Zöliakie,  Schwangerschaft

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Zöliakie, Infertilität und Schwangerschaft: Gibt es Zusammenhänge?

Was müssen Zöliakie-Patientinnen, die schwanger werden wollen, beachten?

Selbstverständlich sollte man sich bei Zöliakie auch in der Schwangerschaft strikt an die glutenfreie Diät halten. So ist eine optimale Nährstoffaufnahme der Mutter gewährleistet und damit auch für das Kind.  

Plant man die Schwangerschaft, ist es sinnvoll im Vorfeld die Zöliakie-Antikörper überprüfen zu lassen. Dies belegt, dass die glutenfreie Diät gut eingehalten wird. In diesem Zusammenhang sollte auch überprüft werden, ob die Werte für Eisen, Vitamin B12 und Folsäure im Normbereich sind. Eventuell sollte man auch Kalzium-, Zink- und Vitamin D-Werte überprüfen, um die Versorgung der Mutter optimal zu gestalten. Auch Magnesium kann unter glutenfreier Ernährung ein Problem darstellen und sollte überprüft werden. Ein niedriger Magnesiumwert kann vermehrte Muskelkrämpfe verursachen oder eventuell sogar Wehen auslösen. Stellt man bei diesen Untersuchungen fest, dass ein besonderer Bedarf besteht, kann man frühzeitig mit entsprechenden Präparaten für einen Ausgleich sorgen. Z.B. sollte Folsäure schon im Vorfeld der Planung einer Schwangerschaft eingenommen werden – das gilt für alle Frauen, nicht nur für Zöliakie-Patientinnen. Der Neuralrohrschlussdefekt der zur Spina bifida führt, entsteht zu einem sehr frühen Zeitpunkt, zwischen dem 22. und 28. Tag. Eine nachträgliche Einnahme von Folsäure kommt deshalb zu spät.

Sollten Mütter mit Zöliakie bei der Beikosteinführung glutenhaltige Nahrungsmittel meiden?

Für die zöliakieerkrankte Mutter selbst gilt natürlich weiterhin glutenfreie Kost. Für das Kind ist dies jedoch nicht sinnvoll. In der Vergangenheit hat man den Müttern sehr strikte Empfehlung in Bezug auf die Ernährung der Kinder gegeben. Zwei Studien, die Ende 2014 veröffentlicht wurden, haben diese Empfehlungen jedoch widerlegt. Offensichtlich gibt es aktuell keine Möglichkeiten, die Entstehung einer Zöliakie in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Offensichtlich wirkt das Stillen im Hinblick auf eine mögliche Zöliakie des Kindes nicht protektiv.

Das Gleiche gilt auch für den Beginn der Gluteneinführung. Bisher hat man gesagt, dass der Säugling im Zeitraum zwischen dem Ende des vierten und dem Ende des sechsten Lebensmonats, Gluten zunächst in kleinen sich steigernden Mengen erhalten sollte. Die Prevent CD Studie, eine internationale multizentrische Studie, an fast 1000 Kindern hat untersucht, ob diese Ernährungsempfehlungen tatsächlich das Risiko einer Zöliakie senken. Es zeigte sich jedoch, dass dies nicht der Fall war. Zwischen den Kindern, die das Gluten zunächst in geringen Dosen erhielten und den Kindern, die ab dem sechsten Lebensmonat direkt mit glutenhaltigen Mahlzeiten gefüttert wurden, gab es gab keine Unterschiede im Hinblick auf Zöliakie.

In einer italienischen Studie hat man untersucht, ob ein Unterschied zwischen der Gluteneinführung im sechsten und im zwölften Monat besteht.4) Auch hier konnte kein Unterschied im Hinblick auf die Anzahl der Zöliakieerkrankungen festgestellt werden. Der einzige Unterschied: Die Kinder, die später mit glutenhaltiger Nahrung begannen, waren auch älter als bei den Routineuntersuchungen eine positive Zöliakie-Diagnose gestellt wurde. Dies könnte eventuell für die schulische Entwicklung der Kinder von Bedeutung sein.

Aber: Für Kinder aus zöliakiebetroffenen Familien ist eine gute und engmaschige Kontrolle wichtig ist. Auch wenn keine Beschwerden auftreten, sollte spätestens alle zwei Jahre routinemäßig ein Antikörpertest auf Zöliakie gemacht werden.  Weiter sollte aufmerksam beobachtet werden, ob Probleme auftreten, die auf eine Zöliakie hinweisen.  

Frau Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Coeliac disease and its effect on human reproduction: a review, Soni S, Badawy SZ, J Reprod Med. 2010 Jan-Feb; 55(1-2):3-8

2) Pregnancy Complications and Adverse Birth Outcomes Among Women With Coeliac Disease: A Population-Based Study from England,  Abdul Sultan A., Tata LJ, Fleming KM, Crooks CJ, Ludvigsson JF, Dhalwani NN, Ban L, West J, Am J Gastroenterol. 2014 Oct;109(10):1653-61. doi: 10.1038/ajg.2014.196. Epub 2014 Aug 5 

3) A nationwide population-based study to determine whether coeliac disease is associated with infertility, Zugna D1, Richiardi L, Akre O, Stephansson O, Ludvigsson JF, Gut. 2010 Nov;59(11):1471-5. doi: 10.1136/gut.2010.219030

4) Introduction of gluten, HLA status, and the risk of celiac disease in children, Lionetti E, Castellaneta S, Francavilla R, Pulvirenti A, Tonutti E, Amarri S, Barbato M, Barbera C, Barera G, Bellantoni A, Castellano E, Guariso G, Limongelli MG, Pellegrino S, Polloni C, Ughi C, Zuin G, Fasano A, Catassi C; N Engl J Med. 2014 Oct 2;371(14):1295-303. doi: 10.1056/NEJMoa1400697 

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