Autoimmunerkrankungen

Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan

Autoimmunerkrankungen: Wann kommt es zu gehäuftem Auftreten in Familien?

Wie erklärt sich dieser Zusammenhang zwischen Zöliakie und Autoimmunerkrankungen?

Die Häufung von Autoimmunerkrankungen bei Zöliakie erklärt sich dadurch, dass die genetische Veranlagung für Zöliakie, die bei einem Drittel der Bevölkerung gegeben ist, auch eine Veranlagung für Typ-1-Diabtes und Schilddrüsenautoimmunerkrankungen darstellt. Dabei handelt es sich um die Gene HLA-DQ2 und DQ8. Diese Gene erhöhen die Wahrscheinlichkeit, sowohl eine Zöliakie als auch eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln. Dazu gehören, wie gesagt, Typ-1-Diabetes und die Schilddrüsenautoimmunerkrankungen, aber auch rheumatoide Arthritis und einige andere Autoimmunerkrankungen. Nicht belegt ist z.B. ein Zusammenhang mit Multipler Sklerose.   

Gibt es Autoimmunerkrankungen, die besonders häufig die „Ersterkrankung“ sind?

In der Regel wird eine Zöliakie, zumindest in milder Form, bereits im Säuglingsalter mit der Aufnahme glutenhaltiger Nahrungsmittel ausgelöst. Klinisch manifest wird sie oft erst im Erwachsenenalter - man spricht dann von einer latenten Zöliakie.
Wahrscheinlich kann man deshalb von einer zuerst bestehenden subklinischen Ausprägung der Zöliakie ausgehen und dass sich die anderen Autoimmunerkrankungen erst später entwickeln.  Das ist zwar nicht 100prozentig gesichert, aber eine gewisse Logik und die Beobachtungen aus der Praxis sprechen für diese Reihenfolge.

Spielte es für die Anzahl der Komorbiditäten eine Rolle, ob Mutter oder Vater erkrankt waren?

In der Regel ist die Penetranz, d.h. die prozentuale Wahrscheinlichkeit der Vererbung, von der Mutter zu den Kindern stärker ist, als die vom Vater.

Welche Rolle spielt die Therapie oder die Therapietreue bzgl. der Autoimmunerkrankungen für die Anzahl der Komorbiditäten?

Die Frage, inwieweit eine glutenfreie Ernährung das Entstehen weiterer Autoimmunerkrankungen beeinflussen könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Einiges spricht aber dafür, dass eine glutenfreie Ernährung die Entstehung weiterer Autoimmunerkrankungen möglicherweise hinauszögern und vielleicht sogar verhindern kann.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.