Autoimmunerkrankungen

Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan

Autoimmunerkrankungen: Wann kommt es zu gehäuftem Auftreten in Familien?

Gibt es, abgesehen von Autoimmunerkrankungen, noch andere Risikofaktoren, die Autoimmunerkrankungen bedingen?

Es gibt Hinweise, dass Riskopatienten, die auf eine weizenfreie Ernährung umstellen, möglicherweise das Risiko weiterer Immunerkrankungen verringern könnten. Durch eine weizenfreie Kost würden neben dem Gluten auch andere Weizenproteine, die ATIs bzw. Amylase-Trypsin-Inhibitoren ausgeschlossen, die wahrscheinlich ebenfalls eine fördernde Wirkung in Bezug auf Autoimmunerkrankungen haben. Im Moment ist dies jedoch nicht klinisch bestätigt.

Mit Sicherheit sind bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen auch Faktoren wie die Ernährung allgemein und das intestinale Mikrobiom, d.h. die Darmbakterien, die unser Immunsystem modulieren und die Koexistenz von Allergien relevant.  

Ebenso spielen wahrscheinlich andere Umweltfaktoren eine Rolle. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen konnten, dass Umweltfaktoren im Zusammenhang mit Zöliakie bzw. anderen Autoimmunerkrankungen eine verstärkende bzw. abschwächende Wirkung haben können. Auch im Hinblick auf Allergien ist es bekannt, dass Allergene durch chemische Modifizierung von Umweltgasen wie Ozon oder CO2 modifiziert werden können und sich ihre Allergenität dadurch erhöht.

All diese Faktoren sind bisher nur in Ansätzen untersucht und werden jetzt wieder sehr aktuell. In Kooperation mit dem Max Planck Institut für Biochemie werden wir diese Prozesse deshalb näher untersuchen. Eine zentrale Frage ist z.B., inwiefern umweltbedingte chemische Modifikationen von Allergenen, die unter anderem durch die Düngung oder durch Luftkontamination verursacht werden, die allergene Antwort potenzieren können.

Über das intestinale Mikrobiom weiß man zurzeit leider noch nicht so viel…

Es gibt gewisse Hinweise darauf, welche Bakterien eine positive Auswirkung auf das Immunsystem haben, z.B. Laktobazillen. Wichtige Fragen sind: Wie lässt sich das Mikrobiom durch die Nahrung positiv beeinflussen? Wie lassen sich bestimmte Bakterien durch die Ernährung gezielt fördern? Welche Rolle spielt der Lebensstil für die Zusammensetzung des Mikrobioms? Es gibt z.B. Untersuchungen, die zeigen konnten, dass sogar die körperliche Aktivität  einen Einfluss auf das intestinale Mikrobiom hat.

Zu diesem Themenkomplex liegen primär präklinische Daten, d.h. Daten aus dem Mausmodell, vor. Es gibt aber auch schon die ersten klinischen Daten. Auch große Pharmaunternehmen beginnen, sich für das Thema zu interessieren, denn hier könnte ein Potential zur Prävention bzw. Behandlung chronischer Erkrankungen, inklusive Allergien bestehen. Gerade durch die Prävention könnte man den Betroffenen viel Leid ersparen und den Krankenkassen und der Solidargemeinschaft viel Geld. Auch wenn wir die Umweltbedingungen verbessern könnten, könnte man bestimmte Erkrankungen wahrscheinlich mit wesentlich milderen und nebenwirkungsärmeren Medikamenten behandeln, auch Allergien.

Wie geht es weiter mit den Familienstudien zu Autoimmunerkrankungen?

Zunächst gilt es die Daten zu ordnen, zusammenzufassen und zu veröffentlichen, denn bisher wurde, wie gesagt, nur ein Abstract publiziert. Als erster positiver Effekt unserer Untersuchung wird in den nächsten Monaten die Familiensprechstunde am Deutschen Zöliakiezentrum der Universitätsmedizin Mainz wieder aufgenommen.

Die Familiensprechstunde konnte zeitweise nicht mehr fortgeführt werden, weil die aktuelle Vergütung durch die gesetzlichen Krankenkassen nicht ausreichend war. Durch unsere Studie wurde der Klinikleitung aber bewusst, dass die Familiensprechstunde nicht nur eine wertvolle Hilfe für die betroffenen Familien ist, sondern auch ein qualitativ hochwertiges Alleinstellungsmerkmal für unsere Klinik. Die an die Sprechstunde gekoppelten Forschungsvorhaben eignen sich zudem zur Einwerbung einer entsprechenden Projektfinanzierung.

Herr Prof. Schuppan, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Kahaly GJ, Schuppan D. Celiac disease and endocrine autoimmunity. Dig Dis, im Druck.

Weitere Quellen:

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