdruck oft groß, gerade hier in Berlin, und der Preisdruck ist unsagbar hoch. Da bleibt den Gastronomen oft nichts anderes übrig, als auf Fertigprodukte zurückzugreifen.  

Kam es deshalb im Vorfeld der Lebensmittelinformations-Verordnung zu den teils heftigen Reaktionen innerhalb der Gastronomie?

kitchenpunk bea schulz mit fischBea Schulz: It's all about food!Ich verfolge das mit einem gewissen Schmunzeln. Wie gesagt, muss sich so mancher Wirt im Zuge der Lebensmittelinformations-Verordnung offenbaren, das ist der eine Punkt. Andererseits macht die Lebensmittelinformations-Verordnung natürlich schon auch Arbeit. Man sollte nicht glauben, welche bürokratischen Auflagen man abarbeiten muss, wenn man ein Restaurant leitet. Da bleibt den Gastronomen manchmal wirklich nur noch sehr wenig Zeit am Herd.

Ich sehe das bei der Kochschule, die ich stellvertretend mit führe. Wenn der Küchenchef nicht da ist, verbringe ich oft Stunden im Büro und arbeite HACCP-Protokolle ab. Für einen zweistündigen Kochkurs verbringe ich mindestens vier Stunden mit administrativen Arbeiten im Büro. Dazu kommt jetzt natürlich noch der Aufwand, der für die Umsetzung der Lebensmittelinformations-Verordnung anfällt. Außerdem haben viele Restaurants wöchentlich wechselnde Karten, d.h. die Wirte müssen wöchentlich neue Allergenkennzeichnungslisten erstellen.

Leider gibt es aber auch Kollegen, die sich einfach nicht damit auseinandersetzen, was es für manche ihrer Gäste bedeutet unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden und was z.B. eine Tomate unter bestimmten Umständen auslösen kann. Zum Teil fehlt das Wissen, zum Teil das Bewusstsein und jetzt sind alle gezwungen sich damit auseinanderzusetzen und sich ein gewisses Basiswissen anzueignen. Letztendes könnte die Lebensmittelinformations-Verordnung so dazu führen, dass zumindest das Grundverständnis für Nahrungsmittelunverträglichkeiten zunimmt und man sich mehr als bisher damit auseinandersetzt.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.